PROLOG
Sophie
DREI JAHRE ZUVOR
Wisst ihr, was andere Achtzehnjährige so machen? Sie erleben Nächte voller Freiheit, probieren sich aus und trinken Wein aus Tetra Paks.
Für mich sieht es mit achtzehn etwas anders aus – zumindest bisher. James Mitchell kann durch seine Nähe zu den Formel-1-Bad-Boys Ärger praktisch riechen, was sich auch auf die Erziehung seiner Tochter ausgewirkt hat. Als ich fünf Jahre alt war, sind wir von Kalifornien nach Italien gezogen, und seitdem werde ich genauso behandelt wie die Bandini-Fahrer, die er betreut. Solange ich unter seinem Dach wohne, habe ich mich an seine drei Rs zu halten: Respekt, Regeln und Rechtschaffenheit. Da gibt es keine Ausnahmen.
Diesen Sommer hat mich mein Dad nun, bevor meine Kurse an der Uni anfangen, zu einem einzigen Grand Prix mitgenommen – ein seltenes Ereignis, wenn man bedenkt, dass er mich von der Rennszene ferngehalten hat, seit mir Brüste gewachsen sind und ich gelernt habe, welche Klamotten meiner Figur schmeicheln.
Heute Morgen bin ich mit verschränkten Armen durch unser Hotelzimmer geschlurft, die Unterlippe schmollend vorgeschoben. Mein Dad hat keine Miene verzogen, jedes einzelne graue Haar an seinem Platz, hat mir ungerührt zugehört, als ich gegen sein Vorhaben protestierte.
Ratet mal, wer diesen Kampf gewonnen hat? Ich jedenfalls nicht, falls ihr das dachtet, aber vielen Dank für die moralische Unterstützung.
Statt also in der Bandini-Teambox abzuhängen, hat mein Dad mich zur Freiwilligen erklärt, als Prinzessin verkleidet auf einer Geburtstagsfeier Kinder zu schminken. Lasst euch nicht täuschen, ich bin vielleicht genauso groß wie die herumtobenden Achtjährigen, aber mit Verstand, Witz und Schlagfertigkeit mache ich meine Statur allemal wieder wett.
Ich bin quasi wie ein Zitronenbrausebonbon – süß, aber ich hab es in mir.
Ich streiche mir über das lächerliche Rapunzelkostüm, das mein Dad mir besorgt hat. Damit hat er diesmal ein ganz schönes Eigentor geschossen, denn er hat es versehentlich in Kindergröße gekauft. Der samtige Stoff bedeckt gerade so meine Brüste und mag bei dem einen oder anderen arglosen Partygast den Anschein erwecken, ich würde mehr als Süßigkeiten und Kinderschminken anbieten. Der Rock reicht mir bis zur Hälfte der Oberschenkel und entblößt meine gebräunten Beine – und weiße Converse, denn diese Prinzessin trägt bequeme Schuhe. Scheiß auf Absätze und königliche Nervensägen, die von einem hübschen Prinzen beschützt werden müssen.
Nein, danke. Da bin ich lieber eine Heldin in Sneakers.
Als ich bei der Feier ankomme, reiße ich mich zusammen. Kinder schminken kann schließlich doch ein ganz cooler Job sein, bei dem ich meine künstlerische Ader ausleben kann, der ich sonst mittlerweile eher selten freien Lauf lasse.
Ich liebe Kunst, seit ich mit zwei Jahren einen Pinsel in die Hand genommen und die Küchenstühle samt der mit Leinen bezogenen Sitzfläche angemalt habe. Da hab ich wohl zu viel Bob Ross geguckt. Mein Dad war jedenfalls nicht gerade begeistert, als er sich auf die nasse Farbe setzte und mit dem Abdruck einer Sonnenblume auf dem Hintern belohnt wurde. Ich würde gern behaupten, dass an diesem Tag eine Künstlerin geboren wurde, doch mein Dad hat in meiner Kreativität nie mehr als ein Hobby gesehen.
Statt also nun ir