: Javier Castillo
: Das Mädchen im Schnee - Um sie zu retten, musst du sie finden Thriller - Das Buch zur erfolgreichen Netflix-Serie
: Goldmann Verlag
: 9783641322373
: Das Mädchen im Schnee
: 1
: CHF 8.90
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 432
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der internationale Nr. 1-Bestseller und Netflix-Erfolg – endlich auf Deutsch!

New York 1998. Während der Thanksgiving-Parade verschwindet die 3-jährige Kiera Templeton. Die Polizei findet keine Spur und stellt die Ermittlungen schließlich ein. Nur die Journalistin Miren Triggs sucht unermüdlich weiter, als alle anderen längst das Interesse an der Geschichte verloren haben. Fünf Jahre später, an Kieras 8. Geburtstag, taucht ein Video auf. Erst ist nur Schneegestöber zu sehen, dann erkennt man ein Zimmer. Ein Mädchen spielt mit einem Puppenhaus. Es ist eindeutig Kiera. Doch wo steckt sie? Jahr für Jahr folgt ein weiteres Video, das Kiera in dem Zimmer mit dem Puppenhaus zeigt – bis zu ihrem 15. Geburtstag. Diesmal ist das Zimmer leer …

Der erste Fall für Investigativjournalistin Miren Triggs – atemberaubende Spannung vom »Meister des spanischen Thrillers, der alle Rekorde bricht« (Forbes)

»Javier Castillo ist ohne Zweifel das große neue Phänomen in der europäischen Literatur.« Joël Dicker

»Der spanische Stephen King.« ABC

»Fesselt den Leser vom ersten Satz an.« El País

Javier Castillo, geboren in Málaga, hat Wirtschaft und Management studiert. Seine Romane stehen regelmäßig an der Spitze der spanischen Bestsellerliste. Mit der Trilogie »Das Mädchen im Schnee«, die von Netflix verfilmt wurde, gelang ihm der internationale Durchbruch.

KAPITEL2


Miren Triggs

1998

Das Unglück sucht sich immer diejenigen,

die es ertragen können.

Die Rache hingegen diejenigen,

die es nicht können.

Von Kiera Templetons Verschwinden hörte ich zum ersten Mal während meines Studiums an der Columbia University. Ich griff am Eingang der Fakultät für Journalistik zu einem Exemplar derManhattan Press, die für die Studierenden dort auslag, um uns zu großen Träumen anzuregen und von den Besten zu lernen. Ich war früh aufgestanden, weil ich wieder diesen Albtraum gehabt hatte, in dem ich durch die verwaisten Straßen New Yorks vor meinem eigenen Schatten floh, und hatte mit diesem unheimlichen Bild im Kopf noch vor Sonnenaufgang geduscht und mich angezogen. Zu dieser frühen Stunde waren die Flure der Fakultät menschenleer. Was mir auch lieber war. Ich hasste es, von unbekannten Menschen umgeben zu sein, ich verabscheute ihre Blicke und ihr Tuscheln hinter meinem Rücken, wenn ich in den Hörsaal ging. Dabei war aus Miren »Das ist die, die …« geworden, oder manchmal auch »Pst, sei still, sie kann uns hören …«

Manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie recht hatten, dass ich keinen Namen mehr hatte, sondern nur noch das Gespenst aus dieser Nacht war. Wenn ich mich im Spiegel betrachtete und mir forschend in die Augen sah, fragte ich mich immer: Bist du noch da, Miren?

Dieser Tag war besonders eigenartig. Seit der Thanksgiving-Parade, nach der am nächsten Morgen das Gesicht der kleinen Kiera Templeton auf dem Titelbild der meistgelesenen Tageszeitung des Landes prangte, war eine Woche vergangen.

Die Schlagzeile derManhattan Press vom 1. Dezember 1998 lautete schlicht:Haben Sie Kiera Templeton gesehen? Darunter die Bildunterschrift:Weitere Informationen auf Seite 12. Auf dem Foto wirkte Kieras Blick überrascht, ihre grünen Augen verloren sich irgendwo hinter der Kamera, und dieses Bild brannte sich für immer in das Gedächtnis einer ganzen Nation ein. Ihr Gesicht erinnerte mich an mein eigenes als kleines Mädchen, ihr Blick an meinen als erwachsene Frau. So verletzlich, so zerbrechlich, so … gebrochen.

Die 72. Thanksgiving-Parade 1998 blieb ganz Amerika aus zwei Gründen in Erinnerung. Erstens, weil sie als die beste der Geschichte gilt, mit vierzehn Orchestern, Auftritten von *NSYNC, den Backstreet Boys und Martina McBride, Flashmobs von Hunderten Cheerleaderinnen einschließlich des gesamten Sesamstraßenpersonals und einem endlosen Gefolge an Clowns in Feuerwehruniform. Im Jahr davor hatte es große Probleme mit dem Wind gegeben. Einige der riesigen Ballons hatten Menschen verletzt und Schäden verursacht, dazu hatte es einen Vorfall mit dem Luftkissen von Barney, dem rosafarbenen Dinosaurier, gegeben, in den mehrere Besucher hineinstechen mussten, um ihn unter Kontrolle zu bringen und wieder auf den Boden zu holen. Der Imageschaden war gewaltig, weshalb die Organisatoren alles daransetzten, um den katastrophalen Ansehensverlust wettzumachen, den die Veranstaltung dadurch erlitten hatte. Kein Vater wollte seine Kinder zu einer Parade mitnehmen, auf der die Kleinen vom Barney-Ballon oder Babe, dem fünfstöckigen Schweinchen, verletzt wurden. Das Organisationskomitee hatte sich fest vorgenommen, jedwede mögliche Gefahr auszuschließen. Bei der Parade 1998 sollte alles reibungslos vonstattengehen. Es wurden Beschränkungen für Höhe und Ausmaße der Ballons eingeführt, der majestätische »Crazy Bird« Woody the Woodpicker verschwand gleich für immer. Die Hilfskräfte für die Figurenballons mussten Lehrgänge absolvieren. Der Umzug war derart gelungen, dass sich noch zwanzig Jahre später