Initiation
„It is during our darkest moments
that we must focus to see the light.“
– Aristotle Onassis
Mit Anfang zwanzig wohnte ich in Heidelberg, hatte nach glorreichen vier Wochen mein Sinologie Studium abgebrochen und lebte in glücklicher, jugendlicher Dummheit vor mich hin. Es war großartig. Ich war eben von einem Aloha Festival am Starnberger See zurück gekommen und in die weite, aufregende Welt der Esoterik eingetaucht. Meine Sinne waren weit geöffnet, ich schwebte frei von jeglicher Bodenhaftung durch mein Leben, wusste zwar woher, aber nicht wohin und genoss es in vollen Zügen. Ich war ein echter Hans- Guck-In-Die-Luft, der die zarte Depression der Schulzeit durch ein Zuviel an Regeln und enger Zeittaktung von sich abgestreift hatte und die Möglichkeiten eines freien Lebens auslotete. Ich war so durstig, so naiv und so glücklich.
In dieser Zeit lernte ich meinen zukünftig besten Freund kennen, den ich mit meiner Begeisterung und meinen Erfahrungen auf diversen schamanischen Seminaren ansteckte, so dass wir kurze Zeit später gemeinsam auf den Wellen der Esoterik und Sinnesfreuden surften. Nach einigen Monaten stürzte dieser dann, ausgelöst durch zu viele Drogen, gepaart mit einer verdammt harten Kindheit in eine schwere Psychose. Gelinde gesagt brachte mich das weit über die Grenzen meiner Belastbarkeit hinaus. Er wohnte in einer Studenten WG, seine Mitbewohner hatten bereits die Flucht ergriffen, da er überwiegend halbnackt am Boden saß und im Wechsel gutturale Laute
von sich gab, hasserfüllte Schreikrä