Hitze flimmerte über den Wiesen und Feldern. Wie eine schwere Decke fühlte sie sich an, die alles erstickte, das atmen wollte. Die Krüge waren leer und die Brunnen trockneten aus. Ja, die Sonne schien sonst auch viel im Spätsommer. Aber doch nicht ununterbrochen! Ihr gleißendes Licht, an einem wolkenlosen Himmel, hatte etwas Gnadenloses.
Sina stellte ihren Wäschekorb für einen Moment beiseite, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen. Auf keinen Fall sollte in den frühen Morgenstunden schon eine solche Hitze herrschen. Die kühlenden Gewitter waren seit Wochen ausgeblieben. Häufig am Nachmittag oder Abend schüttelten Sturmböen die Bäume. Aber es blieb nur Wind ohne Regen, so als ob die südlichen Wüsten ihren heißen Atem übers Meer sandten, um das Land mit rotem Staub zu überziehen.
Sina steckte ihr Taschentuch weg und nahm den Wäschekorb wieder hoch, um ihn ins Nebengebäude zu den Wäscherinnen zu bringen. Der Korb war schwer, und Sina war zierlich. Während sie sich mit ihrer Last abquälte, fragte sie sich, wer im Schloss überhaupt Fürst Harolts Anweisung umzusetzen versuchte, Kleidung und Bettwäsche länger zu verwenden als üblich. Wie überall im Land wütete auch im Schloss des Fürsten die Seuche. Sogar Sina als oberste Kammerzofe der Fürstin musste mit den Wäschetransport