Kapitel 1
Wild tobte der Wind um die Türme von Burg Tannenberg. Er stöhnte und heulte wie ein verwundetes Tier, und mit seiner wütenden Kraft erzwang er sich den Weg noch durch die kleinsten Ritzen der verrammelten Fenster.
Conrad fror, doch nichts auf dieser Welt hätte ihn dazu gebracht, jetzt an den Kamin in der Halle zurückzukehren und dort einen heißen Würzwein zu trinken. Stattdessen wanderte er weiter vor der Tür der Kemenate auf und ab, immer wieder zusammen-zuckend, wenn ein weiterer schrecklicher Schrei zu ihm herausdrang.
So ging es nun schon seit heute Morgen, und Conrad hatte nie geahnt, welch qualvolle und vor allem langwierige Anstrengung es kostete, einem neuen Leben auf diese Welt zu helfen. Fortan würde er seiner jungen Frau mit noch mehr Respekt und Bewunderung begegnen, die sich nunmehr seit zwölf Stunden im Kindbett quälte, um ihm endlich den heiß ersehnten Erben zu schenken.
Conrad hatte wahrlich lange auf diesen Augenblick gewartet: Fast fünf Jahre waren seit seiner Vermählung mit Anna vergangen, und erst im letzten Sommer hatten sich endlich die ersten Anzeichen für die Erfüllung ihres Herzenswunsches gezeigt.
Wie selig war Anna gewesen, als ihr der Arzt die frohe Nachricht verkündete. Fast wäre sie die Treppe hinuntergestürzt, so eilig hatte sie es, ihr Glück mit ihrem Mann zu teilen. Seit diesem Tag erstrahlte ein neues, fast überirdisches Licht in ihren Augen, und Conrad wurde nun erst wirklich bewusst, wie sehr seine Gemahlin unter ihrer Unfruchtbarkeit gelitten hatte.
"Ich will dir so