Am 1. August 1914 wurde in Deutschland die Mobilmachung ausgerufen: Alle Züge waren für den Transport von Truppen und Kriegsgerät beschlagnahmt worden. Endlich begann das lange vorbereitete,5 von vielen freudig ersehnte Kriegsgeschehen und – was nur wenige geahnt haben – die sogenannte „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“! (Einegemachte Katastrophe.) Mitten im Chaos dieses Tages reisten dennoch Teilnehmer einer Konferenz ins Inselhotel in Konstanz. 153 aus dreizehn Ländern hatten sich angemeldet, darunter 22 aus Deutschland.6 Nur 93 von ihnen erreichten die Tagung7, darunter drei aus Deutschland: der evangelische Pfarrer Friedrich Siegmund-Schultze8 als Organisator und Schriftführer, Pfarrer Ernst Böhme aus Kunitz bei Jena9 und der Konstanzer Stadtpfarrer Zandt. Friedrich Siegmund-Schultze hatte viele Einladungsschreiben an Einzelpersonen verschickt und vor allem von kirchenleitenden Amtsträgern entschiedene Absagen bekommen.10 Das Thema derTagung sowie die Tagesordnung fanden sich auf der großformatigen Einladung:
„Die Kirchen und Freundschaftliche Beziehungen zwischen den Nationen“ – Konferenz in Konstanz vom 3. bis 4. August 1914. Das Ziel der Konferenz:‚Durch Freundschaft der Kirchen müssen Gefühle von Misstrauen und Hass sowie Antipathie zwischen Völkern und Nationen überwunden werden‘.“11
Die Tagung hatte eine lange Vorgeschichte, die 1907 mit der 2. Haager Friedenskonferenz begonnen hatte: Ein „Aufruf der Kirchen für den Frieden“, verbunden mit der Einrichtung eines „Kirchlichen Komitees zur Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland“ führte in den Jahren danach zu „Friedensreisen“ von Geistlichen nach Deutschland und England. Bereits damals hatte Friedrich Siegmund-Schultze die federführenden Aufgaben übernommen. Die Freundschaftsarbeit wuchs in beiden Ländern. Sie wurde begleitet von den beiden Zeitschriften„The Peacemaker“ und„Die Eiche“.
Die Zeitschrift„Die Eiche“ gehört zu den Zeitschriften, die mich wirklich ins Staunen versetzt haben. Als Vierteljahresschrift 1913 begründet, knüpft ihr Name an die deutschen und englischen Traditionen an und verbindet nationales Selbstbewusstsein („Wir pflanzen einen deutschen Baum in deutscher Erde.“ „…auch in England ist die Eiche der Nationalbaum!“) mit dem Brauch der Friedenseiche, die zur Hoffnung auf Frieden immer wieder gepflanzt wurde:„Pflanzt Friedenseichen in allen deutschen Kirchen! Als 1908 die deutschen Kirchenmänner ihre Friedensfahrt nach England unternahmen, fanden sich Vertreter aller deutschen Kirchen und Richtungen zusammen. Im Jahre 1909 kamen im Zeichen der Eiche, die auf allen Programmen und Begrüßungen das Sinnbild war, die Vertreter der b