Kapitel 1
Zeke
Vier Tage vor der Eröffnungsfeier
Ezekiel Moyo hatte noch nie attraktiver ausgesehen als auf dem Titelbild der Augustausgabe vonGQ. Es war die jährliche Sportausgabe, und da Ezekiel (oder Zeke, wie ihn alle nannten) die größte Hoffnung des Landes auf eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in diesem Sommer darstellte, war es nur recht und billig, dass man ihn zum Gesicht des Magazins gemacht hatte.
Zeke verbrachte das gesamte Fotoshooting damit, alle am Set zu umgarnen. Er unterhielt sich mit der Empfangsdame über das Foto auf ihrem Schreibtisch und machte der Dame vom Catering ein Kompliment für das gute Essen.
»Auntie«, begann er – weil er dazu erzogen worden war, jede ältere Schwarze Frau Auntie zu nennen –, »das ist das beste Ochsenschwanzragout, das ich je gegessen habe, und meine Mutter macht einunglaubliches Ochsenschwanzragout.«
Kichernd gab sie ihm eine weitere Portion. Zekes Diät vor dem Wettkampf erlaubte ihm nur eine Portion, aber wenn man ihm als Kind eines beigebracht hatte, dann, dass er eine Lunchbox, die ihm eine Auntie gab, mitnehmen musste.
Zeke unterhielt sich gerade mit dem Sicherheitspersonal über das Fußballspiel vom Wochenende, da entdeckte er ein paar Assistentinnen, die ihn von der anderen Seite des Raums aus schüchtern beäugten. Er wusste, dass sie zu professionell waren, ihn um ein Foto zu bitten, obwohl sie definitiv eins haben wollten. Also ging er nach der Fotosession mit diesem unverschämt charmanten Lächeln im Gesicht zu ihnen hinüber und sagte: »Das hier ist mein erstes großes Shooting, und ich hätte gern eine schöne Erinnerung daran. Kann jemand ein Foto von uns allen machen?« Ihre Gesichter leuchteten vor Begeisterung.
Die Sicherheitsleute erzählten jedem, Zeke sei der bodenständigste Kerl, der je dasGQ-Büro betreten habe, und eine Produktionsassistentin postete die Aufnahmen, die sie gemacht hatten, mit der Bildunterschrift:Dies ist ab jetzt ein Ezekiel-Moyo-Fan-Account.
»Gibt es bei den Spielen in diesem Jahr eigentlich jemanden, auf den Sie sich besonders freuen?«, fragte die Journalistin, die das Cover-Interview führte, und zog kaum merklich eine Augenbraue hoch. Zeke lächelte. Er wusste genau, worauf die Frau hinauswollte, aber er hatte nicht die Absicht, darauf einzugehen.
»Oh, ich freue mich einfach darauf, all meine Freunde aus dem TeamGB anzufeuern«, sagte er.
»Und abgesehen vom TeamGB … Gibt es da noch jemanden, auf den Sie sich freuen?«, fragte die Journalistin und beugte sich vor, als könnte diese Geste Zeke dazu bewegen, sich zu öffnen. Wenn überhaupt, erhöhte ihre Annäherung höchstens seine Entschlossenheit, zu diesem Thema zu schweigen. »Jemand von … der anderen Seite des Großen Teichs vielleicht?«, hakte sie nach. Zeke legte den Kopf schief, als hätte er keine Ahnung, worauf die Journalistin anspielte.
Den ganzen Tag lang hatten die Redakteure ihm immer wieder dieselbe Frage gestellt. Aber Zeke roch eine derartige Falle schon aus zwei Kilometern Entfernung.
»Ich habe keine Ahnung, wovon Sie sprechen. Wollen wir jetzt weitermachen?«, sagte er jedes Mal höflich, aber bestimmt.
Zeke hatte mit vierzehn angefangen, für das TeamGB zu laufen. Mit sechzehn hatte er sein erstes großes Presseinterview gegeben und mit zwanzig seine erste Beziehung gehabt, die natürlich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregt hatte. Er hatte also jahrelange Übung darin, genug zu liefern, damit man daraus eine gute Story machen konnte, und gleichzeitig von Themen abzulenken, über die er