: Gudrun Leyendecker
: Lillis Reise im magischen Licht Märchen
: Books on Demand
: 9783759782649
: 1
: CHF 9.70
:
: Fantasy
: German
: 360
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das Märchen LILLIS REISE IM MAGISCHEN LICHT erzählt von der jungen Prinzessin Lilli und ihrer abenteuerliche Reise durch Florazien. Der unersättliche König Pontis möchte Besitzer der größten Weltwunder werden und beauftragt Lilli, sie ausfindig zu machen und zu erwerben. Da sind merkwürdige Erlebnisse vorprogrammiert, und die Prinzessin begegnet seltsamen Gestalten. Wird sie auch der großen, magischen Liebe begegnen?

Gudrun Leyendecker ist seit 1995 Buchautorin. Sie wurde 1948 in Bonn geboren. Siehe Wikipedia. Sie veröffentlichte bisher circa 98 Bücher, unter anderem Sachbücher, Kriminalromane, Liebesromane, und Satire. Leyendecker schreibt auch als Ghostwriterin für namhafte Regisseure. Sie ist Mitglied in schriftstellerischen Verbänden und in einem italienischen Kulturverein. Erfahrungen für ihre Tätigkeit sammelte sie auch in ihrer Jahrzehntelangen Tätigkeit als Lebensberaterin.

Kapitel 5


Als Lilli am anderen Morgen erwacht, befindet sie sich am Strand von Cabo San Lucas in Mexiko, und wie erwartet, steht ein kleiner Junge da, um sie abzuholen.

„Ich bin der Juan“, sagt er freundlich und reicht ihr die Hand.

„Hattest du eine weite Reise?“

„Ich habe sie völlig verschlafen, und kann mich nicht daran erinnern.“ antwortet junge Frau.

„Und ich bin Lilli.“

„Ich werde dich zu meiner Schwester führen, die am Rand der Stadt in einer kleinen Hütte wohnt“, fährt er fort.

„Deine Schwester hat von der Sammelleidenschaft meines Vaters gehört und ihm geschrieben, dass sie ihm eine Perle schenken möchte, die sich aus ihren Freudentränen entwickelt hat. Ist das richtig so?“

Er nickt eifrig. „Ja, das ist wirklich so gewesen, und sie wird dir bestimmt ihre Geschichte erzählen.“

„Ich habe gehört, dass es um eine Augenoperation gegangen ist. Ich hoffe sehr, dass es ihr jetzt besser geht.“

Juan lächelt. „Ja, und sie hat auch viel gebetet. Maria glaubt daran, und es hat ihr geholfen. Bist du eine echte Prinzessin?“

„Mein Vater ist König, und ich bin seine Tochter. Da ist man dann automatisch eine Prinzessin. Aber wenn man als Prinzessin geboren wird, ist man auch verpflichtet, sich wie eine Prinzessin zu benehmen.“

„Dann müsste meine Schwester auch eine Prinzessin sein“, findet der Junge. „Denn, wenn sie etwas bekommt, verschenkt sie davon sehr viel an Menschen, die weniger oder gar nichts haben. Ist sie dann nicht auch eine Prinzessin?“

Lilli überlegt. „Vielleicht ist sie sogar etwas viel Besseres als eine Prinzessin. Wahrscheinlich ist sie ein menschlicher Engel.“

Hinter einer Wegbiegung erreichen sie eine grüne Oase aus Bäumen und Büschen, in der oben das Dach einer Hütte herausschaut.

Beim Gartentor wartet eine junge Frau, deren langes schwarzes Haar in der Sonne glänzt.

Sie winkt freudig „Lilli! Wie schön, dass du kommst!“

Zur Begrüßung küsst sie die Fremde auf beide Wangen. „Jetzt komm einmal herein und stärk dich!“ Sie führt die Prinzessin auf eine winzige Terrasse vor der kleinen Hütte, um die sich hunderte von roten Blumen ranken, deren Blüten geschlossen sind.

Sie setzen sich auf die Bank unter dem Sonnendach, und während Maria die Teller mit kleinen Kuchen und die Gläser mit frischem Saft füllt, bestaunt Lilli die grüne Oase vor ihren Augen.

„Du hast wohl den grünen Daumen“, findet die Prinzessin.

„Alles gedeiht hier so wunderbar unter der heißen Sonne.“

„Ich gestehe, dass ich viel Wasser verbrauche, mehr für die Pflanzen als für mich selbst. Aber diese Pracht hat mir immer viel Mut gegeben. Die Pflanzen haben mir stets gesagt, dass ich durchhalten muss.“

„Dann hast du eine schwere Zeit hinter dir,“ erinnert sich Lilli.

„Das kann man wohl sagen. Es war sehr schwer, ganz allein für meinen Bruder und mich zu sorgen. Daher habe ich oft Tag und Nacht gearbeitet. Wie du dir denken kannst, war das nicht gut für meine Augen. So sollte ich mich dann einer Augenoperation unterziehen, aber ich hatte Angst davor, und die Krankenkasse wollte nicht sämtliche Kosten übernehmen. Also habe ich dann erst einmal nur abgewartet und gebetet. Da haben dann einige Freunde für mich Geld gesammelt, und ich habe mich dann zur Operation entschlossen, die gut verlaufen ist. Zuerst lief ich mit verbundenen Augen herum, und meine Freunde haben mir geholfen. Mein kleiner Bruder hat mir diese Blumen hier gesät. Sie sind auch sehr gut gediehen, und als ich eines Nachts die Augen-Klappe entfernte und die Mondsichel sanft auf meine Terrasse schien, da blühte es rundherum in einer zauberhaften, leuchtend roten Pracht.“

