: Ernst Toller
: Peter Bürger
: Nie wieder Friede Eine bittere Komödie über Militarismus und Antipazifismus aus dem Jahr 1936
: Books on Demand
: 9783759744050
: edition pace
: 1
: CHF 2.50
:
: Humor, Satire, Kabarett
: German
: 140
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Über Nacht haben Militarismus und Kriegsertüchtigung wieder die Kontrolle über das öffentliche Leben übernommen. Noch gestern hatte man den Ewigen Frieden in der Verfassung beurkundet und sich stolz gebrüstet, bei den"Lehren aus der Geschichte" alle anderen zu überflügeln. Doch jetzt bläst dieselbe Fraktion zur Hetze gegen die"Lumpenpazifisten&quo ;, bringt Militainment zur besten Sendezeit und setzt eine gigantische Aufrüstung der Waffenarsenale ins Werk. Die angestrebte Weltmeisterschaft gilt nunmehr dem Sektor der Totmach-Industrien. Ernst Tollers bittere Komödie"Nie wieder Friede" (1934/36) klärt uns auf, wie so etwas möglich ist. Das falsche Friedensplakat trug auf seiner Rückseite immer schon die Parole für neue Kriegsabenteuer:"Man muß es nur umdrehen." Ob Kosmopolitismus oder nationale Weltgeltung, ob Freiheitspredigt oder autoritäre Staatspolitik, ob Krieg oder Frieden - das entscheidet sich stets an der jeweiligen Lageeinschätzung der Besitzenden und Herrschenden. Zu folgen ist den Einflüsterungen der Kriegsprofiteure. Wer wird beim Experiment zur Kriegstauglichkeit der Erdenbewohner gewinnen: Soldatenkaiser Napoleon oder Franziskus aus Assisi? Der Verfasser des hochaktuellen Bühnenstücks war linker Pazifist mit jüdischer Herkunft. Damit passte er gleich dreimal ins Feindbildvisier der Nazis. 1933 setzte NS-Deutschland Toller auf die allererste Ausbürgerungsliste und warf seine Werke ins Feuer. Nach neun Jahrzehnten sollten wir die"verbrannten Bücher" wieder unter die Leute bringen, denn der Militarismus scheint unausrottbar zu sein. Zu den Beigaben dieser friedensbewegten Edition gehören acht Kapitel aus Tollers Autobiographie"Eine Jugend in Deutschland" (1933), der Schluß des Dramas"Hinkemann" (1923) und die Warnung des Schriftstellers vor dem deutschen Faschismus in der"Weltbühne" vom Oktober 1930. Ein Band der edition pace, herausgegeben von Peter Bürger

Ernst Toller (1.12.1893-22.5.1939), geboren als jüngster Sohn des jüdischen Getreidegroßhändlers Mendel Toller und dessen Ehefrau Ida, geborene Cohn in der Provinz Posen."Schriftsteller und Publizist, Politiker und Revolutionär; Anschluß an die Antikriegsbewegung noch während des ersten Weltkrieges, zu dem er sich freiwillig gemeldet hatte; während der Novemberrevolution enge Zusammenarbeit mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, nach dessen Ermordung Vorsitzender der Bayerischen USPD und führend an der Münchener Räterepublik beteiligt; deswegen zu Festungshaft verurteilt (1920-1924); während dieser Zeit entstanden seine expressionistischen Dramen'Masse Mensch' (1921),'Die Maschinenstürmer' (1922) und'Der deutsche Hinkemann' 1923); Pazifist ohne organisatorische Bindung, allerdings formal Mitglied der'Gruppe Revolutionärer Pazifisten' seit 1926); 1933 Emigration in die Schweiz, 1934 nach Großbritannien, 1937 in die USA; Freitod in New York" (Aus: R. Lütgemeier-Davin: Köpfe der Friedensbewegung. Essen 2016, S. 107).

Eine bittere Komödie


Zu dieser friedensbewegten Edition eines Bühnenstücks aus dem Jahr 1936

Peter Bürger

Über Nacht haben Militarismus und Kriegsertüchtigung wieder die Kontrolle über das öffentliche Leben übernommen. Noch gestern hatte man den Ewigen Frieden in der Verfassung beurkundet und sich stolz gebrüstet, bei den „Lehren aus der Geschichte“ alle anderen zu überflügeln. Doch jetzt bläst dieselbe Fraktion zur Hetze gegen die Lumpenpazifisten, bringt Militainment zur besten Sendezeit und setzt eine gigantische Aufrüstung der Waffenarsenale ins Werk. Die angestrebte Weltmeisterschaft gilt nunmehr dem überaus einträglichen Sektor der Totmach-Industrien.

Ernst Tollers bittere Komödie‚Nie wieder Friede‘ (1934/36) klärt uns auf, wie so etwas möglich ist. Das falsche Friedensplakat trug auf seiner Rückseite immer schon die Parole für neue Kriegsabenteuer: „Man muß es nur umdrehen.“ Ob Kosmopolitismus oder nationale Weltgeltung an der Spitze, ob Freiheitspredigt oder autoritäre Staatspolitik, ob Krieg oder Frieden – das entscheidet sich stets an der jeweiligen Lageeinschätzung der Besitzenden und Herrschenden. Zu folgen ist den Einflüsterungen der Kriegsprofiteure.

Wer wird beim Experiment zur Kriegstauglichkeit der Erdenbewohner ‚gewinnen‘: Soldatenkaiser Napoleon oder ein heiliger Franziskus?‚Nie wieder Friede‘ spielt „in exemplarischen Szenen die irdische Probe auf einen ‚himmlischen‘ Prinzipienstreit durch. Im Olymp geraten Napoleon und Franziskus von Assisi in einen Streit über die Frage, ob die Menschen eher zum Krieg oder zum Frieden neigen. Wer von beiden recht hat, soll sich in dem irdischen Kleinstaat Dunkelstein erweisen, wo soeben eine große Feier des Friedens staatfindet. Auf die vom Olymp aus fingierte Nachricht, der Krieg sei ausgebrochen, erweist sich sehr schnell die Kriegsbereitschaft der soeben noch friedliebenden Gesellschaft. Der militaristische Umschwung […] bleibt nicht ohne Widerstand, scheint aber zunächst nicht aufzuhalten. Die erneute Wende zurück zum Frieden wird wiederum durch eine Manipulation aus dem Olymp veranlaßt und in Dunkelstein ebenso anstandslos nachvollzogen wie zuvor diejenige zum Krieg – ein Ausgang des Experiments, der den Bellizisten Napo