Hinter dem Zifferblatt 1 - Der Fluch des Uhrmachers Horrorkabinett - Band 12
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Eve Grass
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Hinter dem Zifferblatt 1 - Der Fluch des Uhrmachers Horrorkabinett - Band 12
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Novo Books
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9783961273867
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Horrorkabinett
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1
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CHF 1.80
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Horror
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German
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84
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kein Kopierschutz/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF/ePUB
In einem kleinen Dorf tief im im dunkelsten Bayerischen Wald liegt das Haus, das Franz Seidelbast von seinem geheimnisvollen Onkel Philip - seines Zeichens ein begnadeter Uhrmacher - geerbt hat. Als Franz sein Erbe besichtigen will, findet er ein einsam mitten im Wald gelegenes verwunschenes kleines Häuschen vor, das vollgestopft ist mit einer absonderlichen Sammlung von Wanduhren aller Art. Schon bald muss Franz Seidelbast feststellen, dass all diese Uhren ein beängstigendes Eigenleben entwickeln, welches ihm letztlich ein finsteres Familiengeheimnis offenbart. Deutsche Erstveröffentlichung
Mein Name ist Franz Seidelbast. Damals, als diese kuriose Geschichte ihren Anfang nahm, war ich fünfundfünfzig Jahre alt, arbeitete als IT Spezialist in einer großen Firma, lebte allein in einer schicken Bude in der bayerischen Landeshauptstadt München und Sie hätten mich als absoluten Realisten eingeschätzt. Das hat sich gründlich geändert. Wie? Sie werden es mir ohnehin nicht glauben, deswegen möchte Ihnen diese Geschichte erzählen. Aber Vorsicht! Für Ihre schlaflosen Nächte, wenn Sie das hier lesen, übernehme ich keinerlei Verantwortung. Dennoch schwöre ich Ihnen, genauso habe ich das erlebt. Es geht um meinen Onkel Philip und dessen Hütte im Zwiesler Waldhaus. Sie kennen den Ort nicht? Man möge mir verzeihen, wenn ich das jetzt mal so ausdrücke. Aber es handelt sich um ein Kaff im dunkelsten Bayerischen Wald. Wer möchte da schon freiwillig leben? Dort existiert kein Kino, keine hippe Kneipe, ja nicht einmal ein Supermarkt, in welchem man im äußersten Notfall vielleicht kurz vor Acht am Abend noch eine Flasche französischen Rotwein erwerben könnte. So dachte ich, bevor ich ... aber alles der Reihe nach. Die wenigen Häuser, die dort seit mehr als zweihundert Jahren ausharren, sind umgeben von dunklen Wäldern, die selbst im Sommer das Sonnenlicht nur spärlich zu Boden dringen lassen. Für jemanden wie mich, der als überzeugter Singlemann regelmäßig auf den Balearen den wohlverdienten Urlaub genoss, war ein längerer Aufenthalt dort nahezu unvorstellbar. Düstere Geschichten rankten sich, solange ich zurückdenken konnte, um den Bruder meines Vaters Max. Man erzählte sich unter anderem, der Onkel experimentiere mit einer außergewöhnlichen Technik und paktiere mit seltsamen dämonischen Mächten. Natürlich kannte ich, wie jeder aus meiner Familie, den Onkel Philip. Aber weder meine Eltern noch die Verwandten wollten viel mit dem eigenartigen Kauz zu tun haben, der die Einsamkeit am Rande des Nirgendwo einem Leben in der quirligen Großstadt vorzog. Ich sollte erwähnen, dass meine Familie ebenfalls aus München stammt. Oktoberfest, Englischer Garten, der Viktualienmarkt - ein Feuerwerk des Lebens eben. Onkel Philip galt also als Außenseiter, und er soll seinen Bruder Max - also meinen Vater - verflucht haben. Verflucht? Was für ein Blödsinn, dachte ich mir. Ich mochte den Onkel. So etwas existiert doch nur in Märchen? Was sich hinter dieser üblen Vermutung an kruden Geheimnissen verbarg, sollte ich detaillierter erfahren, als es mir lieb war. Nachdem mein Vater und Onkel Philip vor vielen Jahren im Abstand von wenigen Wochen verstarben, kochten die Gerüchte so richtig hoch. Das ist lange her, aber ich erinnere mich noch daran, als sei es gestern erst passiert. Hatte der Fluch des Sonderlings aus dem Bayerischen Wald meinen stets redlichen Vater Max mit in die Hölle gerissen? Das fragte ich mich damals. Er war der Erste, der eines Morgens kalt und leblos im Bett lag. Mutter hatte berichtet, er habe am Vorabend noch über Kopfschmerzen geklagt und war in der Früh mit seltsam entspannter Miene neben ihr gelegen. Später hatte man einen Herzinfarkt diagnostiziert, und die Gerüchteküche über den angeblichen Fluch seines Bruders kochte erneut hoch. Meines Erachtens war es kein Wunder, dass sein Herz nicht mehr wollte. Vater hatte zeitlebens absolut nicht auf die Ernährung geachtet. Fette Schweinebraten mit Kraut und Knödeln gehörten zu seinem Lieblingsessen. Ärzte hatten ihn immer gewarnt, ebenso Mama und ich. Allerdings hatte er sämtliche Ratschläge konsequent in den Wind geschlagen. An seinem Gesundheitszustand, so verkündete er uns oftmals grimmig, sei nur der verhasste Stiefbruder schuld.? ? ? ? Ich erinnere mich noch genau an die Beerdigung meines Vaters Max Seidelbast. Es war ein kalter, nieseliger Herbsttag gewesen. An den Bäumen hingen nur noch die kläglichen Überreste schlammbrauner Blätter, die wie die abgestorbenen Flügel einer Fledermaus wirkten. Der komplette Rest der Familie, also Mutter Maria, Tante Ida und zwei Großonkel aus Hessen, deren Namen ich vergessen habe, verharrte fröstelnd am Grab im Münchner Ostfriedhof und hoffte inständig, dass Philip, der ja noch lebte, nicht auftauchen würde. Selbst die entfernte Verwandtschaft suhlte sich in der Vorstellung, der rätselhafte Halbbruder meines Vaters, bringe nur Krankheit und Verderben mit seiner Anwesenheit. Immer wieder huschten ihre Blicke über die Friedhofsbesucher hinweg, deren Gesichter unter den bunten Regenschirmen schlecht auszumachen waren. Vermutlich lauschte außer mir niemand den Worten des Pfarrers, dessen violette Stola sich in der hohen Luftfeuchtigkeit immer dunkler färbte. Onkel Philips angeblicher Fluch waberte auch hier wie ein unheilbares Geschwür über der Szenerie. »Max Seidelbast starb mit der Gewissheit, dass er über alles geliebt wurde. Seine Gattin Maria war ihm stets eine treue Gefährtin, in guten, so wie in schlechten Tagen ...« näselte der Ge