HEILE WELT
Mein Leben begann 1977, also vor ganzen hundert Jahren am Rande einer Kleinstadt im Norden Deutschlands. Ich bin die Tochter einfacher Menschen und habe sieben jüngere Geschwister. Wir hatten ein kleines, altes Haus aus Sandstein mit einem großen Garten, und während wir Kinder immer mehr wurden und das Haus immer kleiner, und damit wir meiner Mutter nicht die ganze Zeit um die Füße herumtanzten aber auch, weil wir im Haus eine fürchterliche Unordnung anrichten würden, ließ sie uns am liebsten draußen spielen. Und zwar bei jedem Wetter.
Meine Kindheit unterschied sich insofern damals sehr von der meiner Klassenkameraden. Keiner von ihnen hatte so viele Geschwister, und keiner von ihnen konnte so spielen wie ich. Die meisten hatten einen Fernseher, das gab es bei uns nicht, oder wurden in Vereinen und Kursen andauernd beschäftigt, Reiten, Musikunterricht, Fußball, auch das gab es bei uns nicht, denn wer wollte das alles für ganze acht Kinder bezahlen. Also beschäftigten wir uns selbst, und darin waren wir einsame Spitze.
Wir gruben zum Beispiel tiefe Löcher in den Boden eines ungenutzten Ackers direkt hinter unserem Grundstück, jeder sein eigenes, so tief, bis es nicht mehr weiter ging, weil wir auf Grundwasser stießen. Aber immerhin tief genug, dass wir darin fast aufrecht stehen konnten. Einmal hatten wir auf einem Streifzug durch die Nachbarschaft ein paar verzinkte Blechbadewannen gefunden, später wussten wir, dass das wohl Futtertränken waren, aber für uns waren sie weder das eine noch das andere: Sie waren