Durchstarten oder Stillstand?
Liebe Leserin!
Wie viel bin ich wert? Was meinst du? Und wie viel bist du wert? Was soll diese Überlegung eigentlich?
Ja, die Frage nach dem Wert eines Menschen ist ungewöhnlich. Was bedeutet sie, wie ist sie gemeint und warum stelle ich sie? Wollen wir unseren Wert wirklich monetär bemessen? Dürfen wir das überhaupt? Genau darum geht es mir in diesem Buch, denn ich bin sicher, dass wir Frauen sie uns in neuem Kontext und äußerst bewusst beantworten sollten. Üblicherweise stellen wir uns die Frage »Wie viel bin ich wert?« eher früher als später im Leben zum ersten Mal – und das wird selten das letzte Mal gewesen sein. Wir stellen sie uns häufig in Bezug auf andere oder im Vergleich dazu, für wie wertvoll wir diese anderen Menschen halten. Wir stellen sie uns unter Umständen schon als Kind, wenn sich unsere Eltern trennen und wir mutmaßen, dass wir der Grund dafür sein könnten. Wir stellen sie uns als Teenager aufgewühlt und heulend, wenn wir erstmals Liebeskummer haben, und traurig bis nachdenklich, wenn wir im Freundeskreis für unseren Geschmack zu wenig Beachtung erhalten. Wir stellen sie uns verärgert spätestens als Erwachsene, wenn jemand unsere Gutmütigkeit oder Hilfsbereitschaft ausgenutzt hat. Vielleicht stellen wir sie uns im Arbeitskontext, wenn wir uns unterbezahlt oder auf anderer Ebene nicht wertgeschätzt fühlen. Aber haben wir diese Frage jemals zu Ende gedacht und sie uns hinlänglich beantwortet? Haben wir uns irgendwann einmal eine ernst zu nehmende Antwort darauf gegeben, wie viel wir in Geld wiegen, wie viel wir in Euro oder Dollar oder Schweizer Franken wert sind? Eher nicht, da man den Wert eines Menschen doch nicht in Geld messen kann! Das ist total unmoralisch und daneben …
Klar, auf den ersten Blick mag es das in unserem erlernten Wertesystem sein. Auf den zweiten Blick ist es allerdings so, dass Arbeit und Leistung nun mal durch Geld ausgeglichen und in Geld aufgewogen werden. Darum sollten wir die Bewertung, was wir von dieser Überlegung halten, hinter uns lassen und uns der Beantwortung der Frage »Wie viel bin ich wert?« mit aller nötigen Ernsthaftigkeit widmen, um nicht nur (endlich) unseren Selbstwert zu erkennen, sondern uns in Folge das, was wir im doppelten Wortsinnverdient haben, in Form von Geld zu holen.
Ich will dir mit diesem Buch keine Anleitung zum Erreichen der ersten Million geben. Ich rede nicht über Immobilien und Aktien mit dir, nicht über das Streuen deiner Investitionen oder das Handeln mit Kryptowährungen und genauso wenig über Anlagenrisiken. Ich werde dir auch nicht erklären, wie du zum smarten Sparefroh wirst. Ich werde hier über das mit dir reden, womit ich inzwischen aus unterschiedlichen Perspektiven eine Menge Erfahrung habe: den geringen Selbstwert und die ihm gegenüberstehenden oder sich aus ihm ergebenden großen Selbstzweifel von uns Frauen, die sich bei Angestellten im Gehalt und bei Unternehmerinnen in ihren Preisen zeigen und die sich so in beiden Einkommensformen früher oder später aufs Konto niederschlagen.
Mein Schlüsselerlebnis dazu hatte ich, als eine Kundin als Reaktion auf meine Ideen für Erfolg versprechende Marketingaktionen herumgedruckst hat, richtiggehend verlegen wurde und mir schließlich gestand, sich nichts davon leisten zu können. Überrascht entgegnete ich, dass sie doch überaus erfolgreich mit dem sein dürfte, was sie als Selbstständige auf die Beine gestellt hatte – so wirkte es jedenfalls nach außen. Als sie mir dann schilderte, was sie alles unbezahlt macht und sich durch mein Nachfragen herausstellte, dass das an – aus meiner Sicht völlig unbegründeten – Selbstzweifeln und einem kaum vorhandenen Selbstwert lag, war ich baff. Diese kreative, engagierte Frau verkaufte sich komplett unter Wert, weil sie es nicht wagte, für sich selbst einzustehen und einzufordern, was sie zweifelsohne verdient gehabt hätte! Inzwischen kann ich gar nicht mehr beziffern, wie viele Frauen ich mittlerweile kenne – Freundinnen, Bekannte, Geschäftspartnerinnen, etliche Kundinnen, Auftraggeberinnen und Mitstreiterinnen aus meinem Businessfrauennetzwerk –, die ständig zu wenig Geld haben, immer wieder richtiggehend Erbsen zählen müssen und unter diesem immensen Druck leiden, obwohl sie gefühlt rund um die Uhr arbeiten.
Hinzu kommt, dass sie sich damit meist eine recht lange Phase ihres Lebens allein auf weiter Flur und mitunter wie Versagerinnen vorkommen, weil der Umstand, nicht mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln auszukommen, nun mal nichts ist, das man sich gern auf die wehenden Fahnen heftet. »Hallo, mein Name ist Elisabeth, ich bin selbstständig und habe ein fettes Minus auf meinem Konto« ist eher nicht der Einstieg, den frau beim geselligen Beisammensein nach einem interessanten Vortrag über die extra dafür schön geschminkten Lippen bringt. So kommt es, dass ich sogar bei jenen meiner Kundinnen, die ein Mindset- und Marketingcoaching bei mir gebucht haben, häufig erst durch mein lästiges Nachbohren erfahre, was der wahre Grund ihres Wunsches nach mehr Sichtbarkeit o