: Amy Neff
: Warte auf mich am Meer Roman -"Noch nie hat mich eine Liebesgeschichte so berührt." Jodi Picoult -
: Goldmann Verlag
: 9783641322021
: 1
: CHF 4.50
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Evelyn und Joseph wachsen an der malerischen Küste New Englands auf, an der ihre Familien schon seit Generationen leben. Sie sind unzertrennliche Freunde von Kindesbeinen an, und als sie älter werden, verlieben sie sich ineinander. Gemeinsam übernehmen sie die Pension von Josephs Eltern am Meer und ziehen dort ihre drei Kinder groß. Nach sechzig bewegten Ehejahren versammeln die beiden ihre Familie in dem wunderschönen alten Haus am Strand. Denn Evelyn hat eine erschütternde Diagnose erhalten, und Joseph weiß, dass er ohne sie nicht sein will. Stets haben sie festgehalten an ihrer unverbrüchlichen Liebe, auch wenn die Zeiten stürmisch waren und Widrigkeiten drohten, sie zu entzweien. Aber nun stehen sie vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens: Wie soll ihre Geschichte enden?

Amy Neffs Debütroman »Warte auf mich am Meer« ist eine Liebeserklärung an die Stadt am Meer, in der ihre Familie seit den frühen 1900er Jahren die Sommer verbrachte. Amy Neff lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Connecticut. Mehr zur Autorin unter www.amyneff.com.

Eins


Evelyn


Juni 2001 

Josephs Worte lauern schon im Hintergrund und warten nur darauf, ausgesprochen zu werden. Ich greife nach seiner Hand und lasse mich von dieser Landkarte aus Schwielen beruhigen, die sich schützend über meine legt. Seine Nagelhäute haben Schmutzränder vom Einpflanzen der Blumenzwiebeln am Nachmittag, und meine Finger zittern in seinem Griff. Wo sich unsere Handflächen berühren, bildet sich ein leichter Schweißfilm.

Gegenüber von uns auf dem durchgesessenen Sofa sitzen unsere Kinder. Sie sind mucksmäuschenstill. Die beiden Lampen, die neben uns stehen, verbreiten einen warmen Lichtschein. Joseph hat sie angemacht, als es langsam dunkel wurde. Durch die Fenster fällt das Mondlicht glänzend auf die beiden Flügel im Arbeitszimmer und wird von den elfenbeinfarbenen Tasten reflektiert. Die Fenster sind offen und lassen die Nacht herein, die gekommen ist, während wir hier zusammensaßen. Trotzdem ist es stickig und außergewöhnlich heiß für einen Frühsommertag in Connecticut. Abgesehen vom Deckenventilator über uns und dem sanften Rauschen der Wellen am Bernard Beach, ist es still.

Als unsere Kinder klein waren und wir noch im Oyster Shell Inn wohnten, versteckte sich der Beistelltisch unter halb fertigen Puzzles mit Motiven von Leuchttürmen in New England. Heute Abend verschwindet er fast unter einer Häppchenplatte mit Käsewürfeln, die allmählich glänzen und weich werden, ein paar Stängeln, von denen die Trauben gezupft wurden, und ein paar einsamen Crackern. Joseph hatte gesagt, ich solle mir die Mühe sparen – aber Thomas war doch extra aus Manhattan gekommen, und wir hatten ihn seit Weihnachten nicht mehr gesehen. Der seltene Besuch unseres Sohnes lieferte mir einen Vorwand, zu diesem neuen Wein- und Käsegeschäft in der Stadt zu gehen. Es liegt gegenüber von Vic’s Sandwiches, das es schon gab, als unsere Enkel klein waren und Joseph sie mit Dollarscheinen losschickte, damit sie in Wachspapier gewickelte Sandwiches für unser Mittagessen am Strand holten. Joseph hatte versucht, es mir auszureden, aber ich finde mich schon noch zurecht, obwohl ich mich langsamer bewege als früher.

Niemand spricht, alle warten darauf, dass Joseph seine unheilvolle Einleitung fortsetzt, den Grund für diese Familienversammlung.Wir müssen etwas Wichtiges mit euch dreien besprechen.

Violet, das Nesthäkchen der Familie, inzwischen eine erwachsene Frau mit Mann und vier eigenen Kindern, sitzt zwischen ihrem Bruder und ihrer Schwester auf dem abgewetzten Sofa. Ich habe es eigenhändig neu gepolstert, als die Kinder aus dem Haus waren und das Inn geschlossen hatte, obwohl es sich nicht vermeiden ließ, dass unsere Enkel neue Flecken darauf hinterließen und die Polsterung in der Mitte der Kissen mit der Zeit wieder weich wurde.

Unsere Kinder sind hier im Oyster Shell Inn groß geworden. Genauso wie ich, auf eine gewisse Art zumindest. Mein Bruder