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Die Welt, mit und in der wir leben, ist zutiefst dialektisch. Nichts steht außerhalb von ihr. Sie beherbergt Natur und Technik, Mensch und Gesellschaft – Materielles und Ideelles, Objektives und Subjektives. Alles konstituiert sich in einer werdenden und entwickelnden, entstehenden und vergehenden Gegensätzlichkeit. Das Sein und Geschehen in ihrer Dialektik zu begreifen ist Grundlage dafür, die Welt sowohl zu verstehen als auch in ihr mit Erfolg zu agieren.
Das Weltbild des Menschen ist unmittelbar und geschichtlich mit dem seines Menschenbildes verknüpft.Ein Bild vom Wandel der Welt führt zum Bild des Wandels menschlichen Selbstverständnisses. Die Qualität und Historie des Menschbildes sind eng mit den in der Gesellschaft einhergehenden Techniktransformationen verbunden. Sie bringen letztlich die gewandelten Menschenbilder hervor.
Jede Betrachtung auf unsere Lebenswelt macht einedialektische Sicht auf sie erforderlich, weil sie von Natur aus dialektischist. Jeder Blick am Dialektischen vorbei bedeutet das Verkennen ihres Naturcharakters und zeugt von philosophischer Ignoranz. Die Erkenntnis, dass es in der Welt dialektisch zugeht, ist die Voraussetzung dafür, das Dialektische im menschlichen Denken aufzunehmen und adäquat handeln zu können. Das geschieht mit dem Wissen, dass jede in den Dingen und Geschehnissen sowie im Menschen innewohnende Dialektik – an Bedingtheit und Bestimmtheit, Werden und Vergehen, Gegensätzlichkeit und Widersprüchlichkeit – ein stetiger grenzgängerischer Akt im Umgang mit unserer Lebenswirklichkeit ist.
Es ist dieBotschaft, das menschliche Denken und Handeln als Teil dieser dialektischen Welt zu begreifen. Eine Weltensicht im Entweder vs. Oder, Schwarz vs. Weiß oder Gut vs. Böse verklärt den erforderlichen Blick auf ein Sowohl - Als auch, auf die vielen Zwischen- bzw. Grautöne in der Lebenswirklichkeit. Aufgedeckte Ambivalenzen und Ambiguitäten versetzen menschliches Denken und Handeln in grenzwertige Dilemmata. Sie erscheinen als Gegensätzlichkeiten in der Lebenswelt und manifestieren sich als Gegensätze im Bewusstsein des Menschen.
Der Mensch lebt mehr denn je in einerkomplexen, dynamischen Wirklichkeit. Ihr Charakter zeigt sich im gewissen Ungewissen, mit dem er als Individuum und Gesellschaft konfrontiert wird.
AlsWelten des Menschen seien jene ausgewiesen, die mit dem Daseinund Wirken des Menschen verbunden sind. Es ist dessenKörper-, Geistes- und Gefühlswelt, die er sowohl reflektieren als auch auf sie Einfluss nehmen kann. Es ist jene Welt, die der Mensch mit sich selbst erfährt.
Mit diesen Welten eng verbunden ist dieWelt der Technik. Sie ist derAus-Wurf des Menschen. Sie zeugt von der menschlichen Fähigkeit, Natur in Technik zu transformieren und sich gleichermaßen der Natur und Technik zu bedienen bzw. sie für sich nutzbar zu machen, was sein eigenes Werden, die Gesellschafts- und weitere Technikentwicklung beflügelt. Die Technikwelt ist die vom Menschen inseine Welt transformierte Naturwelt.
DieNaturwelt ist die von Menschen beeinflusste, veränderte und für sich gestaltete Natur. Pflanzen und Tiere wurden domestiziert, Sorten und Rassen gezüchtet. Der Ur-Wald wurde vielerorts zu einem Kultur- bzw. Nutzwald geformt. DieWelt der Natur selbst ist jener Bereich der Wirklichkeit, deren Existenz nicht von der menschlichen Lebenswelt abhängig ist. Sie entwickelt sich und geht ihre Wege (Gesetze) ohne Zutun des Menschen. Die Natur braucht den Menschen nicht.
Menschliche Lebenswelten sind dagegen überall dort zu finden, wo der Mensch sich durchsein Wirken verändernd, gestaltend einbringt. Die physischen Berührungen, Einflussnahmen, die vom Menschen hervorgebrachten Entwicklungen und Kreationen lassen die Welt des Menschen zur Welt des menschlichen Lebens werden. Mit zunehmender Wirkungsmacht wird die Welt des Menschen zu einer vom Menschen bestimmenden Lebenswelt. Sie ist die vom Menschen gewandelte Welt, zu der er gestalterischen Zugriff hat, auf sie Macht ausübt, sie verändert, kontrolliert und damit beherrscht. Sie ist jener Teil der Menschenwelt, der sich durch d