1. Facilitation als Anwendungsfeld für mediative Kompetenz
Das englische Wort „Facilitation“ bedeutet, wortwörtlich übersetzt, im Deutschen „Ermöglichen“. Bei diesem Format professioneller Kommunikation geht es um das ressourcenorientierte Initiieren, Gestalten und Begleiten von Prozessen in Gruppen. Zur Einführung in dieses komplexe Thema wird es im Folgenden zunächst um grundlegende Fragen nach dem „Was?“ und „Wie?“, aber auch nach dem „Mit wem?“, „Wozu?“ und „Wodurch?“ gehen.
Facilitation hat sich in den letzten 15 Jahren als ein Anwendungsrahmen für Kompetenzen5 und Methoden entwickelt, die im Rahmen der Ausbildung und Anwendungspraxis professioneller Kommunikation und Prozessbegleitung wie Mediation, Coaching, Training, Moderation oder Supervision eine Rolle spielen. Obwohl „Facilitation“ schon lange als Begriff in der Prozessbegleitung verwendet wird, findet er erst in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit.6 Es entstehen Bücher, Materialien, Angebote und Fachinitiativen mit dieser Überschrift – vor allem aus dem thematischen Kontext des Design Thinking, agiler Arbeitsweisen und dem von Organisationen7. Das ist passend und nicht verwunderlich, es bildet allerdings nicht die ganze Bandbreite für Facilitation ab. Möglicherweise können sich thematisch Interessierte in den nächsten Jahren über eine bunte Vielfalt an Praxisberichten und Materialien freuen.8 In diesem Buch werden Mediation und Mediative Kommunikation fokussiert, um Gruppenprozesse „ermöglichend“ zu gestalten und zu begleiten.9
Kernkompetenzen zum Ermöglichen und Begleiten von Prozessen
Im Weiteren werden wir noch ausführlich Systemische und Dialogische Kompetenz sowie Strukturierungs- und Methodenkompetenz als Kompetenzbereiche für Facilitation einzeln und in ihrer Zusammengehörigkeit betrachten. An dieser Stelle lässt sich als grundlegend festhalten: Wer Prozesse derart offen und flexibel begleitet, braucht Klarheit in Bezug auf seine Intention, eine Gruppe tatsächlich auf ihrem Weg zu begleiten. Zudem braucht er die entsprechenden Fähigkeiten und Fertigkeiten, dieses Vorhaben in der Praxis umzusetzen. Bei beidem unterstützt eine professionelle Selbstreflektiertheit in Bezug auf die eigene Rolle: ein ethisches Selbst-Verständnis personenzentrierten Herangehens mit Wertschätzung, Empathie, Authentizität und Transparenz im Sinne des Prozesses, wie es inKapitel 5.2.2 beschrieben wird.
Zudem ist es ebenso hilfreich wie naheliegend, in anderen Zusammenhängen erworbene Kompetenzen einzubringen. Dazu zählen Mediationskompetenzen, etwa wenn es gleichstellungsorientiert um den Umgang mit Konflikten und Konfliktpotenzialen geht. Schon die sogenannte Mediationsformel „Konflikt = Sache + Gefühl“ bietet für die Arbeit mit einer Gruppe an, den Fokus auf Aspekte der Sach- und Gefühlsebene auszurichten. Dies ermöglicht es allen Beteiligten, einmal losgelöst von der eigenen Positionierung zu einem Thema oder Konflikt auf das zu schauen, was im Gesamten noch eine Rolle spielt. Verhandlungskompetenz und Diversity-Kompetenz helfen, den Ich-Perspektiven in der Gruppe in ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten dialogermöglichend zu begegnen (Kapitel 2.1 und5.2).
Mediative Kommunikation fördert dabei den allparteilichen Blick auf die Ichs und das Wir, zum Beispiel im Umgang mit subjektiver Wahrnehmung von Realität oder Unconscious B