: Daniel Wolf
: Die Templer. Rose und Kreuz Historischer Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641313197
: Die Templer-Reihe
: 1
: CHF 18.00
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 896
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Frankreich 1293. Das ganze Land wird von Unruhen erschüttert, selbst der einflussreiche Templerorden muss ums Überleben kämpfen. In diesen gefährlichen Zeiten begibt sich der Knappe Constantin auf eine fast aussichtslose Mission: Für seinen Herrn soll er einen sagenumwobenen Stein finden, dem heilende Kräfte nachgesagt werden. Constantin hofft, sich durch die abenteuerliche Reise als angehender Ritter zu beweisen. Dabei wird er von der temperamentvollen Mélisande begleitet, die sich ihm angeschlossen hat, um einer erzwungenen Ehe zu entfliehen. Constantin ist noch nie einer so eigensinnigen jungen Frau begegnet, gleichzeitig fasziniert ihn ihr Mut. Doch Mut allein wird sie nicht retten, als die beiden dem Templer Gérard begegnen und in einen tödlichen Rachefeldzug verstrickt werden, der den geheimnisvollen Orden bedroht ...

Daniel Wolf ist das Pseudonym von Christoph Lode. Der 1977 geborene Schriftsteller arbeitete zunächst u.a. als Musiklehrer, in einer Chemiefabrik und in einer psychiatrischen Klinik, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit den historischen Romanen um die Händlerfamilie Fleury, »Das Salz der Erde«, »Das Licht der Welt«, »Das Gold des Meeres« und »Die Gabe des Himmels«, gelang ihm ebenso der Sprung auf die Bestsellerlisten wie mit den zwei Bänden der Friesensaga »Im Zeichen des Löwen« und »Im Bann des Adlers«. Der Autor lebt in Speyer. Weitere Titel von Daniel Wolf sind bei Goldmann in Vorbereitung.

Prolog


Akkon im Königreich Jerusalem


Anno Domini 1291

Ich muss in den Höllenschlund hinuntersteigen, dachte der Tempelritter schlaftrunken.Einmal mehr hinab in den schwarzen Abgrund. Er sah es im Antlitz des anderen, der ihn weckte. In dessen sorgenvollen Augen.

Der Tempelritter erwachte tief erschöpft. Seit fünf Wochen kämpften sie auf den Mauern Akkons. Jeden Tag, jede Nacht. Er rieb sich das Gesicht, blinzelte. Er war dort eingeschlafen, wo er sich am Morgen beim Wachwechsel hingesetzt hatte, in einem staubigen Gewölbekeller. Er stank nach Schweiß und Blut.

Gérard, dachte er.Ich heiße Gérard. Bei Gott! Nun hatte er schon Mühe, sich an seinen Namen zu erinnern. Zusehends vergaß er, dass er eine beseelte Person war, ein menschliches Wesen, und nicht bloß ein Krieger Gottes, bestehend aus ausgelaugtem Fleisch, an dem ein Schwertarm hing.

Und der andere – der hieß Musa. Ein Turkopole in seinen Diensten. Ein arabischer Christ, ein Meister mit dem Bogen. Ein Freund.

»Man braucht uns«, sagte Musa, dessen Stimme noch immer kraftvoll klang, trotz allem. Der fünfzehn Jahre jüngere Musa widerstand den Strapazen besser als Gérard, der neununddreißig Winter hinter sich hatte. Gerade fühlte er sich, als wären es achtzig.

Er war kein schlanker Mann. Es kostete ihn einen kleinen Kraftakt, seinen fassförmigen Leib hochzustemmen. Schwankend stand er auf den schmerzenden Beinen. Musa reichte ihm etwas Brot und Wasser. Nachdem Gérard sich gestärkt hatte, weckte er den Sergeanten, der ihm unterstand. Den letzten von einstmals vieren. Die Männer traten hinaus in den windigen Abend. Musa hatte bereits die Pferde gesattelt. Sie stiegen auf und stellten sich einmal mehr der Aufgabe, die Gott ihnen auferlegt hatte. Der schwersten Prüfung der Kreuzfahrerstaaten seit ihrem Bestehen.

Der letzten Prüfung. Gérard schob den Gedanken weg.

Sie ritten durch Montmusard, ein Wohnviertel, das die Mannen des Templerordens verteidigten. Enge Gassen schlangen sich um Häuser, Kirchen und Kornspeicher. Alles war voller Soldaten, die Schutt wegräumten und Verletzte bargen.

Am Antoniustor wurden sie aufgehalten, als ihnen mehrere Kriegsleute in roten Mänteln den Weg versperrten.

»Habt ihr euch verlaufen?«, rief einer barsch. »Bleibt in eurem Abschnitt. Dieser gehört dem Hospital.«

Die größte Idiotie in dieser an Torheiten nicht armen Stadt war das Phänomen, dass die verschiedenen Fraktionen – die Templer, die Johanniter, der König – verbissen ihre schwindenden Privilegien gegen die anderen verteidigten. Selbst jetzt, im Angesicht der Vernichtung, konnten sie nicht vom Zwist lassen. Gérard unterdrückte seine aufflammende Wut.

»Christus zum Gruß«, sprach er die Johanniter betont höflich an. »Der König braucht uns im Osten. Wir haben eine Sondererlaubnis des Kriegsrats, dass wir euren Abschnitt passieren dürfen.«

»Ihr wollt zum Verfluchten Turm? Seid ihr Frettchen?«

»Ich ziehe eine andere Bezeichnung vor, aber ja, das ist unsere Aufgabe.«

Der Johanniter wurde augenblicklich freundlicher. »Sag das doch gleich. Gott sei mit dir, Bruder.«

Bruder. Es war lange her, dass ein Ritter eines anderen Ordens ihn so genannt hatte. Man hielt sie für Todgeweihte. Gérard kniff die Lippen zusammen und trieb das Pferd an.