: Giovanni Fantacci
: Hausarzt 4.0 Ein Plädoyer für die Hausarztmedizin
: edition gai saber
: 9783907320242
: 1
: CHF 19.50
:
: Medizin
: German
: 156
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Giovann Fantacci ist das Kunststück gelungen, seine langjährige Erfahrung als Hausarzt mit seinen Überlegungen zu den verschiedensten Aspekten der Medizin zu einem gut lesbaren und interessanten Buch zu vereinen. Seine Ausführungen geben der Leserin, dem Leser eine fachkundige und umfassende Einführung in folgende Themen: die Geschichte der Medizin, das traditionelle und moderne Verständnis von Krankheit und Gesundheit, die existenziellen Themen Tod und Sterben, die Arzt-Patienten-Beziehung, die Arbeit mit beeinträchtigten Patientinnen und Patienten, die Möglichkeit zur Veränderung unseres Lifestyles. Schließlich geht es auch darum, wie wir Sinn und Zufriedenheit im Leben finden. Der Mensch steht dabei immer im Zentrum des Interesses, dies verbindet Giovanni Fantaccis Arbeit als Hausarzt mit seiner Arbeit als Autor. Das Buch lädt dazu ein, sich selbst Gedanken über die vielschichtigen Aspekte der Medizin zu machen, und bietet eine sehr gute Ausgangsbasis für diejenigen, die vertiefend eine Lektüre der im Buch erwähnten Werke in Angriff nehmen möchten. Giovanni Fantacci stellt seine Gedanken in einer leicht verständlichen Sprache dar und spricht dadurch uns alle an.

Giovanni Fantacci ist 1962 in Zürich geboren, hat hier die Schulen besucht und das Medizinstudium 1989 abgeschlossen. Seine Weiterbildung führte durch verschiedene Spitäler in der Schweiz und Rom, um 1997 in Niederhasli im Kanton Zürich eine Hausarztpraxis zu eröffnen. Von 2008 - 2013 war er Leiter der Ethikkommission im Gesundheitszentrum Dielsdorf. Seit vielen Jahren ist er konsiliarischer Arzt in der Stiftung Vivendra (Stiftung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Beeinträchtigungen) in Dielsdorf.

3. Was Medizin heute kann

Ein 60-jähriger Patient erleidet eine schwere Tumorerkrankung mit einem Melanom (»Schwarzer Hautkrebs«), das bereits verschiedene Ableger (Metastasen) entwickelt hat. Die Spezialisten schätzen die Situation als unheilbar ein und die Partnerin besucht einen Kurs für die palliative Begleitung sterbender Menschen. 2011 kommen völlig neue Therapien auf den Markt (sogenannte Checkpoint-Inhibitoren), die das Immunsystem so modifizieren, dass es die bösartigen Zellen angreift. Der Patient spricht auf die Therapie an und der Tumor wächst nicht mehr weiter. Er lebt seither mit einer guten Lebensqualität und geht jährlich zur Kontrolle.Es werden keine weiteren Rückfälle seiner Tumorkrankheit festgestellt.

3.1. Der Weg zur modernen Medizin

Die Menschen waren schon immer von Krankheiten bedroht und machten sich Gedanken, wie sie den kranken Menschen helfen können. Am Anfang waren es Medizinmänner, die mit ihrem Wissen über Krankheiten und Heilungsmöglichkeiten eine besondere Stellung in der Gesellschaft einnahmen. Sie standen den Kranken mit besonderen Ritualen oder Heilkräutern bei. Das jeweilige Krankheitsverständnis einer Epoche und Kultur bestimmte den Umgang mit Krankheit und damit auch die Heilkunst, die Medizin. Was die Medizin leisten konnte, war und ist in das umfassende Bild dessen eingebettet, wie der Mensch und seine Welt verstanden wurden. Das ist heute nicht anders als vor Tausenden von Jahren.

Der deutsche Arzt, Philosoph und Medizinethiker Giovanni Maio hat in seinem BuchMittelpunkt Mensch: Lehrbuch der Ethik in der Medizin die Entwicklung zur modernen Medizin eindrücklich beschrieben. Es ist ein Ringen der Menschen von einem spekulativ-mystischen zu einem rationalnaturwissenschaftlichen Ansatz. In der Antike kamen die Krankheiten von den