: Chris A. Young
: Stefan Heikens
: Wie mir die Todesstrafe das Leben rettete Das Leben und Sterben des Chris Young
: Books on Demand
: 9783759754431
: DR75
: 1
: CHF 2.50
:
: Biographien, Autobiographien
: German
: 128
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wie kann ein Mann, der durch die Giftspritze sterben soll, noch bis zu seinem Tod steif und fest behaupten, dass ihm dieses Urteil das Leben rettete? Was führte zu dem Mord, der ihn in die Todeszelle brachte? Und wieso bat selbst die Familie des Opfers noch um Gnade für ihn? In eigenen Worten beschreibt Chris Young in dieser Biografie seinen Lebensweg. Er erzählt von einer Kindheit im Ghetto, von Rassismus, vom Leben in einer der berühmtesten Gangs der Welt, von seinem Widerstand im Todestrakt und vor allem davon, wie er es schließlich doch noch schaffte, sich von all dem zu befreien.

Christopher A. Young, geboren 1983, war ein verurteilter Mörder, der am 17.7.2018 um 18:13 Uhr Ortszeit in Houston (TX) mit der Giftspritze hingerichtet worden ist. Sein Tod war besonders kontrovers, da selbst die Familie seines Opfers um eine mildere Strafe für ihn bat, ohne aber beim Staat Texas Gehör zu finden. In seinem Buch beschreibt Chris, wie er vom kleinen geprügelten Jungen zu einem stolzen Gangmitglied wurde, nur um dann im Todestrakt endlich und zum ersten Mal überhaupt seinen inneren Frieden zu finden. Es ist dabei aber nicht die Tat selbst, die er beschreiben will, es geht ihm viel mehr um die Umstände, die ihn dazu brachten und die Konsequenzen, die er daraus ziehen musste. Obwohl er ein letztes offizielles Statement abgeben durfte und"I taste it in my throat" keuchte, als das Gift anschließend in seine Adern floss, ist dieses Buch doch das, was er sich als seine letzten Worte gewünscht hatte.

KAPITEL 2


Nach ein paar mehr oder weniger erfolglosen Jahren in Milwaukee zog meine Mutter mit uns zurück nach San Antonio. Ich war jetzt in der zweiten Klasse und wohnte in einer Straße mit genau vier Häusern und einerMrs. Baird’s Bäckerei direkt gegenüber unserer Wohnung. Jeden Morgen wachten wir mit dem Duft von frischem Brot in der Nase auf und meine Mutter schickte uns gelegentlich hinüber, um Milch und Brot zu holen. Da die Angestellten des Ladens uns kannten, verließen wir das Geschäft jedes Mal mit Tüten voller Gebäck, Brot und Brötchen vom Vortag. Manchmal, wenn wir draußen mit den anderen Kindern spielten, schlichen wir uns auch zur Bäckerei, weil wir wussten, dass wir dort Leckereien abstauben konnten.

Clarence, der Vater von Tyrone, hatte uns nach San Antonio begleitet. Er war wirklich cool, ich kann mich nicht daran erinnern, dass Clarence uns jemals wirklich brutal verprügelt hätte. Ich bin in meinem Leben oft schlimm verprügelt worden, aber nie von Clarence. Eigentlich war er auch nur ein großer Junge, der gerne vor dem Nintendo saß und stundenlangSuper Mario Bros. spielte. Manchmal ließ er uns sogar mitspielen, aber meistens saßen wir nur da und schauten ihm beim Spielen zu.

Mein leiblicher Vater, der nach wie vor in San Antonio lebte, kam ständig vorbei und holte uns ab. Er brachte uns dann entweder zum Haus meiner Großmutter oder zu dem meiner Urgroßeltern. Meine Urgroßmutter, wir nannten sie “Nan-Nan“, war für uns eine Heilige! Sie verwöhnte uns immer über alle Maßen. Wenn wir bei ihr zu Hause waren, saßen wir alle am Tisch und spieltenKeno um Pennys. Sie setzte dabei immer ihre Dollars gegen unsere Pennys und wir spielten stundenlang. Nachdem wir dann das Geld einstecken konnten, das sie uns sowieso gewinnen lassen wollte, setzten wir uns vor den Fernseher und/oder häkelten.

Mein Urgroßvater, „Granddaddy“ genannt, war wirklich ein sehr spezieller Typ Mensch.