Von der Heilkraft des Lachens
Ohne die Fähigkeit, heiter zu sein,
ist keine Freiheit denkbar.
Christian Morgenstern
Es war einmal ein kleines grünes Männchen mit gelbem Hut und roter Feder darauf. Es lebte in den Feldern, die rund um ein Dorf angelegt waren, das ganz unbemerkt am Rande der Welt lag. Die Menschen, die in diesem Ort lebten, waren friedliche Bauern und Handwerkerinnen, alles, was sie zum Leben benötigten, gedieh auf ihren Äckern oder wurde von ihnen hergestellt. Ein Wald schirmte den Ort von anderen menschlichen Ansiedlungen ab. Er lieferte Brennholz und Beeren und gelegentlich auch einen Braten für ein Festmahl. Der Gelegenheiten gab es viele – die Leute feierten Hochzeiten oder eine Geburt, und wenn jemand gestorben war, dann kamen sie zusammen, um gemeinsam zu speisen und des fehlenden Gemeindemitglieds zu gedenken.
Am Rande des Dorfes lebte ein alter Mann, niemand wusste, wie lange schon. Er hatte alle Kinder des Dorfes aufwachsen sehen und wusste von alten Zeiten zu erzählen. Er besaß ein Buch, ein sehr dickes. Er liebte es, darin zu lesen, und bemühte sich redlich, die Kinder des Dorfes das Lesen zu lehren. Doch die meisten liefen lieber in der freien Natur herum und spielten in den Wiesen, sie zogen es sogar vor, den Eltern auf den Feldern zu helfen. Nur selten gelang es dem Lehrer, eines der Kinder für die Kunst des Lesens zu begeistern. Meist waren es Mädchen, die dann auch schreiben lernen wollten, um die Gedanken, die in ihren Köpfen herumkreisten, ein wenig ordnen zu können.
Das grüne Männchen beobachtete diese Lernstunden gerne. Es hatte den alten Mann schon als Kind gekannt, als dieser selbst erst das Lesen gelernt hatte. Denn das grüne Männchen war noch viel, viel älter als alle anderen Dorfbewohner und Dorfbewohnerinnen zusammen. Seine Aufgabe war es, gutes Einvernehmen mit den Pflanzen zu pflegen. Sie keimten aus den Samen, die alljährlich auf den Feldern ausgebracht wurden, sobald die ersten Sonnenstrahlen sich anschickten, den Boden zu wärmen, und die Wolken ihre erfrischenden Tränen auf diesen herabfallen ließen. Beides belebte die Samen, die Wärme des Bodens ebenso wie der Regen. Dann gab es kein Halten mehr, das zarte erste Grün drang mit aller Kraft durch die schützende Erdschicht. Es wollte zur Sonne, von der der Same schon so viel erzählt hatte. Kaum aber blinzelten die jungen Pflanzen hervor und lachten der Sonne entgegen, war es für das Männchen an der Zeit, jede einzelne kennenzulernen und darauf zu achten, dass es allen gut ging. Denn mit den ersten Sonnenstrahlen war es noch lange nicht getan, zu dieser Jahreszeit fiel nicht nur Regen, sondern manchmal auch sein kalter Bruder, der Schnee. Dafür musste es sie wappnen, sie wissen lassen, dass der kurzen Zeit der Kälte wieder Sonne folgen würde, worauf sie ihr Wachstum getrost weiterführen konnten. Es erzählte ihnen, dass kostbare Samen an ihren Spitzen entstehen würden, wenn sie einmal groß gewachsen wären. Die würden dann weiterverarbeitet werden, um die Menschen des Dorfes zu sättigen. Ebenso erfuhren sie, dass einige von ihnen im kommenden Jahr wieder in die Erde durften. Sie wären es dann, die dort von der Sonne und dem Keimenwollen erzählen würden. So war das Männchen ständig geschäftig, nur im Winter, wenn die Natur ruhte, konnte es ein wenig rasten.
An solchen kurzen Tagen und in den langen Nächten erinnerte es sich der alten Zeiten, auch daran, als der alte Lehrmeister des Dorfes noch ein Bub gewesen war. Wie alle anderen hatte er es geliebt, zu spielen oder ein bisschen da und dort auf den Feldern und im Haus zu helfen. Außerdem war er bekannt dafür gewesen, Schabernack zu treiben. Meist hatten die Geneckten dann mit ihm gelacht. Wie hilfreich Lachen sein kann, hatte er dabei auch gelernt, und das war eines Tages auch seine Rettung gewesen.
Damals lebte am Waldrand noch eine alte Frau, sie sammelte Holz und brachte es den Dörflerinnen. Dafür erhielt sie Essen und, wenn nötig, auch Kleidung. Gern setzte sie sich zu den Bäuerinnen auf ein Schwätzchen. Sie kannte allerlei Geschichten von Zwergen und Elfen, auch von einem mächtigen Zauberer und einer gekränkten Fee wusste sie zu erzählen. Schnell fanden sich dann die Kinder ein und hingen an ihren Lippen – so auch der Bub, der jederzeit bereit war, sich einen neuen Scherz auszudenken.
Als die Alte wieder einmal vom Magier und der gekränkten Fee erzählte und immer noch nicht verriet, was diese so gekränkt hatte, überlegte er, wie er es anstellen konnte, dass Magier und Fee wirklich bei ihnen im Dorf auftauchten. Vielleicht würden sie dann erfahren, was die Fee so getroffen hatte. Aus den Erzählungen der Alten wusste er ja schon so manches, was Feen gern mögen. Scherze gehörten jedenfalls dazu. Mit der Fee sich zu einigen sollte ihm daher nicht schwerfallen. Was den Magier anging, da grübelte er noch. Der konnte alles herbeizaubern, was er so benötigte, und ob der Scherze mochte, bezweifelte der Bub. Vielleicht brauchte er eine komplizierte Aufgabe, um sich aus seinem Reich hinauszubewegen? Oder ging es vielmehr darum, in sein Reich einzudringen? Nur indem er es