Der Einzug
Mirco stand an seinem Küchenfenster im vierten Stock und beobachtete, wie eine blonde Frau mit aller Kraft einen Karton aus dem offenen Anhänger eines Kleinwagens wuchten wollte. Dabei ging sie vorsichtig kleine Schritte rückwärts und zog an dem Umzugskarton. Schließlich konnte sie den schweren Karton halbwegs über die metallene Kante ziehen, verharrte dann aber. Sie machte eine Pause und rieb sich die mit Handschuhen bedeckten Hände. Es war eiskalt gegen Ende November. Mirco konnte deutlich ihre Atemwolken erkennen. Eine weiße Strickmütze mit Fellrand bedeckte ihr Haupt. Ihr langes blondes Haar fiel über die Schulter. Ein roter Schal war bis über die Nase gezogen und eine schwarze Softshelljacke mit hochgeschlagenem Kragen schützte sie vor der Kälte. Sie war jung und wahrscheinlich hübsch. Er konnte es nicht genau erkennen. Ihr Alter schätzte er um die zweiundzwanzig bis vierundzwanzig.
Wie sie sich anstrengte. Das konnte er nicht mit ansehen. Dass sich eine Frau so abquälen musste, ging gar nicht. Sein Beschützerinstinkt sprang sofort an. Auch sein Hilfsbereitschaftsmodul blinkte auf. Schnell lief er zur Tür, griff nach seinem Haustürschlüssel, warf seinen Anorak über und eilte durch den Flur nach unten.
»Kann ich Ihnen helfen?«, fragte er leicht außer Atem.
Er konnte nicht hinsehen, wenn zierliche Frauen schwere körperliche Arbeiten zu bewältigen hatten. Er glaubte, dann verantwortlich, ja geradezu verpflichtet zu sein, Hilfe zu leisten. Er war schon immer ein höflicher und bereitwilliger Mensch mit guten Manieren. Seine Eltern hatten in der Erziehung größten Wert darauf gelegt. Er half den Frauen, ihre Jacke anzuziehen, und hielt ihnen die Tür auf. Sie dankten es ihm lä