: Eberhard Bürger
: Peter Bürger
: Friedensbewegungen in der Ökumene um die Zeit des ersten Weltkriegs Ein Überblick
: Books on Demand
: 9783759789129
: edition pace
: 1
: CHF 2.50
:
: Politik
: German
: 148
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der vorliegenden Band im"Regal zur Geschichte des Pazifismus" enthält eine Darstellung des evangelischen Theologen Dr. Eberhard Bürger zu"Friedensbewegungen in der Ökumene um die Zeit des ersten Weltkriegs". Beim Rückblick auf die Jahre 1914-1918 gibt es neben der großen Last der Geschichte und der Schuld, die zu bekennen ist, noch eine andere Seite, die hier ergänzt wird:"Kirche des Friedens" werden heißt auch, die Erfahrungen, Zeugnisse und Modelle der Geschichte wahrzunehmen und sich heute von ihnen für morgen inspirieren zu lassen. Die Überschrift"Befreit zum Widerstehen" trifft den Nerv dessen, was es zu überliefern und bedenken gilt: Vom Evangelium befreit zu werden aus der vermeintlichen Übermacht der zerstörerischen"Mächte und Gewalten" zu einem lebens- und friedensbejahenden Leben, auch zur Entlarvung der"Mächte und Gewalten" und zum Widerstand gegen sie. Dies kann sich freilich nur in kirchlichen Räumen ereignen, die unabhängig sind von staatlichen bzw. nationalen Komplexen. Der Begriff"Friedens-Bewegun en" zeigt an, dass es hier nicht nur um eine einheitliche Bewegung im soziologischen Sinne geht, sondern um eine Vielzahl von Strömungen, Gruppen, Einzelnen, um deren"Nein zum Krieg" und deren"Ja zum Frieden". Die Friedens-Bewegungen sind von Anfang an weltweit, also ökumenisch gewesen. Ökumenisch meint hier: international, konfessions- und religionsübergreifend, auch die oft mehrheitlich nichtreligiösen Bewegungen einbeziehend, in den Zielstellungen sich berührend. Dabei liegt der Schwerpunkt des Überblicks geografisch auf dem deutschsprachigen Raum - auf Deutschland, auf Österreich und der Schweiz. edition pace Regal zur Geschichte des Pazifismus 4 Herausgegeben von Peter Bürger

Dr. Eberhard Bürger, geboren 1949 in Sömmerda, aufgewachsen in Weimar. 1966-1969: Berufsausbildung mit Abitur als Facharbeiter für Fernmeldetechnik in Arnstadt/Thüringen. Entscheidung für"Bausoldat". 1969-1974: Studium der Evangelischen Theologie an der Universität in Jena. Seit 1972 verheiratet mit Barbara Bürger, Pfarrerin i.R. und Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation. Vier Kinder. - 1974 Vikariat in Erfurt und Forschungsstudium beim Bund Evangelischer Kirchen. 1976 Wissenschaftlicher Assistent im Fachbereich Praktische Theologie in Jena bei Professor Dr. Klaus-Peter Hertzsch. 1979 Promotion im Fachbereich Kirchengeschichte an der Universität Jena. Seit 1969: Friedensarbeit im Rahmen des Evangelischen Jungmännerwerkes Thüringen. 1979-1988: Gemeindepfarrer an der Michaelisgemeinde Zeitz, Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen (KPS). 1988-1995 Gemeindepfarrer im Pfarrbereich Belgern/Elbe (KPS). 1990: Beitritt zum deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes. 1995-2003: Als Provinzialpfarrer für missionarischen Gemeindeaufbau Leiter der landeskirchlichen Arbeitsstelle für Kirchliche Dienste (AKD) in Magdeburg (KPS). 2003-2012: Gemeindepfarrer im Pfarrbereich Arendsee/Altmark (KPS und seit 2009 zusammen mit Thüringen Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, EKM). 2009-2013: Mitarbeit im Vorstand des Versöhnungsbundes, davon ab 2011 als stellvertretender Vorsitzender, seit 2012 Mitarbeit außerdem in der landeskirchlichen und der örtlichen Friedensarbeit. Ab 2012 Pfarrer i.R. in Magdeburg.
1.
Die Anfänge des Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen

Am 1. August 1914 wurde in Deutschland die Mobilmachung ausgerufen: Alle Züge waren für den Transport von Truppen und Kriegsgerät beschlagnahmt worden. Endlich begann das lange vorbereitete,5 von vielen freudig ersehnte Kriegsgeschehen und – was nur wenige geahnt haben – die sogenannte „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“! (Einegemachte Katastrophe.) Mitten im Chaos dieses Tages reisten dennoch Teilnehmer einer Konferenz ins Inselhotel in Konstanz. 153 aus dreizehn Ländern hatten sich angemeldet, darunter 22 aus Deutschland.6 Nur 93 von ihnen erreichten die Tagung7, darunter drei aus Deutschland: der evangelische Pfarrer Friedrich Siegmund-Schultze8 als Organisator und Schriftführer, Pfarrer Ernst Böhme aus Kunitz bei Jena9 und der Konstanzer Stadtpfarrer Zandt. Friedrich Siegmund-Schultze hatte viele Einladungsschreiben an Einzelpersonen verschickt und vor allem von kirchenleitenden Amtsträgern entschiedene Absagen bekommen.10 Das Thema derTagung sowie die Tagesordnung fanden sich auf der großformatigen Einladung:

„Die Kirchen und Freundschaftliche Beziehungen zwischen den Nationen“ – Konferenz in Konstanz vom 3. bis 4. August 1914. Das Ziel der Konferenz:‚Durch Freundschaft der Kirchen müssen Gefühle von Misstrauen und Hass sowie Antipathie zwischen Völkern und Nationen überwunden werden‘.“11

Die Tagung hatte eine lange Vorgeschichte, die 1907 mit der 2. Haager Friedenskonferenz begonnen hatte: Ein „Aufruf der Kirchen für den Frieden“, verbunden mit der Einrichtung eines „Kirchlichen Komitees zur Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland“ führte in den Jahren danach zu „Friedensreisen“ von Geistlichen nach Deutschland und England. Bereits damals hatte Friedrich Siegmund-Schultze die federführenden Aufgaben übernommen. Die Freundschaftsarbeit wuchs in beiden Ländern. Sie wurde begleitet von den beiden Zeitschriften„The Peacemaker“ und„Die Eiche“.

Die Zeitschrift„Die Eiche“ gehört zu den Zeitschriften, die mich wirklich ins Staunen versetzt haben. Als Vierteljahresschrift 1913 begründet, knüpft ihr Name an die deutschen und englischen Traditionen an und verbindet nationales Selbstbewusstsein („Wir pflanzen einen deutschen Baum in deutscher Erde.“ „…auch in England ist die Eiche der Nationalbaum!“) mit dem Brauch der Friedenseiche, die zur Hoffnung auf Frieden immer wieder gepflanzt wurde:„Pflanzt Friedenseichen in allen deutschen Kirchen! Als 1908 die deutschen Kirchenmänner ihre Friedensfahrt nach England unternahmen, fanden sich Vertreter aller deutschen Kirchen und Richtungen zusammen. Im Jahre 1909 kamen im Zeichen der Eiche, die auf allen Programmen und Begrüßungen das Sinnbild war, die Vertreter der b