KAPITEL 1
Wie bitte?
Keine Miene verziehen. Ruhig atmen. Nicht hyperventilieren. Immer deinem Gegenüber in die Augen sehen, hieß es als Kind. Aber ich kann in diesem Moment nur geradeaus schauen.
Was hat mir der Arzt da gerade gesagt? Meint er wirklich mich mit seiner Diagnose? Hat er nicht die Akten vertauscht? Ich bin noch so jung, das ist bestimmt eine Verwechslung, ein schlechter Scherz.
Nein, mit so etwas macht man keine Scherze. Hört sich eher an wie ein Albtraum, der jetzt Realität wird.
Krebs. Ist das nicht die Krankheit, wo man seine Haare verliert und mit Gift vollgedröhnt wird? Hängt man hier nicht dauernd über der Kloschüssel, weil einem so schlecht ist von der Chemo?
Ich riskiere einen Blick nach links und sehe meine Mutter und meinen Verlobten. Ja, wir sind bereits verlobt, bauen uns mit unserer ersten gemeinsamen Eigentumswohnung eine Zukunft auf. Reden von Kindern, die wir gern hätten. Wie sie wohl heißen werden und wie der Alltag als Eltern aussehen wird.
Aber jetzt, genau in diesem Moment, werden diese Gedanken von komplett anderen verdrängt und keiner davon zeigt eine komplett zufriedene und glückliche Familie.
Was denkt sich mein Verlobter wohl? Will ich es überhaupt wissen?
Fragen über Fragen häufen sich und keiner kann sie mir beantworten.
Der Arzt erklärt mir den weiteren Verlauf und was alles auf mich zukommen wird. Jedoch höre ich den Großteil nicht, sondern bin nur mit meinem Kopfkino beschäftigt. Ich will auf Pause drücken und rufe i