„Beim Fußball war ich kein Talent, beim Radfahren sowieso der Langsamste und beim Klavierspielen eigentlich gar nicht schlecht, aber dann kam einer im Klavierkurs dazu, der besser war als wir drei Schüler zusammen. Bei einer Theaterprobe sagte mir dann Linde Gögele: Mein Junge, du machst das großartig. Da dachte ich mir: Ah seggo, konn i magari zumindest des?“
Südtirol in den frühen 1990er-Jahren: Der wirtschaftliche Aufschwung ist unübersehbar, der Joe von Afing würde sagen,zio lettn, einfach gewaltig, was da so abgeht. In jedem Dorf entstehen Vereinshäuser, Gewerbezonen und Sozialwohnungen, auch jeder noch so abgelegene Hof bekommt eine Zufahrtsstraße. „Muatr, hoppes gsegn?“, täte ihm ein staunender Motschuner Peppm beipflichten. Zu den größten Profiteuren dieser Entwicklung wird in den Folgejahren ein Autokonzern aus Wolfsburg (Ocio: verstecktes Product-Placement …) gehören, denn heute weiß fast jedes Kind: Je höher der Hof, desto tiefer der Golf. Und einen Golf hatte damals jeder, der etwas auf sich hielt und denaufgetunten Schneggelen vom Nachbarhof imponieren wollte. Logisch auch der Joe. Ganz Afing schwärmt heute noch vom Glanz der Chromfelgen, vom Quietschen in den Kurven und von der Lässigkeit beim Hochschalten der Gänge: „Solbei, Mädls!“ Bei so einer Erscheinung blieb der „Dreiradler-Boygang“ vomhinterschattigen Seitental nichts anderes übrig, als verdattert den Rückzug anzutreten, frage nicht!
Ein gewisser Luis Durnwalder übernimmt 1989 die Amtsgeschäfte als Landeshauptmann von seinem Vorgänger Silvius Magnago. Damals ahnt noch keiner, wie sehr dieser gerissene Politfuchs, dieser leutselige Volkstribun, dieser begnadete Redenschwinger und Händeschüttler nach und nach das Leben in Südtirol prägen und umkre