WAS IST EIGENTLICH EINE PSYCHOTHERAPIE – UND WAS NICHT?
Diese Frage engt es ein aufs Wesentliche, könnte man scherzen. Was hilft aus der Misere, was pusht mehr: Koffein oder eine Psychotherapie? Nun, wenn Sie mich fragen, ich würde es erst einmal mit der Tasse Kaffee versuchen. Wenn die aber zum wiederholten Male nicht (genug) hilft, würde ich Ihnen raten, dem Gedanken nachzugehen, ob es nicht doch eine Therapie sein soll.
Übrigens versteht ja jeder, der die Frage liest, dass hier mit »Therapie« nicht eine Physio- oder irgendeine andere, sondern eine Psychotherapie gemeint ist, nicht wahr?
Nur – was ist denn eigentlich eine Psychotherapie? Viele glauben, es zu wissen, und dann bin ich immer wieder überrascht, wenn mich Leute fragen, ob sie sich bei mir auf die Couch legen sollen. Nein, ich bin keine Psychoanalytikerin, sage ich dann, bei mir wird zwar manchmal aus Entspannungsgründen die Couch zum Liegen verwendet, sonst aber findet eine Therapie bei mir im Sitzen statt. »Ach, und ich dachte, bei Psychotherapeuten muss man auf die Couch?« Wie Sie sehen, gibt es Unterschiede, was für »’ne Therapie« jemand macht. Vielleicht sollte man daher besser verstehen, was das eigentlich ist, eine Psychotherapie, also eine Seelenbehandlung.
Eines ist schon einmal deutlich: Es gibt einen Unterschied zwischen der Psychoanalyse, die eine sehr spezielle Psychotherapierichtung verfolgt, und anderen Formen der Psychotherapie. Bei den Psychoanalytikern finden manche – auch nicht alle – Therapiesitzungen im Liegen statt. Bei anderen Psychotherapeuten gewöhnlich im Sitzen.
»Und verschreiben Sie mir dann auch Medikamente und können mich krankschreiben?«
Da haben wir den nächsten Unterschied. Ärztliche Psychotherapeuten und Psychiater können das, psychologische Psychotherapeuten und andere, etwa Heilpraktiker für Psychotherapie, können das nicht, Medikamente verschreiben und Krankschreibungen ausstellen.
Beratung, Coaching, Psychotherapie – all das ist keineswegs dasselbe.
»Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Beratung, Coaching und Psychotherapie?« ist auch so eine wichtige Frage, die mir oft gestellt wird. Nun, »Psychotherapeut« ist inzwischen eine geschützte Berufsbezeichnung, mit der sowohl psychologische, Kinder- und Jugendlichen- wie ärztliche Psychotherapeuten gemeint sind. Alle anderen dürfen sich nicht mehr »Psychotherapeut« nennen.
Nicht geschützt dagegen ist der Begriff »Psychotherapie«, was zu einiger Verwirrung führen kann. Denn auch andere Berufsgruppen, etwa Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Diplompädagogen, Heilpraktiker und Coaches, bieten gelegentlich »Psychotherapie« an. Und auch Vertreter dieser Berufsgruppen können manchmal sehr kompetent sein, etwa weil sie viele Zusatzausbildungen haben. Beispiel: Eine Sozialpädagogin hat eine Zusatzausbildung absolviert und darf sich dann »Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin« nennen.
Es lohnt sich also, genauer nachzufragen. Und wen auch immer man sich ausgesucht hat – es ist ratsam, erst einmal ein paar Probesitzungen zu absolvieren, um zu schauen, ob man sich dort auch gut aufgehoben fühlt.
Der Begriff »Psychotherapie« ist nicht geschützt. Deshalb geht es in dieser Szene nicht immer seriös zu.
Denn falls man sich über eine schlechte Behandlung beschweren möchte, kann man sich leider bei Leuten, die nur »Psychotherapie« machen, aber keine »Psychotherapeuten« sind, nicht an die Psychotherapeutenkammern o