: Shoukei Matsumoto
: Die Kunst des achtsamen Miteinanders Was wir von buddhistischen Mönchen über Gemeinschaft lernen können
: Goldmann Verlag
: 9783641322632
: 1
: CHF 8.90
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: Angewandte Psychologie
: German
: 208
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der studierte Wirtschaftswissenschaftler Shoukei Matsumoto kehrt in diesem Buch zurück zu seinen Wurzeln und zeigt, wie sich buddhistische Philosophie und moderne Arbeitswelt verbinden lassen. Er spricht sich gegen den gegenwärtigen Ellenbogen-Kapitalismus aus und entwickelt Strategien, wie gemeinschafliches, bewusstes Arbeiten und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen können. Als vielleicht einziger Mönch, der auch im Forbes Business Magazine zitiert wird, liegt ihm daran, die Menschlichkeit in der Unternehmenswelt nicht abhanden kommen zu lassen und so ein friedvolles Miteinander zu schaffen.

Shoukei Matsumotoist Mönch im buddhistischen Komyoji-Tempel in Kyoto. Er studierte Philosophie und Wirtschaftswissenschaften und ist Mitglied des Renge-Ji Institute for Buddhist Research. Früher bekannt unter dem Namen Keisuke Matsumoto, hat er sich in Shoukei Matsumoto umbenannt.

Hallo!


Auch nach der Rückkehr in meinen geschäftigen Arbeitsalltag war die Erinnerung an den Bergtempel noch immer präsent. Ich spürte, dass es da vielleicht etwas gab, das mir bei der Suche nach Klarheit helfen könnte – ein Hinweis, der mich durch meine innere Unsicherheit führen würde. Ich verspürte den starken Wunsch, mehr von diesem Tempelpriester zu erfahren.

Bald darauf erhielt ich einen schlichten weißen Umschlag vom Tempel. Darin befand sich ein einfacher schwarz gedruckter Zeitplan für die kommenden Aktivitäten. Ein Eintrag fiel mir besonders ins Auge: »Morgendliches Treffen im Tempel«. Darin stand: »Wir werden einen Einblick in das Tempelleben geben: Sutras rezitieren, putzen, Tee trinken und uns austauschen. Alle sind willkommen.«

Wenn ich unsicher bin, entscheide ich mich stets fürs Mitmachen. Das ist meine persönliche Devise.

Am Tag des Treffens war die Morgenluft klar und erfrischend. Es begann mit der herzlichen Begrüßung des Priesters: »Guten Morgen!« Etwa zehn Personen waren anwesend – einige schienen aus der Gegend zu kommen, andere sahen wie Durchreisende aus. Sie unterschieden sich stark in Alter, Herkunft und Persönlichkeitstyp. Nachdem wir in der Haupthalle Sutras gesungen hatten, schauten wir uns auf dem Tempelgelände um und räumten auf. Dann machten wir eine Teepause und plauderten einfach. Es war kurz, entspannt und für jeden offen.

Als alle gegangen waren, sah ich, wie der Priester die Kissen in der leeren Halle wegräumte. Ich ging auf ihn zu und fragte: »Könnten wir uns kurz unterhalten?«

»Danke, dass Sie heute gekommen sind«, sagte er. Wir setzten uns auf eine Bank an der Veranda der Haupthalle. Da ich in meiner Arbeit immer den Schwerpunkt auf Zielgruppen und Effizienz lege, war es mal eine willkommene Abwechslung, an einer so andersartigen und zwanglosen Zusammenkunft teilzunehmen.

»Das ist keine Veranstaltung im üblichen Sinne«, sprach der Priester. »Für mich ist das eine einfache Möglichkeit, einen Teil meines täglichen Lebens als Priester mit anderen zu teilen. Hinter dem Singen, dem Putzen oder dem Teetrinken steht kein besonderer Zweck. Ich will den Buddhismus auch nicht direkt lehren. Jeder findet seinen Sinn darin hierherzukommen. Ich schaffe nur einen Ort, an dem jeder, der sich angezogen fühlt, mitmachen und den Morgen in der Gemeinschaft verbringen kann.«

Eine Zusammenkunft ohne bestimmten Zweck. Auf dem Programm standen nur drei Wörter: »Tempel« und »morgendliches Treffen«, dazu eine kurze Beschreibung dessen, was da geschehen könnte. Solange es einen Ort und eine Zeit gibt, können