: Norbert Horst
: Sweet Home Du bist nirgends sicher - Kriminalroman
: Goldmann Verlag
: 9783641316518
: Lopez, Rahn und Müller ermitteln
: 1
: CHF 8.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 368
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Essen: Ein Mann wurde getötet, der Täter ist schnell gefasst. Doch für Deniz Müller, Leiter der Mordkommission, und Staatsanwältin Camilla Lopez beginnt der Fall damit erst. Bei ihren Ermittlungen stoßen sie auf ein Video, das offensichtlich Auslöser des Mordes war. Es zeigt die Frau des Täters beim Sex mit einem nicht identifizierbaren Mann. Bei genauer Betrachtung wird klar, dass der Akt alles andere als einvernehmlich war. Der Täter hatte daraufhin den vermeintlichen Vergewaltiger auf eigene Faust ermittelt – und getötet. Doch er hat sich auf fatale Weise geirrt. Aber wer ist tatsächlich auf dem Video zu sehen? Und wie hängt es mit einem brisanten Fall von Datendiebstahl und Internetbetrug zusammen, dem der Investigativjournalist Alex Rahn auf die Spur gekommen ist?

Norbert Horst war Kriminalhauptkommissar und hat in zahlreichen Mordkommissionen ermittelt, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Der Autor ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Kriminalromane wurden mit dem Friedrich-Glauser-Preis und dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet und standen monatelang auf der Krimibestenliste.

Deniz


Das war der schlimmste Moment.

Deniz drückte das Gespräch weg. Gegen Morgen, auch wenn es sehr früh war, hatte er keine Probleme damit. Auch nachts nicht, selbst wenn er erst zwei oder drei Stunden geschlafen hatte. War auch dann nicht prickelnd, klar, aber erträglich. Wenn er jedoch unmittelbar nach dem Einschlafen alarmiert wurde, fühlte es sich in den ersten Minuten an, als habe er sich mit irgendeiner Droge abgeschossen.

Er setzte sich auf die Bettkante und hoffte, die Trägheit unterliege der Schwerkraft und würde allmählich aus seinem Hirn sickern. Nach einer Minute stand er auf. Das Handy fiepte kurz, die Kollegin von der Leitstelle hatte ihm wie angekündigt den Leichenfundort als Standort geschickt, Laupendahler Landstraße. Irgendwo tief im Essener Süden an der Ruhr und eine ziemlich einsame Gegend, wenn er sich richtig erinnerte.

Er überlegte, ob er Camilla Bescheid geben sollte, weil sich das Ganze schon jetzt danach angehört hatte, dass der Tote nicht freiwillig gegangen und die Staatsanwältin damit im Boot war. Ihr Kontakt verriet ihm, dass sie vor zwei Minuten noch online gewesen war, und er drückte den Button mit dem Hörer.

»Guten Morgen, Frau Lopez. Noch nicht in Morpheus’ oder jemand anderes Armen?«

»Wenn du jetzt anrufst und mit so einer Stimme Unsinn erzählst, heißt das nichts Gutes.«

»Hast du was getrunken, was geraucht, oder kannst du noch fahren?«

»Deniz … Komm, erzähl!«

»Bin eben angerufen worden. Laupendahler Landstraße, unten an der Ruhr, ziemlich einsame Gegend, hat ein Radfahrer an einer Böschung eine Leiche gefunden, männlich. Sie haben sie noch nicht geborgen, aber auf den ersten Blick sind Stiche erkennbar.«

»Und ich wollte grad ins Bett.«

»Kein Problem, dann gute Nacht. Ich kann dich morgen früh bei’nem Kaffee auf den Stand bringen.«

»Geht’s noch? Ich komme. Wo dort?«

»Ich schicke dir den Standort. Ist etwas abgelegen.«

»Okay, bis gleich.«

Er stand auf, legte die Hand auf die Wasserkanne vom Çay, die nur noch lauwarm war. Er bereitete sich eine Mischung zu, stellte das Glas in die Mikrowelle und ging ins Bad.

Ein Streifenwagen hatte die Laupendahler Straße an einer Abzweigung gesperrt, an der man den Verkehr günstig ableiten konnte, was hier um diese Zeit aber kaum nötig war. Der Kollege stand draußen und rauchte, die Kollegin saß im Wagen. Man kannte sich von flüchtigen Begegnungen im Präsidium.

»Von hier kannst du es nicht sehen, ist hinter der Kurve, sind noch ein paar hundert Meter«, sagte der Kollege, und sein Atem machte kleine weiße Wölkchen. Deniz befürchtete, sich für die falsche Jacke entschieden zu haben.

»Ist die Staatsanwältin schon durch?«

»Ne, nur der Sprinter von derKTU

»Dann wird sie gleich kommen. Vom Rest der Mordkommission schon jemand?«

»Solange wir hier stehen, nicht.«

Kurzer Gruß, er fuhr weiter.

Weil schon jemand einen Lichtmast aufgestellt hatte, l