: Hans-Jürgen Stöhr
: Spiritualität und Digitalisierung unserer Lebenswelt Brauchen wir im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz eine neue Ethik?
: Books on Demand
: 9783758345814
: 1
: CHF 4.80
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: Religion/Theologie
: German
: 112
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Spiritualität und Digitalisierung sind Phänomene unserer Lebenswirklichkeit. Während das Spirituelle den Menschen schon über viele Jahrtausende trägt, hat das Digitale erst im vergangenen Jahrhundert seine Wirkungskraft entfaltet. Heute ist mehr denn je die Lebenswelt des Menschen spirituell und digital durchdrungen. Spiritualität und Digitalisierung - beide können kaum unterschiedlicher sein. Was verbindet sie miteinander? Bestehen zwischen ihnen Wirkungskräfte, die sich gegenseitig beeinflussen und Veränderungen hervorbringen? Was bedeutet das für die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz? Wird eine neue Ethik gebraucht? Die vorliegenden Thesen gehen Fragen nach, die gedankliche Marker für einen Diskurs über Natur, Technik und Gesellschaft, Bewusstsein, bewusstes Sein und Seinsbewusstsein, Glauben, Meinen und Wissen, Denken und Intelligenz, Spirituelles und Digitales, Spiritualität und Digitalität, spirituelle Digitalität und digitale Spiritualität, Künstliche und Emotionale Intelligenz sowie über spirituellen und digitalen Humanismus setzen. Die zentrale These heißt: Die Spiritualität wird im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (KI) immer mehr zu einem erforderlichen Regulativ, um Gefahren einer zügellosen Digitalisierung und KI-Entwicklung begegnen zu können. Die Verantwortung des Menschen für eine nachhaltige Zukunft wird als ethisches Prinzip angemahnt. Kann ein resonanter Humanismus ein Lösungsweg sein?

Hans-Jürgen Stöhr, Jg. 1949, lebt in Mecklenburg-Vorpommern. Er studierte 1968 - 1975 Philosophie und Biologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, diplomierte, wurde promoviert und habilitierte 1980 an der Universität Rostock. Bis 1991 war er an dieser Universität tätig, lehrte im mathematisch-naturwissenschaf lichen Bereich das Fach Philosophie und leitete eine Forschungsgruppe sowie den interdisziplinären Arbeitskreis"Philosophie und Wissenschaften" an der Universität. 1992 verließ Hans-Jürgen Stöhr als Hochschuldozent die Universität und nahm 1993 eine freiberufliche Tätigkeit am Institut für ökosoziales Management mit den Schwerpunkten, Management, Kommunikation und Ethik auf. 2012 gründete der Philosoph in Rostock eine Philosophische Praxis. Sie hatte das Ziel, das Philosophieren aus dem Universitären auf die"Straße" für jene zu holen, die Lust und Freude am Philosophieren haben, jedoch keine Philosophen von Profession sind. Zur Philosophischen Praxis gehören heute neben der Beratung verschiedene öffentlich zugängliche Veranstaltungsformate. Die Vorbereitung und Durchführung der Rostocker Philosophischen Tage seit 2016 bilden dabei einen Schwerpunkt seiner außeruniversitären philosophischen Tätigkeit. Hans-Jürgen Stöhr publizierte während der Zeit seiner Philosophischen Praxis Bücher zu Themen über das Scheitern, Begegnungen, Alter(n) und Zeit. Er ist Vater von drei Söhnen.

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Die Welt, mit und in der wir leben, ist zutiefst dialektisch. Nichts steht außerhalb von ihr. Sie beherbergt Natur und Technik, Mensch und Gesellschaft – Materielles und Ideelles, Objektives und Subjektives. Alles konstituiert sich in einer werdenden und entwickelnden, entstehenden und vergehenden Gegensätzlichkeit. Das Sein und Geschehen in ihrer Dialektik zu begreifen ist Grundlage dafür, die Welt sowohl zu verstehen als auch in ihr mit Erfolg zu agieren.

