1. Der Mord als Beruf; Paxton Bande
Ein leiser Wind fächelte durch die Kronen der Urwaldriesen, die sich in knorrigem Wuchs zum Himmel reckten. Seit ewigen Zeiten behaupteten sie ihren Platz, dehnten sich durch Täler und über Berge und boten Sturm und Wetter wurzelschweren Daseinstrotz. In unberührter Jungfräulichkeit standen die Wälder jenseits der Alleghany Berge, vergingen und wurden, schöpften aus sich heraus die Kraft zu sich stets erneuerndem Leben.
Selten glitten menschliche Füße über das weiche Moos, das zwischen den mächtigen Stämmen wucherte, der Wald gehörte sich selbst und seinen Tieren.
Elch und Hirsch zogen ihre Fährten, Rehe ästen in scheuer Wachsamkeit, Bären wuchteten durch dichtes Unterholz, der Fuchs gängelte wie ein Geck durchs Revier und half dem Wolf und dem Luchs nach Kräften, lebensschwache Tiere von der Fortpflanzung auszuschalten.
Der Wald duldete nichts Unvollkommenes, stark und ungebeugt, wie seine Bäume mussten auch die blutwarmen Wesen sein, die ihn bewohnten.
Das bezog sich aber nicht nur auf Tiere, auch die Menschen, die sich hierher verloren, mussten Kraftnaturen sein, wenn sie sich in dieser Wildnis behaupten wollten.
So ungefähr mussten sie beschaffen sein wie der Mann, der, an einen Baum gelehnt, auf das Warnungsgekreisch eines Eichelhähers horchte, das die Stille des Waldmorgens zerriss.
Der Mann maß gute sechs Schuh. Auf breiten Schultern saß ihm ein flachsblond behaarter Kopf mit kantigem, energischem Gesicht, aus dem blanke, furchtlose Augen blitzten. Seine Gliedmaßen verrieten ungewöhnliche Kraft und Behändigkeit. Er trug –--- man schrieb das Jahr 1763 –--- die damalige Kleidung des Grenzers: Jagd Rock und Hose aus Wildleder, hohe Gamaschen aus demselben Zeug und als Kopfbedeckung eine Mütze aus Biberfell. Seine rechte Faust umklammerte den blanken Lauf einer langen, schweren Büchse, die außer einem breiten Messer, das im Leib Gurt stak, seine Bewaffnung bildete. Kugelbeutel