„Diese Blumen blühen in der Nacht?“

Maria nickt. „Ja, und das ist das Besondere an diesen Blumen, und deswegen heißen sie auch „Mirabilis“. Sie öffnen ihre Blüten, wenn die Sonne untergeht, und sie schließen sie, wenn die Sonne aufgeht. Daher haben sie ihren Namen „Wunderblumen“.“

„Sie sind zauberhaft“, findet der Prinzessin. „Aber du kannst auch auf deinen Bruder sehr stolz sein. Er ist ein sehr liebenswerter Junge, und er hat sehr lieb über dich gesprochen.“

Maria nickt eifrig. „Oh ja, ich bin sehr froh, dass er so lieb ist und mir so gut geholfen hat. Und vor lauter Rührung habe ich dann in dieser besonderen Nacht geweint.“

„Oh ja, das verstehe ich. Ich bin auch sehr berührt von alldem, was du erlebt hast, und natürlich auch von dem wundervollen Ende dieser Geschichte. Ich bin sicher, dass auch deine Gebete gut geholfen haben.“

„Das glaube ich auch, ganz fest. Und ich sehe auch die Perle als großes Geschenk an. Was macht eigentlich dein Vater mit all seinen Sammelstücken? Hat er ein Museum, oder staubt er sein Inventar einfach nur ab?“

Lillis Augen werden groß. „Oh nein! Er sammelt die großen und kleinen Wunder nicht für sich, sondern für alle Menschen, besonders für die, die nicht mehr an Wunder glauben.“

„Und was macht er nun damit?“ hakt Maria nach.

„Natürlich pflegt er sie auch. Der Regenbogen braucht täglich Wasser und Sonne, damit er weiter in bunten Farben schimmert. Für die besonderen Vögel hütet er die Natur, und das eine oder andere Wunder muss auch ins rechte Licht gesetzt werden. Er fotografiert alles, filmt seine Schätze und verbreitet alles in den Medien dieser Welt, damit man auch im hintersten Winkel wieder an Wunder glauben lernt.“

„Da sind auch Vögel? Es gibt Menschen, die essen Vögel. Werden sie denn als Wunder anerkannt?“

„Eigentlich ist jedes Tier, und sogar jedes Lebewesen ein Wunder. Aber dadurch, dass es so viele davon gibt, empfinden es die meisten Menschen als etwas Selbstverständliches. Daher sucht sich mein Vater schon einige besondere Spezies heraus, an denen seine Mitmenschen etwas Ungewöhnliches entdecken können. Mein Vater sagt immer, man muss die Menschen mit der Nase auf etwas stoßen, damit sie etwas erkennen.“

Die Mexikanerin lacht. „Ja, und das hilft oft noch nicht einmal. Aber ich werde dir einige Samen der Wunderblume mitgeben, darüber wird sich dein Vater bestimmt freuen.“

„Kannst du mir einen Pflanztipp geben?“

„Obwohl diese Blumen nachts blühen, und man denkt, sie würden das Licht scheuen, brauchen sie ganz viel Sonne und Wärme und freuen sich auf ein Plätzchen, an dem es etwas geschützt ist. Und stell dir vor, an richtig dunklen, grauen Tagen, da öffnen sie auch ihre Blüten, so als wollten sie die Menschen trösten und sagen: auch ein schattiger Tag kann eine wichtige Bedeutung haben.“

„Das ist ein hübscher Gedanke“, findet die Prinzessin. „Bist du denn jetzt wieder ganz gesund, Maria?“

Die Mexikanerin legt Kuchen nach. „Gott sei Dank, ja. Aber ich habe jetzt gelernt, dass man auch auf sich selbst achten muss. Das ist wichtig, wenn man seine Gesundheit erhalten will. Ich arbeite jetzt nicht mehr so viel.“

„Und wie schaffst du das dann mit dem Geld?“

„Tatsächlich sammle ich jetzt den Samen der Blumen und verkaufe ihn. Aber auch meine Freunde helfen mir sehr, denn wir haben eine Art Gemeinschaft gegründet, in der jeder dem anderen auf seine Art und Weise hilft. Von mir bekommen sie etwas Gemüse, Blumen und Samen, und ich erhalte vieles, dass ich selbst nicht herstellen kann.“

„Das ist ein bisschen so wie früher, als die Menschen noch die Ware tauschten. Manchmal ist das auch heute noch praktisch.“

Maria nickt eifrig. „Ja, eine Freundin hat Hühner, sie tauscht Eier gegen Gemüse, das funktioniert gut.“

Die Prinzessin überlegt. „Und die Perle, willst du sie wirklich weitergeben? Sie ist doch ein ganz besonderer Schatz. Willst du sie nicht lieber aufbewahren?“

Die Mexikanerin schüttelte den Kopf. „Oh nein! In einer Schatztruhe haben all diese Dinge keinen Wert. Man muss all die großen und kleinen Wunder weitergeben, damit sie arbeiten oder Freude machen. Erst dann werden sie wertvoll.“

„Das leuchtet mir ein. Und ich bin froh, dass du jetzt ein lebenswertes Leben gefunden hast. Mein Vater möchte dir aber auch etwas schenken, und er fragt, was du dir wünschst.“

„Das, was ich mir wünsche, kann er mir nicht geben. Ich wünsche mir, dass ich immer eine Lösung für meine Probleme finden werde. Für dich hoffe ich, dass du auf deiner Reise an all deinen Stationen freundlich empfangen wirst und nicht in Gefahren gerätst. Wohin wirst du jetzt als nächstes reisen?“

„Heute Nacht begebe ich mich aus dem sonnigen Mexiko und...