Intro:
THE LONG AND WINDING ROAD
Sie kommen aus der ganzen Welt. Sie fahren in Scharen mit dem angenehm altmodischen Fahrstuhl von der U-Bahn-Station St John’s Wood nach oben. Dann fragen sie Ortsansässige nach dem Weg. Diese Anwohner haben die Wegbeschreibungen so oft erklärt, dass sie ohne eine Augenbewegung mit dem Finger in die exakte Richtung deuten. Die Pilger in hautengen Jeans – sie kommen aus Murmansk, Manchester oder Mobile, Alabama – gehen um die Ecke der Grove End Road und finden es schwer, ein Lächeln wie an einem Weihnachtsmorgen zu unterdrücken. Sie stehen nun selbst in einem bekannten Bild, von dem sie wissen, seit sie denken können. Dann betrachten sie diese ganz spezielle Straße von oben bis unten und starren träumerisch auf einen ganz besonderen Zebrastreifen.
London hat viele Straßenübergänge – bei Einwohnern als „Zebras“ bekannt – doch dieser hebt sich von allen ab. Es ist der einzige Zebrastreifen des ganzen Landes, der als „Ort von außergewöhnlichem, historischem Interesse“ gelistet ist. So klassifiziert, darf er keine 20 Zentimeter in die eine oder andere Richtung verschoben werden, ohne vorhergehende Diskussionen auf höchsten Ebenen und aller Wahrscheinlichkeit nach einer Beratschlagung im House of Commons. Es ist zudem der einzige Zebrastreifen, an dem die Leute Schlange stehen, um ihn zu überqueren. Sie hoffen darauf, dass sie und ihre Begleiter wie durch Magie allein zu sehen sind und von der Kamera eingefangen werden, genau so wie es bei den vier Jungs vor all den Jahren der Fall war. Der Straßenübergang ist einer der wenigen relevanten Anlaufpunkte von historischem Interesse, die kostenlos sind – ein Ärgernis für die unternehmerischen „Erbsenzähler“, die nach jedem nur erdenklichen Weg suchen, um aus der Musikgeschichte Londons Kapital zu schlagen.
London mangelt es sicher nicht an historischen Sehenswürdigkeiten. Einwohner der Stadt sind es gewohnt, langsame Prozessionen von Erwachsenen zu sehen, die durch die bedrohlich wirkenden Eingänge des Tower of London während organisierter Führungen getrieben oder unterhalb des freundlicheren Säulengangs der National Gallery entlang geschleust werden. Der Unterschied zu diesem Ort kulturellen und geschichtlichen Interesses ist die Tatsache, dass junge Menschen aufgrund ihres eigenen Antriebs und Willens zur Abbey Road gekommen sind, zu zweit oder zu dritt. Da sich zudem keine Hinweise oder deutlich erkennbare Gedenktafeln finden lassen, um exakt zu beschreiben, was sie suchen, müssen sie sich selbst bemüht haben. Kein Stadtführer hat sie hierher geleitet, und auch kein Lehrer hat ihnen diesen bestimmten Ort ans Herz gelegt. Sie kommen, weil sie es wollen und erwarten nicht mehr zu sehen, als das, was sich ihnen zeigt, wenn sie um die Ecke von der Grove End Road schlendern. Auch das Gebäude selbst hebt sich nicht besonders ab. Es ist eine viktorianische Familienvilla, über die Jahre ständig umgebaut, um die verschiedenen geschäftlichen Tätigkeiten zu ermöglichen, die sich hinter der Fassade abspielen. Die beiden schmiedeeisernen Tore, die den kleinen Parkplatz von der Straße aus abgrenzen, sind massiv genug, um jeden zu entmutigen, einfach darüber zu springen, um sich alles aus der Nähe anzuschauen. Falls jemand weiter vordringen wollte, würde er von Warnschildern begrüßt, die unmissverständlich darauf hinweisen, dass Fotografie in jeder Form innerhalb der Räumlichkeiten nicht gestattet ist. Im Keller des daneben liegenden Gebäudes – in dem einige der nicht zu unterschätzenden Büros untergebracht sind – befindet sich ein Souvenirladen, in dem Touristen T-Shirts einkaufen können, Kaffeebecher oder ein ledernes Etui für die Reisekarten mit der Aufschrift „Ticket To Ride“. Zahlreiche jüngere Besucher verspüren das Bedürfnis, eine herzlich gemeinte Botschaft an der unteren