MATTI LAAKSONEN
Rand
NOTIZ
Eines der nervigeren Dinge, die er als wissenschaftliche Hilfskraft in der Institutsbibliothek zu erledigen hatte, war der abendliche Rundgang durch die verlassenen Räume. Die Studierenden ließen die Fachliteratur oftmals einfach an ihrem Arbeitsplatz liegen, anstatt sie zurück in die Regale zu stellen, obwohl auf sämtlichen Schildern ausdrücklich darum gebeten wurde.
Kaum älter als viele der Studierenden kam Severin sich manchmal vor, als müsse er permanent seinen rebellischen Kindern hinterherräumen, die längst hätten erwachsen sein sollen.
Auch heute lagen ein paar Bücher auf den Holztischen, an denen schon so viele Generationen von Studierenden gesessen hatten; vermutlich hatten die Hiwis früher dieselben Probleme verflucht wie er. Und die Studierenden sowieso. Eine Duftkombination aus Angstschweiß, Prüfungsstress und durchgeackerten Nächten vermischte sich hier mit dem Geruch von Druckertinte, Papier und Staub. Severin liebte diese Atmosphäre mit jeder Faser seines Körpers. Besonders die stillen Momente, wie er sie nur kurz vor oder nach den Öffnungszeiten erlebte.
Die Dielen unter seinen Sohlen knarrten, als er einen dicken Wälzer über die Stichbandkeramik in Böhmen zurück in das längst durchgebogene Regalbrett schob und sich dafür auf die Zehenspitzen stellen musste. Den nächsten Band quetschte er auf Augenhöhe in eine nur scheinbar viel zu kleine Lücke