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Dieter Riesenberger
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Peter Bürger
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Die katholische Friedensbewegung in der Weimarer Republik Neuedition der Auflage von 1976. Mit einem Vorwort von Walter Dirks und einem Nachruf für Dieter Riesenberger von Helmut Donat
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Books on Demand
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9783759708526
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edition pace
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1
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CHF 3.50
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368
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Wasserzeichen
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PC/MAC/eReader/Tablet
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ePUB
Zu der hier neu edierten Pionierstudie"Die katholische Friedensbewegung in der Weimarer Republik" von Dieter Riesenberger schreibt Walter Dirks in seinem Vorwort von 1976:"Wir wissen, wie wenig Erfolg die Friedensbewegung jener Jahre gehabt hat. Auch die friedliche Politik von Parteien der Mitte und der Linken begnügte sich mit der Erkenntnis, dass dieser schlechte Friede nur mit friedlichen Mitteln revidiert werden könne. Es war eine politisch begrenzte, nicht geschichtlich ausgreifende Absage an den Krieg. Foerster, Quidde e tutti quanti, die'Weltbühne', die Deutsche Friedensgesellschaft: sie alle sind über Außenseiterpositionen nicht hinausgekommen. Neben diesem sehr begrenzten Einfluss des liberalen humanitären Pazifismus war der theologisch begründete der evangelischen Pazifisten, die zum Teil mit den religiösen Sozialisten identisch waren, bedeutungslos. Die katholische Friedensbewegung war um eine merkliche Spur - freilich eben nur um eine Spur - wirkungsvoller: durch ihre Verbindung mit dem linken Zentrumsflügel, mit Teilen der Arbeiterbewegung und des Volksvereins, nicht zuletzt durch den Rückhalt an der Katholischen Weltkirche und ihrer zwar veralteten, aber immerhin zitierbaren'Lehre vom ungerechten Krieg' ... Schon deren Teilgrundsatz des rechten Verhältnisses zwischen dem (auch gerechten) Zweck des Krieges und seinen militärischen Mitteln war durch die Materialschlachten von 1917/18 und nicht erst durch die Atombombe konkret anwendbar geworden:'Nie wieder Krieg'!" edition pace Regal zur Geschichte des Pazifismus 5 Herausgeber: Peter Bürger, Editionsmitarbeit: Werner Neuhaus& Ingrid von Heiseler Prof. Dr. Dieter Riesenberger (1938-2023) war nach dem Studium der Geschichte, Germanistik und Latinistik in Freiburg i.Br., Basel und Rom, dem Staatsexamen und der Promotion (1966) zunächst als Gymnasiallehrer (1967-1971) tätig, danach von 1972 bis 1980 am Seminar für Geschichte und Politische Bildung der Pädagogischen Hochschule Rheinland, Abteilung Neuss, wo er sich 1976 habilitierte. Von 1981 bis 1998 lehrte er als Professor für Zeitgeschichte und Didaktik der Geschichte an der Universität-Gesamthochschule Paderborn. Neben Aufsätzen zur Fachdidaktik und Fachwissenschaft in Zeitschriften und Sammelwerken befassen sich seine zahlreichen Veröffentlichungen insbesondere mit der Geschichte des Nationalsozialismus, der DDR, der Friedensbewegung sowie des Internationalen und des Deutschen Roten Kreuzes. (Text nach: D. Riesenberger: Den Krieg überwinden. Geschichtsschreibung im Dienste des Friedens und der Aufklärung. Bremen 2008.) - Weitere Bücher (Auswahl): Die katholische Friedensbewegung in der Weimarer Republik (Düsseldorf 1976); Geschichte der Friedensbewegung in Deutschland. Von den Anfängen bis 1933 (Göttingen 1985); Mitherausgeber: Wider den Krieg. Große Pazifisten von Kant bis Böll (München 1987)
I. Marc Sangnier und die katholische Friedensbewegung in Deutschland In der Geschichte der katholischen Friedensbewegung nimmt Marc Sangniers „Congrès démocratique international pour la paix“, der 1923 zu Freiburg im Breisgau stattfand, einen bedeutenden Platz ein. Er gab der katholischen Friedensbewegung in Deutschland einen starken Auftrieb, der sich beispielsweise in der Neubelebung des „Friedensbundes Deutscher Katholiken“ (F.D.K.) niederschlug. Seine Bedeutung läßt sich aber auch aus dem Interesse ableiten, mit dem die katholische Friedensbewegung die weitere Tätigkeit M. Sangniers verfolgte.
Die Bedeutung des Freiburger Friedenskongresses wurde von allen Richtungen der deutschen Friedensbewegung anerkannt, während es vor allem in der Zeit nach 1926 nicht an kritischen Stimmen gegenüber M. Sangnier und seiner Bewegung fehlte. Eigenart und Entwicklung von M. Sangnier und seiner Bewegung sind ein Stück Geschichte der katholischen Friedensbewegung selbst.
Bereits vor dem Freiburger Friedenskongreß gab es im katholischen Deutschland pazifistische Stimmen, die aber nur vereinzelt und schwach vernehmbar waren, vor allem aber ohne erkennbare Resonanz blieben. Im Jahre 1922 hatte N. Ehlen festgestellt, daß unter den Nichtkatholiken die Arbeit für den Frieden sehr viel mehr Anklang fand als unter Katholiken und hatte zugleich die Frage gestellt, warum die Katholiken nicht wagten, sich für den Frieden einzusetzen.1 Ein Jahr später setzte sich W. Dirks unter Kritik an der rein religiös-ethisch bestimmten Einstellung N. Ehlens dafür ein, die Frage nach Krieg und Frieden auch unter den Katholiken als politische Aufgabe zu begreifen und den Krieg mit politischen Mitteln zu überwinden.2 Seit 1919 schon existierte der „Friedensbund Deutscher Katholiken“, wenn auch ohne sichtbaren Erfolg. Fr. M. Stratmann (O. P.) hatte 1922 vor dem Katholischen Akademikerverband eine Rede über den Friedensgedanken gehalten, die „sehr wenig freundlich“ aufgenommen wurde: „Die Gedanken seien ja gut und richtig, aber nicht opportun“.3 Im gleichen Jahr hatte J. Probst unter dem Titel „Worte des Friedens“ die Übersetzung dreier Reden M. Sangniers herausgegeben, mit einem Vorwort von M. Jocham, Sekretär des „Friedensbundes Deutscher Katholiken“, und den Geleitworten des Theologieprofessors A. Gießwein, Mitglied des un