Kapitel 3
Blythe
Entschlossen, keine weitere Sekunde meiner kostbaren Zeit an Briggs Goswick zu verschwenden, verschwinde ich hinter der Hecke. Ein bisschen kindisch war mein Verhalten vielleicht schon. Jemandem einen Apfel an den Kopf zu werfen, ist eigentlich unter meiner Würde, außerdem weiß Mr Goswick jetzt genau, wie er mich zur Weißglut bringen kann.
Trotzdem: Lieber rede ich stundenlang mit meiner Familie über Desserts.
Doch der Salon ist leer. Charlottes Buch fest an die Brust gepresst, ziehe ich mich in die Stille meines Schlafzimmers zurück, lasse mich rückwärts auf mein Bett fallen und starre an die Decke.
Es fing doch alles so unschuldig an mit uns und unseren kleinen Streitereien. Zumindest empfinde ich das so.
Es war Sommer, ich war zehn und in Wrexford Park zu Besuch, und die Goswicks hatten ein Gartenfest veranstaltet, wo ich mit Amy und August Goswick unter einem Spalier voller Blumen hindurchspaziert war, in dem es vor Bienen summte.
Ich war schon immer von Bienen fasziniert gewesen. Und ich hatte gerade begonnen zu erzählen, dass sie von bestimmten Blumenarten, wie denen auf dem Spalier, besonders angezogen werden, da tauchte Briggs Goswick scheinbar aus dem Nichts auf, verdrehte die Augen und sagte herablassend: »Nein, Blythe, das ist Unsinn.« Bienen würden angeblich jede Blumenart mögen. Zunächst versuchte ich es (allerdings nicht sehr lange) auf die freundliche Art, doch Briggs war schon immer ein unangenehmer Zeitgenosse und sagte, er gehe nun zur Schule und wisse deswegen alles selbstverständlich viel besser als jedes Mädchen.
Ich fühlte mich natürlich herausgefordert und begann Briggs, wann immer ich konnte, zu verbessern. Vor seinem Bruder, vor unseren Familien, sogar dann, wenn er Freunde zu Besuch hatte. Zugegebenermaßen war das kein reifes Verhalten, doch er hatte meinen Stolz verletzt. Ich wollte mich als Mädchen behaupten.
Und es gab so viele Gelegenheiten, ihn vorzuführen. Amy und ich waren oft in Wrexford, und Briggs Goswick hatte oft unrecht.
Natürlich ließ Briggs das nicht auf sich sitzen, und eigentlich hätte ich, die ich nun wahrlich nicht auf den Kopf gefallen war, voraussehen müssen, dass er mir etwas entgegensetzen würde. Nicht mit Worten, dafür war er nicht clever genug, sondern mit Streichen.
Und ich gebe gerne zu, dass auch ich einem guten Scherz nicht abgeneigt bin. Es begann mit Fröschen, die er in unserem Picknickkorb versteckte, was Charlotte viel mehr entsetzte als mich. Ich legte ihm im Gegenzug welke Kohlblätter unter die Bettdecke. Solche Dinge. Unschuldige Kindereien. Nur wurden sie immer größer und ausgefeilter. Einmal brachte er einer Katze bei, jedes Mal, wenn ich mich zum Singen ans Klavier setzte, zu maunzen. Und ich verschüttete absichtlich beim Abendessen ein Glas Wasser auf seinem Schoß, sodass es aussah, als hätte er sich in die Hose gemacht.
Den Höhepunkt erreichte das Ganze an Weihnachten, ich war dreizehn. In dem Jahr verbrachten wir zwei Wochen in Wrexford, und als Briggs vom Internat nach Hause kam, stand ich mit irgendeinem Scherz bereit. Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich mir ausgedacht hatte.
Ganz genau weiß