: Indrani Alina Wilms
: Gewinnende Gesprächsführung durch achtsame Sprache
: Junfermann Verlag
: 9783749505616
: 1
: CHF 18.00
:
: Lebenshilfe, Alltag
: German
: 136
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Achten wir immer darauf, wie wir etwas sagen? Ist uns bewusst, was unsere Worte auslösen? Etwas positiv Gedachtes, z. B. ein Lob, wird häufig negativ ausgedrückt. Statt: »Das hast du gut gemacht!« heißt es dann: »Das war gar nicht sooo schlecht!« Oder im Kontext Arztbesuch: Ein Zahnarzt, der beruhigend sagt »Sie brauchen keine Angst zu haben« alarmiert mit diesen Worten und bewirkt das Gegenteil, eine Fokussierung auf die Angst. Überhaupt können in Krisensituationen unachtsam gewählte Worte Negativspiralen weiter verstärken. Egal, ob in privaten Kontakten, Bewerbungsgesprächen, Geschäfts- oder Friedensverhandlungen: Wer achtsame Sprache bewusst einsetzen kann, ist klar im Vorteil. Positive Botschaften kommen positiv an und negative Botschaften lassen sich so formulieren, dass sie für die empfangende Person klar und zugleich annehmbar sind. Mithilfe achtsamer Sprache kann man aussichtslose und verloren geglaubte Situationen umkehren und sogar Gegner für sich gewinnen.

Indrani Alina Wilms, Dr., ist Psychologin, Psychotherapeutin, Traumatologin und international renommierte Achtsamkeitsexpertin. Sie ist die erste an der University of Oxford in Achtsamkeitstherapie qualifizierte Deutsche.

Vorwort


Endlich ist es so weit! Erneut darf ich ein Herzenswerk schreiben und damit meinen Leserinnen und Lesern Handwerkzeug für ihren Lebens-Skills-Koffer zugänglich machen. Es geht um nichts Geringeres als um den gezielten Einsatz von Sprache, um damit positiv-psychologischen Einfluss auf kommunikative Prozesse in allen Bereichen menschlichen Zusammenlebens zu nehmen.

Die Idee zu diesem Buch und die Einsicht, dass es dringend nötig ist, kam mir durch jahrelange Beobachtungen in privaten und beruflichen Settings: Bei gesellschaftlichen Anlässen, in privaten Zusammenkünften, in Schulkonferenzen und Fernsehtalkshows konnte ich tagtäglich beobachten, wie unachtsam gewählte Worte sofort konfrontative Gegenwehr oder resignativen Rückzug auslösten. Bei Menschen, die zu einem gemütlichen Grillabend zusammengekommen waren, formierten sich Positionen und spalteten die bis dahin fröhliche Gruppe, nur aufgrund einer beim Wurstwenden unachtsam ausgesprochenen Äußerung.

Ich begann, Achtsamkeits-Gruppentrainings anzubieten, mit besonderem Schwerpunkt auf achtsame Sprache, und zwar im Erfurter Augustinerkloster. Hier war einst Martin Luther zum Priester geweiht worden, und damit bot dieser Ort historisch gesehen ein ideales Umfeld für mein Thema. Schließlich hatte Luther, als sein Leben extrem gefährdet war, die Bibel aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt. Ihm war wichtig, die Texte allen Menschen zugänglich und verständlich zu machen. Auch die Lehren der Achtsamkeit sind nicht nur für eine intellektuelle Elite gedacht, sondern sollen allen Menschen verständlich sein. Deshalb werden viele lebensnahe Metaphern aus dem Alltag aufgegriffen, und achtsame Sprache ist deshalb eine Sprache des einfachen Verstehens.

Im Rahmen meiner Tätigkeit in Therapie, Coaching und Beratung habe ich etliche Erfahrungen machen können, was passiert, wenn Sprache unachtsam verwendet wird. Hierzu einige Beispiele:

Die Bedeutung von Sprache in Therapie und Coaching

Als Paartherapeutin stellen sich mir immer wieder folgende Fragen: Warum geraten verliebte und positiv gebundene Paare irgendwann in völlig unnötige Streitsituationen? Warum ruinieren sie damit ihre Wochenenden oder gar eine komplette Traumreise, auf die beide lange gespart haben? Warum kommt es sogar zu einem Beziehungsabbruch? Die Antwort: Kränkende Worte lösen eine negativpsychologische Spirale aus, die unbewusst und schnell Fahrt aufnimmt. Am Ende sind beide nicht mehr fähig, neutral zu reflektieren und so dem negativen Abwärtssog entgegenzuwirken.

Die Ursache ist meistens ein eigentlich gut gemeintes, jedoch unglücklich und unachtsam formuliertes Anliegen. Oft genügt ein einziges Wort, um in der darauf folgenden Negativkommunikation am Ende zum Beziehungskiller zu werden. Aufgrund vieler Streitigkeiten, die sich immer weiter potenzieren, ist dieses Wort mit vielen negativen Emotionen verbunden und so zum Reizwort geworden. Wenn es fällt, werden damit alle negativen Gefühle vergangener Streitsituationen reaktualisiert.

Auch in anderen beruflichen Situationen als Psychotherapeutin und Coach hat Sprache eine durchgängig tragende Rolle. In der Arbeit mit Eltern geht es beispielsweise darum zu entscheiden, wie positives Feedback am besten ankommt, um Kinder zu motivieren, damit diese selbstsicher an sich und ihr schulisches oder sportliches Ziel glauben. Angehörige persönlichkeitsgestörter Menschen möchten vorrangig lernen, wie sie Provokationen verbal de