: Bettina Lausen
: Das vermisste Mädchen Kriminalroman | Ist sie in der Gewalt eines Serientäters?
: dotbooks
: 9783989522183
: 1
: CHF 1.80
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 250
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine Ermittlerin, die mit ihrem eigenen Trauma konfrontiert wird. Als Helena Briest in einer Kleinstadt im Sauerland ihre Privatdetektei eröffnet, ahnt sie noch nicht, dass gleich ihr erster Auftrag die Albträume ihrer eigenen Vergangenheit wieder aufwühlen wird: Die siebenjährige Tshala verschwindet - und die Polizei findet keine Spuren. Verzweifelte bittet die Familie des Mädchens Helena um Hilfe. Ist Tshala in der Gewalt eines Serientäters - oder ist sie Opfer eines fremdenfeindlichen Hintergrunds geworden? Je mehr Helena über die Familie und die Nachbarschaft in Erfahrung bringt, desto bodenloser scheint der Abgrund, der sich vor ihr auftut. Nur eins ist sicher: Die Uhr tickt- und jede Stunde könnte für das Mädchen die letzte sein ... Fesselnde psychologische Spannung mit einer starken Ermittlerin - für Fans von Petra Hammesfahr und Romy Hausmann.

Bettina Lausen, geboren 1985, lebt mit ihrer Familie in Haan und hat einen Bachelor in Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Literatur und Geschichte. Sie veröffentlichte bereits mehrere Romane, sowohl im historischen Bereich wie auch in der Spannung. Seit 2018 gibt sie Kurse für Kreatives Schreiben und verfasst Artikel für die Fachzeitschrift »Federwelt«. Außerdem ist sie als Schreibcoach und Lektorin tätig. Die Autorin im Internet: www.bettinalausen.de www.instagram.com/bettina.lau en www.facebook.com/bettinalause .de Bettina Lausen veröffentlichte bei dotbooks ihren Kriminalroman »Das vermisste Mädchen«, der auch als Hörbuch bei SAGA Egmont erscheint.

Kapitel 1


Montag, 15.04.

Ich ging zu Fuß zur Detektei, wie ich es mir vorgenommen hatte. Die Fachwerkhäuser und die gepflasterte Straße strahlten altertümliches Flair aus. Links von mir lag die Kirche, davor plätscherte ein kleiner Springbrunnen. Ich bog rechts ab und blieb kurz vor dem alten Gebäude stehen, in dem sich das Museum von Menden befand. Das Gebäude war siebzehnhundertdreißig erbaut worden und stand unter Denkmalschutz, wie ich auf einer kleinen Infotafel las. Es war hier alles ganz anders als in Düsseldorf, wo ich in einem großen Bürokomplex gearbeitet hatte. Obwohl ich einem Umzug erst skeptisch gegenübergestanden hatte, gefiel mir die Atmosphäre dieser Kleinstadt immer besser. Ich bog in den kleinen Durchgang ein, in dem die Haustür zu meiner Detektei lag. Vor der Tür parkte ein Polizeiauto. Was war denn hier los? Ich schloss auf und trat ein. Im Flur versperrten mir zwei Polizistinnen, ein Mann um die vierzig und ein farbiges Paar den Weg. Stimmengewirr. Ich kam nicht umhin zuzuhören. Eine Afrikanerin schrie, die Polizistinnen sollten ihre Tochter finden. »Tshala, Tshala«, rief sie immer wieder. War Tshala nicht das Mädchen, das mir letzte Woche ein Bild geschenkt hatte? Auch der Vater redete auf die Beamten ein, erst auf Deutsch, dann in einer Sprache, die ich nicht verstand.

»Darf ich mal vorbei?«, fragte ich.

»Was wollen Sie hier?«, fragte mich der Mann. Jeans und Trenchcoat unterschieden ihn von den Beamtinnen. Obwohl er mich ernst ansah, hatte er eine sympathische Ausstrahlung. Er trug eine modische Brille, und seine grau melierten Haare gingen in dünne Koteletten über.

»Ich habe Räume in diesem Haus gemietet.«

Er sah die Polizistinnen ungläubig an.

Die dunkelhaarige Ordnungshüterin gab ihm Auskunft: »Wir haben alle Wohnungen überprüft. Eine ist seit diesem Monat neu vermietet an eine Frau namens Helena Briest.« Wie sie meinen Namen ausspuckte, gefiel mir nicht. »Auf dem Namensschild unten steht>Detektei<.«

»Auch das noch«, sagte er.

»Und wer sind Sie?«, fragte ich.

»Volker Nienstedt. Kripo.«

Ich nickte, drängte mich an ihnen vorbei und lief die Treppen hinauf. In meiner Detektei ließ ich meine Tasche auf den Boden fallen und setzte mich in meinen Sessel. Ein Mädchen war verschwunden, ausgerechnet in diesem Haus. Ich stützte meinen Kopf mit meinen Händen ab und rieb mir über die Stirn. Mir wurde heiß und ich lehnte mich zurück. Ich sah aus dem Fenster. Auf dem gegenüberliegenden Dach gingen zwei Tauben spazieren. Es klopfte an der Tür. Langsam erhob ich mich und öffnete sie. Vor mir stand der Farbige, der im Flur auf die Polizisten eingeredet hatte. Er hatte ein kantiges Gesicht, eine breite Nase und einen Schnurrbart. Sein Kopf war kahlgeschoren. Er streckte mir die Hand entgegen.

»Upenyu Kiwanika.«

Wie sollte ich mir das denn merken?

»Helena Briest.« Ich erwiderte seinen Händedruck.

»Sie sind Detektivin. Sie helfen uns«, sagte er bestimmend.

Ich schüttelte den Kopf, doch er dirigierte mich schon die Treppen hinunter. Überrascht von seiner Zielstrebigkeit, die keine Widerworte zuließ, folgte ich ihm.

In der Wohnung ockerfarbene Wände, aufgeräumte Schränke, ein ovaler Esstisch aus Holz und eine Sofagarnitur mit bunten Decken. Dort saß die Mutter und hielt die Hände eines Mädchens im Teenageralter und eines kleinen Jungen fest in ihrem Schoß. Verzweifelte Blicke. Die Tochter schaute permanent auf den Orientteppich, der die Hälfte des Fußbodens bedeckte. Auf einem herangezogenen Esszimmerstuhl saß ein schätzungsweise Zwanzigjähriger. Er trug ein enges Hemd und beobachtete mich mit wachen Augen. Der Vater lehnte sich an die Wand und bat mich, Platz zu nehmen. Ich ließ mich widerwillig auf dem freien Sessel nieder. Obwohl der Raum mit Menschen gefüllt war, spürte ich das alles üb