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Schweifereien
Dr. Siri wartete schon vor der Nudelküche, als Daeng angeradelt kam. Es war ein schwüler Tag, doch seine Frau geriet selbst in der Mittagssonne nur selten ins Schwitzen. Sie lehnte das Fahrrad gegen den letzten noch verbliebenen Sandelholzbaum in diesem Teil der Straße und tätschelte Köter. Siri zuckte die Achseln.
»Und?«, fragte er.
»Was, und?«
»Was hat sie gesagt?«
Daeng hauchte ihm einen Kuss auf die Wange und ging an ihm vorbei in das dunkle Restaurant. Er trottete ihr hinterdrein.
»Sie hat gesagt, ich hätte den Körper und die Konstitution einer Neunundsechzigjährigen.«
»Du bist neunundsechzig.«
»Also kein Grund zur Enttäuschung oder gar zum Übermut. Ich bin fit und kerngesund. Mit anderen Worten, eine gut erhaltene Durchschnittslaotin mit angeblicher Arthritis. Sie hat allerdings in einem Nebensatz erwähnt, dass die meisten Landsleute meiner Altersklasse tot sind. Da kann man doch nicht meckern, oder?«
»Und was ist mit Du-weißt-schon …?«
»Darüber hat sie kein Wort verloren«, sagte Daeng.
»Was?«
»Keine Silbe. Sie hat ihn offenbar gar nicht bemerkt«.
»Was ist denn das für eine Ärztin, die nicht bemerkt, dass eine ihrer Patientinnen einen Schwanz hat?«
»Siri, ich hab’s dir schon tausend Mal gesagt. Außer dir und mir kann ihn niemand sehen.«
»Und die Schamanen in Udon?«
»Konnten ihn auch nicht sehen. Sie haben sein Bild heraufbeschworen. Das ist etwas völlig anderes.«
»Aber er ist echt, Daeng. Das weißt du genauso gut wie ich. Ich kann ihn anfassen.«
»Ich weiß. Und ich mag das auch.«
»Aber jetzt will Dr. Porn uns weismachen, dass er in Wirklichkeit nicht existiert, was nur bedeuten kann, dass ich senil bin«, sagte Siri.
»Falsch: dass wir beide senil sind.«
»Wenn das so ist und du überhaupt keinen Schwanz hast, dann bilde ich mir vermutlich auch nur ein, dass ich in regelmäßigen Abständen verschwinde.«
»Ganz und gar nicht«, sagte seine Frau, die zur Vorbereitung auf das Abendgeschäft schon einmal die Hocker abstaubte. »Das bedeutet allenfalls, dass deine Abwesenheit sonst niemandem auffällt.«
»Dabei bin ich ein paar Mal sogar in aller Öffentlichkeit verschwunden«, sagte er mehr als nur leicht verärgert. »Auf dem Markt, im Konzert, in einem voll besetzten …«
»Keine Angst, mein Schatz«, sagte sie und nahm seine Hand, »es besteht kein Zweifel, dass du verschwindest. Es besteht kein Zweifel, dass du auf die andere Seite wechselst und dort allerhand erlebst und mir bei deiner Rückkeh