: Anton Maly
: Lothar Höchsmann
: Der entfesselte Tod Die Tragödie des Pontiac
: Books on Demand
: 9783759746412
: 1
: CHF 7.00
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 216
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die historischen Tatsachen dieses Romans umfassen die Pionierarbeit deutscher Siedler in den englischen Kolonien Nordamerikas, den Indianeraufstand unter Häuptling Pontiac im Jahr 1763 und mehrere Briefe des britischen Generals Amherst an Oberst Bouquet, einen Schweizer. In einem dieser Briefe fragt Amherst: -Könnte es nicht so eingerichtet werden, dass man unter diesen widerhaarigen Indianerstämmen die Pocken verbreitet? Wir müssen bei dieser Gelegenheit jedes Mittel benutzen, um sie zu reduzieren. In einem weiteren Schreiben schlägt er vor, die Seuche durch alte Decken, in denen Pockenkranke gestorben waren, bei den Indianern einzuführen. Die Paxton Boys, eine Horde raubender Grenzer, die wehrlose Indianer niedermetzelte, sind ebenfalls historische Figuren. Der Tod des Indianerhäuptlings Pontiac wurde im Roman vorverlegt, obwohl er tatsächlich erst 1767 von einem Händler ermordet wurde. Alle übrigen Begebenheiten des Romans sind frei gestaltet. Die historischen Daten dieses Romans basieren auf dem amerikanischen Geschichtswerk F. Parkmann, The Conspiracy of Pontiac. München, im November 1939 Der Verfasser

Anton Maly - Ein literarisches Leben voller Abenteuer und Schaffenskraft Anton Maly (1884-1959) wurde in Hadres bei Wien geboren und starb in Planegg bei München. Er schrieb über 100 Romane und 60 Theaterstücke sowie Gedichte und Essays. Seine Reisen durch Südamerika (1905-1909) prägten seine Werke. Während des Ersten Weltkriegs diente er im Infanterieregiment Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 und ließ sich später in Hermannstadt nieder, wo er bis 1936 als Autor und Mitbegründer des deutschen Theatervereins wirkte. Ab 1936 lebte er in Deutschland. Seine Werke sind zeitlose Zeugnisse seiner Abenteuer und seines literarischen Engagements.

1. Der Mord als Beruf; Paxton Bande


Ein leiser Wind fächelte durch die Kronen der Urwaldriesen, die sich in knorrigem Wuchs zum Himmel reckten. Seit ewigen Zeiten behaupteten sie ihren Platz, dehnten sich durch Täler und über Berge und boten Sturm und Wetter wurzelschweren Daseinstrotz. In unberührter Jungfräulichkeit standen die Wälder jenseits der Alleghany Berge, vergingen und wurden, schöpften aus sich heraus die Kraft zu sich stets erneuerndem Leben.

Selten glitten menschliche Füße über das weiche Moos, das zwischen den mächtigen Stämmen wucherte, der Wald gehörte sich selbst und seinen Tieren.

Elch und Hirsch zogen ihre Fährten, Rehe ästen in scheuer Wachsamkeit, Bären wuchteten durch dichtes Unterholz, der Fuchs gängelte wie ein Geck durchs Revier und half dem Wolf und dem Luchs nach Kräften, lebensschwache Tiere von der Fortpflanzung auszuschalten.

Der Wald duldete nichts Unvollkommenes, stark und ungebeugt, wie seine Bäume mussten auch die blutwarmen Wesen sein, die ihn bewohnten.

Das bezog sich aber nicht nur auf Tiere, auch die Menschen, die sich hierher verloren, mussten Kraftnaturen sein, wenn sie sich in dieser Wildnis behaupten wollten.

So ungefähr mussten sie beschaffen sein wie der Mann, der, an einen Baum gelehnt, auf das Warnungsgekreisch eines Eichelhähers horchte, das die Stille des Waldmorgens zerriss.

Der Mann maß gute sechs Schuh. Auf breiten Schultern saß ihm ein flachsblond behaarter Kopf mit kantigem, energischem Gesicht, aus dem blanke, furchtlose Augen blitzten. Seine Gliedmaßen verrieten ungewöhnliche Kraft und Behändigkeit. Er trug –--- man schrieb das Jahr 1763 –--- die damalige Kleidung des Grenzers: Jagd Rock und Hose aus Wildleder, hohe Gamaschen aus demselben Zeug und als Kopfbedeckung eine Mütze aus Biberfell. Seine rechte Faust umklammerte den blanken Lauf einer langen, schweren Büchse, die außer einem breiten Messer, das im Leib Gurt stak, seine Bewaffnung bildete. Kugelbeutel