So streng wie ihn Cecile zuvor mit ihren purpurroten Mandelaugen angesehen und ihm befohlen hatte, in den Garten zu gehen, hatte Allen sich mental schon auf eine Tracht Prügel eingestellt. Aber stattdessen war sein Auftrag, er solle sie auf seine Schultern nehmen und so hochheben, dass sie von einem der Bäume Früchte pflücken konnte. So gegen Ende des Herbstes sahen sie besonders reif und verlockend aus – obwohl sie noch nie eine probiert hatte. Nur hingen sie so hoch, dass sie selbst für einen Erwachsenen nicht zu erreichen waren.
„Baronesse, vielleicht kommst du besser dran, wenn du auf meinen Schultern aufstehst.“
„Da hast du recht. Aber wehe, du lässt mich fallen! Dann sag ich’s meinem Papa!“
O Gott, was gäbe ich darum, sie wirklich fallen zu lassen …
Seit sie herausgefunden hatte, dass sie und Allen gleich alt waren, hatte Cecile angefangen, immer mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Sebas, der Butler, erzählte Allen, dass er auf Ceciles ausdrücklichen Wunsch ihr persönlicher Diener geworden war. Dann wünschte er ihm noch ein gutes Durchhaltevermögen, seine Augen waren dabei voll Mitgefühl. Allen blieb nichts anderes übrig, als zu seufzen.
Cecile stand langsam auf und balancierte vorsichtig auf Allens Schultern. Allen hielt sie an den Knöcheln fest, um sie zu stabilisieren.
„Und jetzt, Baronesse?“
„Ich komme immer noch nicht ran! Immer noch nicht!“
Gib’s doch endlich auf.
„Soll ich dich vielleicht einfach hochheben?“
„Hm … Okay. Mach mal.“
Beim Hochheben erhaschte er einen Blick auf ihre Unterhosen oder Pumphosen oder wie auch immer sie genannt wurden. Natürlich machte es ihm nichts aus, die Unterwäsche einer Achtjährigen zu sehen. Schließlich hatte er in seinem ersten Leben ja schon fünfunddreißig Jahre gelebt.
„Und jetzt?“
Er hörte, wie eine Frucht vom Ast gepflückt wurde.
„Hab sie! Jetzt lass mich langsam