War so klar. Die Arroganz kam ihr ja praktisch schon aus den Ohren. Aber einfach so ins Bockshorn jagen lassen wollte ich mich allerdings auch nicht. „Ich glaube nicht, dass das Alter etwas damit zu tun hat“, sagte ich.
„Ach ja?! Widersprichst du mir?!“ Ihre Stimme war so schrill, dass mir die Ohren klingelten.
„Was ich sagen will, mein Fräulein, ist, dass es Dinge gibt, die ich kann, du aber nicht.“
In dem Moment, als ich das sagte, stellten sich ihre Haare aufrecht auf, wie bei einem Racheengel. Es war erschreckend, ihre Wut war buchstäblich mit beiden Händen greifbar.
Oh, Mist. Warum muss ich Angst vor einem Mädchen haben, das noch nicht einmal zehn Jahre alt ist?!
„Du bist ganz schön eingebildet, was? Für wen hältst du mich eigentlich?!“
Ich zügelte meine Angst und antwortete. „Na, meine Cousine zweiten Grades, richtig?“
„Zweiten was ...? Was zum Teufel ist das?“
„Das bedeutet, dass mein Vater der Cousin deines Vaters ist. Mit anderen Worten, du bist die Enkelin meines Großonkels.“
„Was redest du da?! Das verstehe ich nicht!“
Vielleicht war das nicht die beste Art, es zu sagen? Vielleicht sollte ich ihr einfach sagen, dass wir verwandt sind. „Du hast doch von Paul gehört, oder?“
„Natürlich nicht!“
„Oh, äh, okay ...“ Das war unerwartet. Offenbar wusste sie nicht, wer er war. Nicht, dass es wirklich wichtig gewesen wäre, wie wir verwandt sind. Viel wichtiger war es, sie zum Reden zu bringen.
Gerade als ich das dachte, klatschte mir schon eine Ohrfeige ins Gesicht.