: Javier Castillo
: Das Spiel der Seelen - Keiner kann entkommen Thriller
: Goldmann Verlag
: 9783641322366
: Das Mädchen im Schnee
: 1
: CHF 8.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 464
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der neue Nr. 1-Bestseller von Spaniens Superstar Javier Castillo – endlich auf Deutsch!

New York 2011. Zunächst war es nur ein Vermisstenfall. Dann findet man die fünfzehnjährige Allison in einer Kirche – tot an einem Kreuz. Zeitgleich erhält die Journalistin Miren Triggs das Polaroidfoto eines gefesselten und geknebelten Mädchens.Gina Pebbles, 2002,steht darunter. Schnell findet Miren heraus, dass Gina seit zehn Jahren vermisst wird. Gemeinsam mit ihrem ehemaligen Professor Jim Schmoer geht sie beiden Fällen nach und findet eine Spur, die zu einer streng religiösen Schule führt. Doch was ist mit dem Mädchen auf dem Foto passiert? Wer hat Miren das Bild geschickt? Und wie hängen die beiden Fälle zusammen?

Der zweite Fall für Investigativjournalistin Miren Triggs – atemberaubende Spannung vom »spanischen Stephen King« (ABC)

»Javier Castillo ist ohne Zweifel das große neue Phänomen in der europäischen Literatur.« Joël Dicker

»Der Meister des spanischen Thrillers, der alle Rekorde bricht.« Forbes

»Fesselt den Leser vom ersten Satz an.« El País

Javier Castillo, geboren in Málaga, hat Wirtschaft und Management studiert. Seine Romane stehen regelmäßig an der Spitze der spanischen Bestsellerliste. Mit der Trilogie »Das Mädchen im Schnee«, die von Netflix verfilmt wurde, gelang ihm der internationale Durchbruch.

Kapitel 2


Fort Tilden

23. April 2011

Drei Tage zuvor

Ben Miller

Lauf, Schwester,

bevor die Monster kommen,

die man uns versprochen hat.

Agent Benjamin Miller stellte seinen Wagen, einen grauen Pontiac mit New Yorker Kennzeichen, auf einem mit Gestrüpp und wilder Vegetation gesäumten Weg auf dem Gelände von Fort Tilden ab, genau gegenüber von drei Streifenwagen mit eingeschalteten Scheinwerfern.

Der Anruf war am Abend eingegangen. Er wollte gerade das Hähnchen essen, das seine Frau zubereitet hatte. Lisa hatte besorgt aufgeschaut, als Ben seine Gabel auf den Teller fallen ließ und zum Handy griff. Beim Blick in sein ernstes Gesicht folgte der Sorge Bedauern, weil sie wusste, was solche Anrufe bedeuteten.

»Glaubt ihr, es ist Allison?«, hatte Miller gefragt, und kurz darauf hinzugefügt: »Verstehe. Wo? Fort Tilden?«

»Musst du jetzt noch los?«, hatte Lisa gefragt, als er hastig aufstand, obwohl sie die Antwort schon kannte.

Es störte sie, dass Bens Arbeit in ihrem Leben so viel Raum einnahm, dass sie einen Großteil seiner Gedanken beanspruchte. Aber sie lebten inzwischen schon so viele Jahre mit der Hoffnungslosigkeit wegen der vielen Vermisstenfälle, dass sie am Tisch sitzen geblieben war und einen Schluck Wasser getrunken hatte, während sie, wenn schon nicht eine Antwort, wenigstens eine Erklärung für den Grund seines überstürzten Aufbruchs erwartete.

»Es scheint ernst zu sein, Lisa«, hatte er gesagt. »Erinnerst du dich an Allison Hernández?«

»Das elfjährige Mädchen aus New Jersey?«

»Nein … aus Queens. Fünfzehn, langes dunkles Haar.«

»Ach ja. Das war doch erst letzte Woche, oder? Hat man sie gefunden?«

»Sie glauben, ja.«

»Tot?«, hatte Lisa mit neutraler Stimme gefragt.

Ben hatte nur wortlos seine Tasche geholt, sein graues Jackett von der Garderobe genommen und sich dann verabschiedet. Ein kleiner Prozentsatz seiner Fälle endete so: mit einem Anruf bei der Vermisstenstelle von Jugendlichen oder Wanderern, die im Flussbett des Hudson eine Leiche entdeckt hatten, die seit Tagen darin trieb, oder, wie vor Kurzem, zerteilt in einem Koffer lag. In diesem Fall hatten die Kollegen von der Spurensicherung nicht nur die Geschehnisse rekonstruieren müssen, sondern auch den Körper.

»Morgen ist …«, hatte Lisa ihn erinnert.

»Ich weiß. Ich werde rechtzeitig zu Hause sein«, hatte er traurig geantwortet.

Es war ein langer Weg von Grymes Hill auf Staten Island, wo er in einem weiß gestrichenen Holzhaus mit blauen Fensterläden und wunderschönem Garten wohnte, auch wenn der Zaun etwas hinfällig war. Um nach Fort Tilden zu gelangen, hatte er inmitten einer endlosen Flut aus roten Lichtern die Verrazano-Narrows-Bridge Richtung Brooklyn überqueren müssen, wobei er an Allisons Eltern dachte und überlegte, wie er ihnen die Nachricht überbringen sollte. In Brooklyn nahm er die Küstenstraße, den schnellsten Weg zur Halbinsel Rockaway. Als er die Brücke dorthin überquerte, fiel ihm auf, dass der Verkehr sichtlich abgenommen hatte und er durch eine Gegend fuhr, die weit entfernt war von der Hektik und dem Stress der City. Die Leere, die Weite und der Plat