2. Automatische Reaktionen
Veränderungsimpulse entstehen meist über Lust oder Frust – etwas Neues ist attraktiv oder das Gegenwärtige ist unbefriedigend. Wenn es Menschen belastet, stört oder ärgert, wie sie sich verhalten oder fühlen, wenn Eigenschaften oder Verhaltensmuster negative Auswirkungen auf ihr Leben, Umfeld oder das Erreichen wichtiger Ziele haben, dann kann der Wunsch nach Veränderung wach werden. Wiederkehrende Situationen, in denen man mit sich selbst nicht zufrieden ist, hinderliche Gewohnheiten und Reaktionen sind oft Anlass, sich mit dem Thema Selbstführung zu beschäftigen. Und weil automatische Reaktionen eine so zentrale Rolle spielen, beschäftigen wir uns als erstes mit ihnen. Wir betrachten, was bei Automatismen auf der emotionalen und körperlichen Ebene geschieht, um mit mehr Bewusstheit mehr Einfluss auf limitierende Verhaltensmuster zu gewinnen.
Die meisten Handlungen und Reaktionen im Alltag laufen ohne großes Nachdenken ab. Bewährte Routinen und Verhaltensmuster sind die Grundlage für effizientes Arbeiten, die Gestaltung unseres Lebens und unserer Beziehungen. Sie machen einen großen Teil unserer Persönlichkeit aus und sind so selbstverständlich, dass wir sie nicht mehr bewusst wahrnehmen und reflektieren. Müssten wir bei allem, was wir tun und sagen, bei all unseren Impulsen und Alltagsentscheidungen Vor- und Nachteile bewusst abwägen, würde uns das viel zu viel Zeit kosten. Die meisten Gewohnheitsmuster erleichtern das Leben, sind hilfreich, wirkungsvoll und stimmen uns zufrieden. Im Folgenden schauen wir uns nur die automatischen Reaktionen und Verhaltensmuster an, die zu Problemen und schwierigen Wechselwirkungen beitragen, unter denen wir oder andere leiden und die wir verändern wollen.
Die Herausforderung dabei ist, dass viele dieser Muster so eingefahren sind, dass sie ganz unbewusst ablaufen. Bei automatischen Reaktionen werden Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen so unwillkürlich und schnell ausgelöst, dass wir nicht den inneren Raum haben, uns anders zu steuern. Wir reagieren in einer Weise, mit der wir manchmal schon währenddessen, meistens aber später unzufrieden sind.
Eine automatische Reaktion kann durch einen Trigger von außen ausgelöst werden, etwa durch einen provokanten Satz oder Tonfall, einen abfälligen Gesichtsausdruck oder eine spitze Bemerkung. Spezifische Herausforderungen wie Präsentationen, Vorträge, Konfliktgespräche, Verhandlungen, Kritik usw., ganz bestimmte Personen, Meinungen anderer oder auch Gesprächsthemen können wiederkehrende Zustände und Reaktionen hervorrufen. Aber auch bereits die Vorstellung einer heiklen Situation oder eines schwierigen Gegenübers kann uns von einem Augenblick zum nächsten in eine unangenehme emotionale Gefühlslage versetzen. In Sekundenbruchteilen läuft eine weitgehend automatisierte Reaktion ab und ein typisches Verhaltensmuster bricht durch. Zum wiederholten Mal befindet man sich im gleichen Fahrwasser und fragt sich, wie das passieren konnte:„Schon wieder habe ich jemanden unterbrochen, obwohl ich dochin Ruhe zuhören wollte. Erneut ist aus einer Verhandlung ein starrer Positionskampf geworden, dabei wollte ich doch mehr aufdie Interessen des anderen achten.“ Der Kopf weiß, dass ein anderes Verhalten besser wäre, doch innerlich reagiert etwas automatisch. Es kann sich wie „fremdgesteuert“ anfühlen – als würde man nicht mehr selbst am Lenkrad sitzen. Ist die Automatik bereits im Gang, ist es schwierig, sie zu unterbrechen. Selbst dann, wenn man realisiert, dass sie eskalierend oder destruktiv ist.
Ein Merkmal einer hinderlichen automatischen Reaktion ist, dass sie unangemessen ausfällt und man im Nachhinein frustriert, mit sich selbst unzufrieden, hilflos oder ärgerlich ist. Sekunden, Minuten oder Stunden später meldet sich deshalb oft eine andere Seite: „Du weißt doch, dass es nic