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Max
Mittwoch, 16.10., 10 Uhr
Max stand vor dem imposanten Gebäude an der Kö, Ecke Benrather Straße, und legte den Kopf in den Nacken. Im obersten der zehn Stockwerke befanden sich die Räumlichkeiten der KanzleiMüller & Mahler, die er in wenigen Minuten zum ersten Mal betreten würde.
Er dachte an den Anruf vom Vortag. An die melodische Stimme der jungen Frau, die ihm mitteilte, Ernst Mahler, der Gründer und namensgebende Seniorpartner der Kanzlei, wolle ihn um zehn Uhr am folgenden Tag sprechen. Was Max aufgefallen war: Sie hatte ihn nicht gebeten zu kommen, sondern ihmmitgeteilt, wann er erwartet wurde.
Spontan hatte Max der jungen Frau sagen wollen, wenn Herr Mahler ein Anliegen habe, solle er sich selbst auf den Weg machen und ihn in der Uni besuchen. Er hatte es aber nicht getan, weil ihm der Name natürlich ein Begriff war und es ihn interessierte, was der Chef einer weltweit tätigen Anwaltskanzlei von einem ehemaligen Kriminalbeamten und jetzigen Hochschuldozenten wollen könnte.
Max wusste aus den Medien, dass die Kanzlei gerade wegen einer Steuergeschichte im Feuer stand. Angeblich hatte sie irgendwelchen Spekulanten dabei geholfen, durch ein geschicktes Austricksen des Finanzamtes Milliardengewinne zu erzielen. Diese Verluste mussten nun von den Steuerzahlern getragen werden. Ein investigativer Journalist derPOST hatte dazu umfangreich recherchiert und am Ende einen Enthüllungsartikel verfasst, der das Land in den Grundfesten erschüttert hatte. Manager waren in den Knast gewandert. Die für die Ermittlungen zuständige Oberstaatsanwältin war zurückgetreten.
Max konnte sich allerdings nicht vorstellen, dass Mahler deswegen mit ihm sprechen wollte, denn mit Steuerrecht kannte er sich, wenn überhaupt, nur so weit aus, wie es für seine eigene Steuererklärung nötig war. Mit der großen Politik hatte er erst recht nichts zu tun.
Max’ Ex-Partner, dem er postwendend von dem Anruf erzählte, hatte eine klare Meinung dazu. »Diese Anwälte sind stinkreiche Schnösel. Versteh mich nicht falsch, aber wenn die jemanden wie dich brauchen, dann kann es nur um Drecksarbeit gehen, für die sich ihre eigenen Schnüffler in ihren Armani-Anzügen zu fein sind. Lass es einfach!«
Was aber natürlich nicht in Frage kam. Irgendetwas hatten sich die Schnösel schließlich dabei gedacht, Max überhaupt zu kontaktieren, und damit seine Neugier geweckt. Er löste den Blick von den oberen Stockwerken und ging auf den Eingangsbereich zu. Er war gespannt.
Nachdem der junge Mann an der Rezeption im Erdgeschoss Max’ Namen im Computer gefunden hatte, tätigte er einen kurzen Anruf und nickte ihm dann zu. »Zehnte Etage, man wird Sie in Empfang nehmen.«
Als Max kurz darauf aus dem Aufzug trat, stachen ihm zwei Dinge sofort ins Auge: die imposante Größe des Eingangsbereichs der Kanzlei sowie die künstliche Schönheit der Empfangsdame, die aussah, als läge über ihr ein permanenter Instagram-Filter. Max schätzte sie auf maximal Mitte zwanzig.
»Guten Morgen, Herr Bischoff!« Sie kam strahlend auf ihn zu und deutete auf eine Designersitzgruppe. »Es wird noch ein wenig dauern. Sie dürfen gerne einen Moment Platz nehmen.«
Ich darf, dachte Max, während er, von ihr eskortiert, auf die Sitz