Das Weltbild des Menschen ist unmittelbar und geschichtlich mit dem seines Menschenbildes verknüpft.Ein Bild vom Wandel der Welt führt zum Bild des Wandels menschlichen Selbstverständnisses. Die Qualität und Historie des Menschbildes sind eng mit den in der Gesellschaft einhergehenden Techniktransformationen verbunden. Sie bringen letztlich die gewandelten Menschenbilder hervor.

Jede Betrachtung auf unsere Lebenswelt macht einedialektische Sicht auf sie erforderlich, weil sie von Natur aus dialektischist. Jeder Blick am Dialektischen vorbei bedeutet das Verkennen ihres Naturcharakters und zeugt von philosophischer Ignoranz. Die Erkenntnis, dass es in der Welt dialektisch zugeht, ist die Voraussetzung dafür, das Dialektische im menschlichen Denken aufzunehmen und adäquat handeln zu können. Das geschieht mit dem Wissen, dass jede in den Dingen und Geschehnissen sowie im Menschen innewohnende Dialektik – an Bedingtheit und Bestimmtheit, Werden und Vergehen, Gegensätzlichkeit und Widersprüchlichkeit – ein stetiger grenzgängerischer Akt im Umgang mit unserer Lebenswirklichkeit ist.

Es ist dieBotschaft, das menschliche Denken und Handeln als Teil dieser dialektischen Welt zu begreifen. Eine Weltensicht im Entweder vs. Oder, Schwarz vs. Weiß oder Gut vs. Böse verklärt den erforderlichen Blick auf ein Sowohl - Als auch, auf die vielen Zwischen- bzw. Grautöne in der Lebenswirklichkeit. Aufgedeckte Ambivalenzen und Ambiguitäten versetzen menschliches Denken und Handeln in grenzwertige Dilemmata. Sie erscheinen als Gegensätzlichkeiten in der Lebenswelt und manifestieren sich als Gegensätze im Bewusstsein des Menschen.

Der Mensch lebt mehr denn je in einerkomplexen, dynamischen Wirklichkeit. Ihr Charakter zeigt sich im gewissen Ungewissen, mit dem er als Individuum und Gesellschaft konfrontiert wird.

AlsWelten des Menschen seien jene ausgewiesen, die mit dem Daseinund Wirken des Menschen verbunden sind. Es ist dessenKörper-, Geistes- und Gefühlswelt, die er sowohl reflektieren als auch auf sie Einfluss nehmen kann. Es ist jene Welt, die der Mensch mit sich selbst erfährt.

Mit diesen Welten eng verbunden ist dieWelt der Technik. Sie ist derAus-Wurf des Menschen. Sie zeugt von der menschlichen Fähigkeit, Natur in Technik zu transformieren und sich gleichermaßen der Natur und Technik zu bedienen bzw. sie für sich nutzbar zu machen, was sein eigenes Werden, die Gesellschafts- und weitere Technikentwicklung beflügelt. Die Technikwelt ist die vom Menschen inseine Welt transformierte Naturwelt.

DieNaturwelt ist die von Menschen beeinflusste, veränderte und für sich gestaltete Natur. Pflanzen und Tiere wurden domestiziert, Sorten und Rassen gezüchtet. Der Ur-Wald wurde vielerorts zu einem Kultur- bzw. Nutzwald geformt. DieWelt der Natur selbst ist jener Bereich der Wirklichkeit, deren Existenz nicht von der menschlichen Lebenswelt abhängig ist. Sie entwickelt sich und geht ihre Wege (Gesetze) ohne Zutun des Menschen. Die Natur braucht den Menschen nicht.

Menschliche Lebenswelten sind dagegen überall dort zu finden, wo der Mensch sich durchsein Wirken verändernd, gestaltend einbringt. Die physischen Berührungen, Einflussnahmen, die vom Menschen hervorgebrachten Entwicklungen und Kreationen lassen die Welt des Menschen zur Welt des menschlichen Lebens werden. Mit zunehmender Wirkungsmacht wird die Welt des Menschen zu einer vom Menschen bestimmenden Lebenswelt. Sie ist die vom Menschen gewandelte Welt, zu der er gestalterischen Zugriff hat, auf sie Macht ausübt, sie verändert, kontrolliert und damit beherrscht. Sie ist jener Teil der Menschenwelt, der sich durch d