: Arno Strobel
: Stalker - Er will dein Leben. Psychothriller | Limitierte Silber-Metallic Folie in der ersten Auflage
: S. Fischer Verlag GmbH
: 9783104918365
: 1
: CHF 6.00
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 368
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Dein großer Durchbruch als Schauspieler steht kurz bevor. Alles läuft perfekt. Bis er sich in dein Leben drängt. Und nur eines will: es zerstören ... Der neue Psycho-Thriller von Nr.1-Bestseller-Autor Arno Strobel Eric Sanders spürt, dass diese Rolle seine große Chance ist. Und er soll recht behalten: Die Resonanz auf seine schauspielerische Leistung im Münchner Tatort ist rundum positiv, seine Bekanntheit wächst, seine Followerzahlen auf Social Media steigen.  Bis plötzlich jemand anfängt, sich für ihn auszugeben. Seine Identität zu übernehmen, sich in sein Leben zu drängen. Zunächst digital, dann in Person.  Eric fühlt sich massiv bedroht, kann es sich nicht erklären. Bis die Nachricht bei ihm eintrifft: Gestehe den Mord, oder alle, die du liebst, werden sterben. Und Erinnerungsfetzen auftauchen.  Was hat er getan? Damals, als er gerade einmal elf Jahre alt war. »Strobel ist ein Meister der Spannung« Konstanze Führlbeck, WAZ

Arno Strobel liebt Grenzerfahrungen und teilt sie gern mit seinen Leserinnen und Lesern. Deshalb sind seine Thriller wie spannende Entdeckungsreisen zu den dunklen Winkeln der menschlichen Seele und machen auch vor den größten Urängsten nicht Halt. Seine Themen spürt er dabei meist im Alltag auf und erst, wenn ihn eine Idee nicht mehr loslässt und er den Hintergründen sofort mit Hilfe seines Netzwerks aus Experten auf den Grund gehen will, weiß er, dass der Grundstein für seinen nächsten Roman gelegt ist. Alle seine bisherigen Thriller waren Bestseller. Arno Strobel lebt als freier Autor in der Nähe von Trier.

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Das Feuer ist überall.

Als er einsehen musste, dass alle Wege aus dem Haus hinaus durch die Flammen versperrt sind, als er seine Kehle wund gebrüllt hat mit den Rufen nach seiner Mutter und seinem Vater, hat er sich in einer Ecke des Zimmers auf dem Boden zusammengekauert, die Arme um die angezogenen Beine geschlungen und das Gesicht gegen seine zitternden Knie gepresst.

Immer wieder wird er von krampfhaftem Husten geschüttelt, ausgelöst durch den dichten Rauch, der ihm die Luft zum Atmen nimmt. Jedes Mal fährt er erschrocken zusammen, wenn irgendwo etwas polternd herunterfällt oder umstürzt.

Er weint, weil er trotz seines jungen Alters glasklar realisiert hat, dass er gleich sterben wird. Sein ganzes Denken ist nur noch von dieser Angst vor dem Tod beherrscht.

Er bittet Gott, ihn zu verschonen, auch wenn er bisher noch nie gebetet hat. Er fleht mit bebenden Lippen und heiserer Stimme seinen Vater an, ihn aus dieser Feuerhölle herauszuholen, und versteht nicht, dass das nicht schon längst geschehen ist. Sein Vater würde ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben alles tun, um ihn zu retten, das weiß er. Dass er trotzdem noch nicht da ist, kann nur eines bedeuten: dass er ihn nicht mehr retten kann, weil er nicht mehr lebt.

Die Verzweiflung greift mit derart brutaler Wucht nach ihm, dass er fast das Bewusstsein verliert. Er kämpft dagegen an, weil etwas ihm sagt, dass er nicht mehr aufwachen wird, wenn er jetzt ohnmächtig wird.

Er hebt den Kopf, um nachzusehen, wie nah das Feuer schon gekommen ist, und reißt die Augen auf, als er registriert, dass die ersten Flammen bereits gierig nach ihm greifen.

Aber da ist noch etwas anderes, das ihm in diesem Moment bewusst wird und das seltsam ist: Es müsste unerträglich heiß sein. So heiß, dass seine Haut Blasen werfen und seine Haare schmelzen würden.

Aber er spürt nichts. Und fragt sich trotz seiner Panik, wie das möglich ist.

Ein Geräusch lässt ihn erschrocken nach oben blicken. Etwas löst sich von der Decke, ein großer Schatten, der plötzlich zwischen den Flammen auftaucht und auf ihn zurast …

 

Eric fuhr mit einem Stöhnen auf und sah sich schwer atmend um. Kein Feuer. Im Gegenteil, Dunkelheit. Schemenhaft als schwarze Fläche erkennbar ein Schrank.Sein Schrank.Sein Schlafzimmer.

»Hast du wieder geträumt?«, fragte Paula neben ihm mit verschlafener Stimme. Eric blickte zu ihr hinüber, ahnte ihr Gesicht jedoch mehr, als dass er es sehen konnte.

»Ja.«

Seine Erleichterung darüber, dass die Feuerhölle nur ein Albtraum gewesen war, wurde getrübt von dem Bewusstsein, dass dieser Traum wiederkommen würde, so wie schon sein ganzes Erwachsenenleben. Nicht dass der Traum ihn Nacht für Nacht plagte, aber er tauchte regelmäßig im Abstand von drei, vier Wochen auf, und er war immer gleich. Meistens kündigte er sich dadurch an, dass Eric nicht einschlafen konnte und sich Stunde um Stunde im Bett hin und her wälzte, bis ihm schließlich doch die Augen zufielen und er sich kurz darauf in dem brennenden Haus wiederfand.

Wenn der Traum ihn quälte, schwappte die Angst, die er dabei empfand, stets in den folgenden Tag hinein, so dass er sogar alltägliche Dinge wie betäubt erlebte.

Er tippte auf das Display seines Smartphones, das auf dem Nachttisch lag, und warf einen Blick auf die Uhr. Fünf Uhr dreiundfünfzig. Nach kurzem Nachdenken fiel ihm ein, dass es Sonntagmorgen war. Es stand nichts an. Bis zum Abend. Zudem Abend, der ein Meilenstein in seiner Karriere werden konnte.

Allein der Gedanke daran beschleunigte seinen Puls und ließ ihn die schlimme Nacht vergessen. Heute würde es anders sein.

Seit drei Jahren war Eric festes Ensemblemitglied des Münchner Residenztheaters