: Alice Kellen
: The Map of Longing Roman - Der neue emotionsgeladene New-Adult-Roman der TikTok-Sensation!
: Heyne Verlag
: 9783641305086
: 1
: CHF 8.90
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: German
: 528
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein attraktiver Fremder. Ein Spiel voller Emotionen. Eine Liebe, die alles verändert.

Grace wurde nur aus einem Grund geboren: Sie sollte ihre schwerkranke Schwester Lucy retten. Als Lucy trotz aller Bemühungen stirbt, sieht Grace keinen Sinn mehr in ihrem Leben. Bis sie eines Tages die »Karte der Sehnsüchte« entdeckt – ein Spiel mit Aufgaben, das Lucy sich vor ihrem Tod ausgedacht hat. Den Anweisungen folgend sucht Grace einen Fremden namens Will auf. Sofort fühlt sie eine tiefe Verbundenheit zu dem geheimnisvollen Mann. Gemeinsam folgen sie der Karte und begeben sich auf eine Reise voller Möglichkeiten und vergessener Träume, aber auch voller Schmerz. Wie kannst du vorankommen, wenn die Vergangenheit dich immer wieder zurückhält? Grace glaubt, die Antwort zu kennen: durch Liebe. Doch um Will lieben zu können, muss sie erst sich selbst akzeptieren. Und das ist die schwierigste Aufgabe von allen.

Alice Kellen ist eine internationale Bestsellerautorin. Sie schreibt Geschichten über universelle, übergreifende Themen wie Liebe, Freundschaft, Unsicherheiten, Verlust und der Sehnsucht nach einer besseren Zukunft. Mit ihrer Familie lebt sie in Valencia.

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Ich heiße Grace


Manchmal lege ich mich ins Bett, schließe die Augen und stelle mir den Beginn meines Lebens vor. Ich sehe ein Spermium, das schneller ist als die anderen und sich zügig bewegt, bis es die Eileiter erreicht. Es schlängelt sich durch und schafft es, die von allen ersehnte Eizelle zu erobern, indem es die Plasmamembran durchbricht. Und dann, nach der Befruchtung, trete ich in Erscheinung. Ich habe noch keine Augen, keinen Mund und keine Gliedmaßen, aber ich existiere.

Eine Existenz zu einem bestimmten Zweck.

Die meisten Menschen, die ich kenne, fragen sich regelmäßig, warum sie auf die Welt gekommen sind, was ihr Ziel ist oder ob ihr Leben einen Sinn hat. Darauf weiß ich keine Antwort, aber mein Schicksal stand von Anfang an fest, so wie das Gras wächst, um das Vieh zu ernähren, oder so wie die Bienen alles eifrig bestäuben. Daher habe ich als Kind, wenn ich in der Schule aufgefordert wurde, aufzustehen und mich vorzustellen oder einen Aufsatz über meine Familie zu schreiben, immer mit folgendem Satz angefangen:

Mein Name ist Grace Peterson, und ich wurde geboren, um meine Schwester zu retten.

Großvater sagt immer, dass ich mit einem Superhelden-Umhang auf die Welt gekommen bin. Einem lilafarbenen Umhang natürlich. Einem wehenden Umhang über den Schultern, der für andere unsichtbar ist, auch für die Hebamme, die bei meiner Geburt dabei war. Wahrscheinlich waren alle, obwohl ich heftig geweint habe, nur hinter einer Sache her: der kostbaren Nabelschnur mit dem Blut, dessen Stammzellen sie auf Lucy übertragen konnten, um die myeloische Leukämie zu bekämpfen, die sie bei ihr im Alter von anderthalb Jahren diagnostiziert hatten.

Während ich aufgewachsen bin, habe ich nicht oft darüber nachgedacht, aber ich glaube, dass uns das besonders eng miteinander verbunden hat, auch wenn wir nicht unterschiedlicher hätten sein können. Meine Schwester war sanft, und alle sagten, ihr Lächeln sei aufrichtig und ansteckend gewesen; die Ärzte bewunderten sie, meine Mutter nannte sie ihrenSonnenschein, und wenn ihr Gesundheitszustand es ihr erlaubte, zur Schule zu gehen, waren alle Mitschüler ganz versessen auf sie. »Du leuchtest, Lucy«, hat Dad ihr versichert, »du bist wie ein funkelnder Stern.«

Und wer möchte nicht mit den Sternen, dem Mond oder anderen Gestirnen, Sternbildern oder faszinierenden, unendlichen Galaxien verglichen werden?

Das hätte ich mir auch gewünscht.

Ich, die immer wie ein schwarzes Loch war: Niemand versteht mich so richtig, auch wenn das, was ich sage, in der Theorie absolut Sinn ergibt, und ich bin sogar für mich selbst ein Rätsel mit meinem Gravitationsfeld, das verhindert, dass mir auch nur der kleinste Partikel entrinnt.

Anders als Lucy mit ihrem Leuchten muss ich mich daher ständig um ein Lächeln bemühen. »Es ist, als ob meine Lippen aus harter Pappe wären«, habe ich mal meinem Großvater anvertraut. Woraufhin er, nachdem er mich gut zugedeckt hatte, geantwortet hat: »Weißt du, dass Pappe weicher wird, wenn man ein wenig Wasser dazugibt? Probier es mal aus und schau, was passiert, Grace.« Ich schäme mich, zuzugeben, dass ich mich nie besonders angestrengt habe. Aber ich habe meine Gründe: Die Erde ist ein feindlicher