: Lisa Ahland
: Das Geheimnis der Weihnachtskiste Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641316839
: 1
: CHF 11.70
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 304
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Rike ist fassungslos: Kurz vor Weihnachten beschließt ihre Mutter Vally, ihr Haus in Husum zu verkaufen – ein Ort, der viele Erinnerungen an Rikes geliebten Vater birgt. Statt die Adventszeit mit ihren beiden Kindern in Hamburg zu verbringen, fährt sie in ihre alte Heimat, um beim Ausräumen des Hauses zu helfen. Für Rike ein Albtraum, denn ihre Mutter ist nicht nur völlig unorganisiert, sondern auch ein echter Weihnachtsmuffel. Da kommt Rike der Aushilfsjob im Husumer Weihnachtsmuseum gerade recht. Dort trifft sie ihren ehemaligen Jugendschwarm Jasper wieder, und entdeckt auch eine geheimnisvolle Weihnachtskiste. Noch ahnt sie nicht, dass diese ihr Leben für immer verändern wird ...

Lisa Ahland ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, die bereits mehrere Romane veröffentlicht hat. Zusammen mit ihrem Mann und ihren drei Kindern lebt sie in Lübeck und feiert dort fröhlich, bunt und ausgiebig Weihnachten. Lisa Ahland liebt die kleinen Traditionen der Adventszeit sowie die Geselligkeit und Gemütlichkeit dieser ganz besonderen Jahreszeit. Die Weihnachtskiste ihrer Familie ist vor einigen Jahren verlorengegangen und hat Lisa Ahland zu diesem berührenden Weihnachtsroman inspiriert.

1.


»Fang mich doch!«

Feline rannte durch den Flur unserer Altbauwohnung, ihren Zwillingsbruder Lennard dicht auf den Fersen. Schon waren sie in der Küche angelangt, Feline drehte sich um, taxierte Lenny frech, um im nächsten Moment mit einem Ausfallschritt ihre Richtung zu ändern und um die Kücheninsel zu sprinten.

»Das Blech!«, rief ich erschrocken. »Feline! Pass auf.«

Nur haarscharf wich sie dem Backblech mit Kokosmakronen aus, das ich gerade aus dem Ofen geholt hatte. Sie bremste ihr Tempo, taumelte, und ich fing sie auf, die Hände noch in den Ofenhandschuhen.

»Hey, ihr sollt doch nicht in der Wohnung rennen«, schimpfte ich.

»Sorry, Mama«, sagte Feline kleinlaut und wand sich aus der Ofenhandschuh-Umarmung. »Die sehen aber lecker aus.« Sie reckte sich den frischen Kokosmakronen entgegen. »Dürfen wir welche …?«

»Erst die Hausaufgaben«, entschied ich. »In einer Stunde müssen wir los zum Training. Line, du musst die Vokabeln von gestern wiederholen. Und Lenny, denk an den neuen Ordner für Informatik.«

»Ja-ha«, murrte er und rollte genervt mit den Augen, wie nur Vorpubertierende es können.

»Beim nächsten Mal krieg ich dich«, raunte er in Felines Richtung, als die beiden zurück in ihre Zimmer trotteten. »Und wenn Mama uns zum Training fährt, sitze ich vorne, klaro?«

»Das werden wir ja sehen«, erwiderte Feline bedeutungsvoll, bevor sie ihre Zimmertür mit einem galanten Lächeln in Lennys Richtung hinter sich zuzog.

Diese beiden!, dachte ich und musste schmunzeln. Manchmal waren sie wie Hund und Katz. So war das schon immer gewesen. Doch wenn es darauf ankam, hielten sie zusammen.

Ich legte die Ofenhandschuhe beiseite und zog die Schürze aus, dann begutachtete ich mein Werk: Feline hatte recht, die Kokosmakronen sahen wirklich hervorragend aus.

An den Rändern waren sie goldbraun, ansonsten schön hell geblieben. Jetzt kam es auf die Konsistenz an. Im letzten Jahr hatte ich sie zu früh aus dem Ofen geholt, und die Makronen waren zu weich geworden. Und im Jahr davor war die Kokosmasse bröselig geblieben. Doch als ich jetzt mit dem Zeigefinger vorsichtig gegen eine Kokosmakrone drückte, hielt die zarte Kruste.

Ich warf einen Blick den Flur entlang, um sicher zu sein, dass auch Lenny in seinem Zimmer verschwunden war. Dann nahm ich vorsichtig eine der warmen Makronen vom Blech und biss ein kleines Stück ab.

Gut gemacht, Henrike, sagte ich mir selbst und seufzte genüsslich. Die feinen Kokosraspeln schmolzen förmlich auf der Zunge, während die Oblate schön knackig blieb. Schnell notierte ich die Backzeit und die exakte Menge an Quark, die ich dem Teig hinzugegeben hatte. Ich war einer Empfehlung aus einem Online-Backforum gefolgt –Kokosmakronen nach Omas Rezept, gelingt immer –, die nun offensichtlich den entscheidenden Unterschied machte.

Schon am Tag zuvor hatte ich Schwarz-Weiß-Gebäck, Vanillekipferl und Engelsaugen gebacken, die die Kinder so liebten. Sobald die Makronen abgekühlt waren, würde ich sie in die Plätzchendosen legen, und dann konnte