: Sophie Dornbach
: Vienna Passion Roman
: Heyne Verlag
: 9783641312428
: Die Wien-Saga
: 1
: CHF 8.90
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: German
: 448
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Charlotte von Althenau ist jung, wild und hat ihren ganz eigenen Kopf. Sehr zum Missfallen ihrer Eltern möchte sie sich nur ungern in eine Ehe drängen lassen. Doch als sie den charmanten Zuckerbäcker Sebastian trifft, wird ihr Leben jäh auf den Kopf gestellt. Plötzlich sehnt sie sich nach einer Liebe, die nicht den Konventionen der Zeit und denen des kaiserlichen Hofs in Wien entspricht. Gesellschaftliche Erwartungen, Geheimnisse und ein weitreichender Skandal stürzen sie in ein turbulentes Liebesabenteuer voller Leidenschaft. Ihre Eltern haben andere Pläne für sie, doch dann kommt es zu einer Intrige, in der nicht nur Charlotte, sondern ihre ganze Familie zu Fall gebracht werden soll. Wird Charlotte trotz allem den Mut finden, für ihre Liebe zu kämpfen?

Nach einem Studium der Germanistik und Geschichte arbeitete Sophie Dornbach in einem großen Kölner Publikumsverlag, ehe sie sich hauptberuflich dem Schreiben widmete. Sie hat viele erfolgreiche Romane geschrieben, begeistert ein breites Publikum und wurde mit dem Delia-Literaturpreis ausgezeichnet. Sie liebt laue Sommerabende und Städtereisen, wo sie für ihre Romane intensive Recherchen betreibt. Während ausgedehnter Wien-Reisen reifte die Idee für ihre derzeitige Romanreihe.

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Charlotte

»Papa! Mama!« Charlottes Rufe hallten durch die Eingangshalle der kleinen Villa, die sie seit über einem Jahr bewohnten. Auf dem polierten Parkettboden hinterließen ihre Stiefel matschige Spuren. Sie erklomm die geschwungene Holztreppe ins Obergeschoss, in dem neben den Schlaf- und Ankleidezimmern der Töchter auch das private Esszimmer und ein Gästezimmer untergebracht waren. Wie die Eingangshalle mit ihren cremefarbenen Wänden und der holzgetäfelten Decke wirkte die ganze Villa etwas rustikal und war weitaus kleiner als das Palais, das sie damals in München ihr Eigen genannt hatten.

Die Bibliothek war gleichzeitig auch das Herrenzimmer – sehr zu Desirées Leidwesen, die nur allzu gerne Tag und Nacht darin verbracht hätte, was ihr Vater jedoch strengstens untersagte, wenn er beispielsweise Besuch erwartete. Auf ein eigenes Ankleidezimmer hatte Rudolf von Althenau komplett verzichten und sich mit einem Schlafzimmer zufriedengeben müssen.

Antonia und Bernadette hatten als älteste Schwestern die schönsten und größten Zimmer erhalten, zwischen denen ihr gemeinsames Ankleidezimmer lag, Desirée konnte sich über ein eigenes Bad freuen, das man nur von ihrem Raum aus erreichte. Um in ihr Ankleidezimmer zu gelangen, das sie sich als jüngste Schwestern teilten, mussten sie jedes Mal über den Flur huschen. Allerdings beneidete Charlotte ihre jüngere Schwester Desirée nicht um das eigene Bad, sondern vielmehr um die angrenzende Treppe, die man von der zweiten Badezimmertür aus ungesehen erreichte. Und der Reiz von Antonias Zimmer lag in dem Erker, der den Raum nicht nur wundervoll erhellte, sondern über dessen Fenster man hervorragend auf den Balkon des benachbarten Esszimmers und von dort die Säulen hinunterklettern konnte, um ungesehen zum Stall zu gelangen und unerlaubte Ausritte zu unternehmen. Allerdings hatten weder ihr Vater noch ihre Mutter ein Einsehen gehabt, als Charlotte sie nach dem Auszug ihrer ältesten Schwester um das Zimmer gebeten hatte.

»Antonia ist kaum aus dem Haus, und du verschacherst schon ihren Raum«, hatte Rudolf von Althenau sie gerügt. »Abgesehen davon hältst du dich die meiste Zeit ohnehin im Pferdestall auf. Was brauchst du da ein größeres Zimmer?«

»Als ob du nicht selbst darüber nachgedacht hättest, den Raum zu deinem privaten Herrensalon umzugestalten«, hatte Ursula von Althenau ihm entgegengesetzt. Doch sosehr Rudolf auch damit geliebäugelt hatte, seine Frau hatte sich strikt dagegen ausgesprochen, einen Herrensalon auch nur in die Nähe der Mädchenzimmer kommen zu lassen und die Bibliothek nach oben zu verlegen. Dabei hatte sich Desirée bereits auf nächtliche Ausflüge dahin gefreut, wenn sie wieder einmal nicht schlafen konnte, weil sie eben noch eine Seite zu Ende lesen musste. Und es war endgültig hinfällig geworden, als man die Kosten für den Einbau der einzupassenden Bücherregale kalkuliert hatte. Es war zum Verrücktwerden!

Wenigstens konnte Charlotte der Enge – und der geblümten Tapete – ihres Zimmers entfliehen, wenn sie mit Ophélie zum Prater ausritt. Mittlerweile hatte sie es sich schon fast zu einem täglichen Ritual gemacht, eine Runde vor dem Frühstück zu drehen. So entkam sie nicht nur der Beengtheit des Hauses, sondern auch den Heiratsplä