3. Was Medizin heute kann
Ein 60-jähriger Patient erleidet eine schwere Tumorerkrankung mit einem Melanom (»Schwarzer Hautkrebs«), das bereits verschiedene Ableger (Metastasen) entwickelt hat. Die Spezialisten schätzen die Situation als unheilbar ein und die Partnerin besucht einen Kurs für die palliative Begleitung sterbender Menschen. 2011 kommen völlig neue Therapien auf den Markt (sogenannte Checkpoint-Inhibitoren), die das Immunsystem so modifizieren, dass es die bösartigen Zellen angreift. Der Patient spricht auf die Therapie an und der Tumor wächst nicht mehr weiter. Er lebt seither mit einer guten Lebensqualität und geht jährlich zur Kontrolle.Es werden keine weiteren Rückfälle seiner Tumorkrankheit festgestellt.
3.1. Der Weg zur modernen Medizin
Die Menschen waren schon immer von Krankheiten bedroht und machten sich Gedanken, wie sie den kranken Menschen helfen können. Am Anfang waren es Medizinmänner, die mit ihrem Wissen über Krankheiten und Heilungsmöglichkeiten eine besondere Stellung in der Gesellschaft einnahmen. Sie standen den Kranken mit besonderen Ritualen oder Heilkräutern bei. Das jeweilige Krankheitsverständnis einer Epoche und Kultur bestimmte den Umgang mit Krankheit und damit auch die Heilkunst, die Medizin. Was die Medizin leisten konnte, war und ist in das umfassende Bild dessen eingebettet, wie der Mensch und seine Welt verstanden wurden. Das ist heute nicht anders als vor Tausenden von Jahren.
Der deutsche Arzt, Philosoph und Medizinethiker Giovanni Maio hat in seinem BuchMittelpunkt Mensch: Lehrbuch der Ethik in der Medizin die Entwicklung zur modernen Medizin eindrücklich beschrieben. Es ist ein Ringen der Menschen von einem spekulativ-mystischen zu einem rationalnaturwissenschaftlichen Ansatz. In der Antike kamen die Krankheiten von den