: O. Henry
: Thomas M. Meine
: Rein geschäftlich - mehr Geschichten von den Vier Millionen
: Books on Demand
: 9783759731920
: Die Vier Millionen
: 1
: CHF 3.50
:
: Hauptwerk vor 1945
: German
: 392
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Dies ist das vierte und letzte Buch aus der Serie'Die vier Millionen'. Ein Zeitungsartikel war der Auslöser für O. Henrys 1906 erschienenes Buch mit dem gleichnamigen Titel. Es wurde behauptet, dass es in ganz New York nur 400 Personen von Wichtigkeit gäbe, die es lohnen würde, zu kennen. Doch was ist mit den anderen 3,999,600, deren auf so vielen Hoffnungen basierendes Leben oft nicht einfach war und nicht selten dauerhaft in der Gosse endete? Aber auch diese Menschen sind Teil der Stadt, ohne die es sie überhaupt nicht gäbe. Nach dem großen Erfolg ließ O. Henry weitere Bücher folgen, die sich aber inhaltlich immer mehr von der ursprünglichen Idee entfernten. Im Jahre 1907 folgte das zweite Buch mit dem Titel'Die getrimmte Lampe und andere Geschichten der Vier Millionen'. In diesem Buch bringt O. Henry wieder neue Geschichten aus dem Leben in New York. Im dritten Buch,'Die Stimme der Stadt - weitere Geschichten von den vier Millionen' (1908), schweift er noch weiter ab. Das Werk hätte auch ganz allgemein'Geschichten aus New York' genannt werden können. Das hier vorliegende vierte Buch (1910) zeigt deutlich die Veränderungen, die in O. Henry vorgingen, körperlich und geistig. Er war starker Alkoholiker, häufig im Delirium tremens und verstarb im Jahre der Drucklegung an einer Leberzirrhose. Sein Schreibstil zeigt die gewohnte Überfrachtung des Inhalts mit Redewendungen, Metaphern und Vergleichen aller Art, die oft kaum oder gar nicht verständlich sind. Selbst literarisch geschulte Muttersprachler tun sich hier arg schwer, herauszufinden, was O. Henry eigentlich meint. O. Henry treibt es aber endgültig auf die Spitze und verliert sich in den seltsamsten Gedankengängen, die New York am Schluss zu einer von Kalifen bewohnten Stadt'Bagdad an der U-Bahn' machen. Für sich allein wäre es das Buch wohl nicht wert, gelesen zu werden. Wer aber den ersten Band genossen und die zwei weiteren schon gelesen hat, kann hier O. Henry auf seinem letzten, schriftstellerisch sehr seltsam gewordenen Weg begleiten. Vielleicht ist er auch in Höhen hinaufgeschwebt, in die der Normalsterbliche nicht mehr folgen kann. Der Übersetzer hat sich auch dieses vierte Buch angetan - schon der Vollständigkeit halber. Er hat selbst einige Zeit im'Big Apple' gelebt und gearbeitet und versucht wieder, mit zahlreichen Anmerkungen und Endnoten, möglichst viel Licht ins Dunkel zu werfen.

REIN GESCHÄFTLICH


Ich nehme an, Sie wissen alles über die Bühne und die Bühnenleute. Sie sind mit Schauspielern in Berührung gekommen und haben die Zeitungskritiken und Witze in den Wochenzeitschriften über das Rialto [Theaterdistrikt] und die Chormädchen und die langhaarigen 'Tragödianten' gelesen, und ich nehme an, dass eine komprimierte Liste Ihrer Ideen über das geheimnisvolle Bühnenland auf so etwas hinauslaufen würde:

Die Hauptdarstellerinnen haben (hatten) fünf Ehemänner, Strass-Diamanten und eine Figur, die nicht besser ist als der ihrer eigenen (Madam), wenn sie nicht gepolstert wäre. Chormädchen sind untrennbar mit Peroxid, Panhards [Luxusauto] und Pittsburg verbunden. Alle Shows laufen am Schluss auf braunen Oxford-Schuhen und auf Eisenbahnschwellen zurück nach New York. Untadelige Schauspielerinnen reservieren die Rolle der komischen Landlady für ihre Mütter am Broadway und ihre Stieftanten auf der Straße. Kyrle Bellews richtiger Name ist Boyle O'Kelley. Die Tiraden von John McCullough [Schauspieler] auf dem Phonographen wurden aus dem ersten Verkauf der Ellen Terry [Schauspielerin] Memoiren gestohlen. Joe Weber [Schauspieler] ist witziger als E. H. Sothern [Schauspieler]; aber Henry Miller ist älter geworden, als er war.

Alle Theaterleute trinken beim Verlassen des Theaters am Abend Champagner und essen Hummer bis zum Mittag des nächsten Tages. Schließlich haben die bewegten Bilder den ganzen Haufen zu Brei geschlagen [die Konkurrenz des Films].

Nun, nur wenige von uns kennen das wahre Leben der Bühnenleute. Wenn wir es wüssten, wäre der Beruf vielleicht noch überfüllter, als er ist.

Wir betrachten misstrauisch die Schauspieler mit einem Blick voller gönnerhafter Überlegenheit – und wir gehen nach Hause und üben alle möglichen Arten von Reden und Gesten vor unseren Spiegeln.

In letzter Zeit wurde viel über das Volk der Schauspieler in einem neuen Licht geredet. Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass sie keine motorisierten 'Bacchanalisten' [wilde Säufer] und diamanthungrigen Loreleys sind [das die Loreley auf Diamanten scharf war, ist mir neu], sondern geschäftstüchtige Leute, Studenten und Asketen mit Kindern und Häusern und Bibliotheken, die Immobilien besitzen und ihre privaten Angelegenheiten genauso ordentlich und unsensibel regeln wie jeder von uns braven Bürgern, die an die