: Hans-Jürgen Stöhr
: Spiritualität Digitalisierung Digitalität Lebenswelten unserer Zeit Teil 2
: Books on Demand
: 9783758346958
: 1
: CHF 8.80
:
: Philosophie
: German
: 324
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im zweiten Teil wendet sich der Autor den Wachstumskräften und Werten neuzeitlichen Lebens zu. Spiritualität, Digitalität und Humanität werden ins Zentrum der philosophisch-ethischen Betrachtung gestellt. Für die Lesenden eröffnet sich die Welt des Wechselspiels spiritueller Digitalität und digitaler Spiritualität. Wechselwirkungen, gegenseitige Einflussnahmen, Gegensätzlichkeiten und Grenzräume tun sich auf. Im Zuge der Digitalisierung des gesellschaftlichen Lebens stellt sich die Frage nach dem Erfordernis eines ethischen Navigators, um einer ungezügelten KI-Entwicklung Grenzen setzen zu können. Braucht der Mensch das Spirituelle als Regulativ und Korrektiv, um einer wachsenden Übermacht des Digitalen entgegentreten zu können? Welches Instrument philosophischer Intervention erscheint tragfähig? Der geführte Diskurs über den spirituellen und digitalen Humanismus wird vom Buchautor als wertvoll und zugleich kritisch angesehen. Der Zusammenfluss von Spiritualität und Digitalität fordert den Menschen auf, sich dem spirituellen und digitalen Humanismus zuzuwenden und beide zum resonanten Humanismus zusammenzuführen.

Hans-Jürgen Stöhr, Jg. 1949, lebt in Mecklenburg-Vorpommern. Er studierte 1968 - 1975 Philosophie und Biologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, diplomierte, wurde promoviert und habilitierte 1980 an der Universität Rostock. Bis 1991 war er an dieser Universität tätig, lehrte im mathematisch-naturwissenschaf lichen Bereich das Fach Philosophie und leitete eine Forschungsgruppe sowie den interdisziplinären Arbeitskreis"Philosophie und Wissenschaften" an der Universität. 1992 verließ Hans-Jürgen Stöhr als Hochschuldozent die Universität und nahm 1993 eine freiberufliche Tätigkeit am Institut für ökosoziales Management mit den Schwerpunkten, Management, Kommunikation und Ethik auf. 2012 gründete der Philosoph in Rostock eine Philosophische Praxis. Sie hatte das Ziel, das Philosophieren aus dem Universitären auf die"Straße" für jene zu holen, die Lust und Freude am Philosophieren haben, jedoch keine Philosophen von Profession sind. Zur Philosophischen Praxis gehören heute neben der Beratung verschiedene öffentlich zugängliche Veranstaltungungsformate. Die Vorbereitung und Durchführung der Rostocker Philosophischen Tage seit 2016 bilden dabei einen Schwerpunkt seiner außeruniversitären philosophischen Tätigkeit. Hans-Jürgen Stöhr publizierte während der Zeit seiner Philosophischen Praxis Bücher zu Themen über das Scheitern, Begegnungen, Alter(n) und Zeit. Er ist Vater von drei Söhnen.

Spirit ∙ Das andere Seinsbewusstsein


Was wäre unser Bewusstsein ohne seinen fluiden Charakter. Es zeigt sich in seiner Unbestimmtheit; es trägt das gewisse Ungewisse in sich. Das macht sein Wesen, seine Substanz aus. Das Bewusstsein ist in seinem Entstehen und Funktionieren bis heute ein Geheimnis, trotz Vielem an Wissen, was die Neurowissenschaften zutage gefördert haben und was es an Gefühlen, Empfindungen und Wahrnehmungen, Erkenntnissen und Theorien etc. zu fabrizieren vermag.

Wir wollen die Eigenartigkeit des Bewusstseins wissenschaftlich dingfest machen und erfahren immer wieder bei jedem neuerlichen Versuch, wie es uns in unserem Denken zerrinnt.

Der Mensch hat sich das Ziel gesetzt, mittels Digitalisierung dem natürlichen WunderBewusstsein auf die Spur zu kommen und von ihm zu lernen, wie es im Sinne eines künstlichen Bewusstseins – sprich: Künstlichen Intelligenz – nutzbar gemacht werden kann. Das Bewusstsein des Menschen zu beherrschen und gestaltend einzugreifen ist ein Traum, dessen Verwirklichung schon über Jahrhunderte alt ist.

Es ist schwierig, unser Bewusstsein zu bemühen, über das Bewusstsein selbst und seine Funktionen nachzudenken. Vielleicht überfordern wir uns mit unseren auf der Metaebene angesiedelten wissenschaftlichen Gedankengängen. Vielleicht sollten wir, was uns in und an unserem Bewusstsein schwer erfassbar und unerklärlich erscheint, auf sich beruhen lassen. Stattdessen sind die Bemühungen ungebrochen, dem menschlichen Gehirn ein neuronal-digitales Antlitz zu geben und dessen Geheimnisse für einen neuerlichen Qualitätssprung in der Digitalisierung unserer Lebenswelt abzuringen.

Der Mensch wird sich von seiner wissenschaftlichen Neugier nicht abbringen lassen. Er folgt seinem inneren Abenteuer- und Entdecker-, Wissens- und Anwendertrieb. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn der systemische Blick für mögliche (nachhaltige) Konsequenzen nicht verloren geht und die wissenschaftliche Freiheit nicht nur im Rahmen des Machbaren, sondern gleichermaßen im Sinnvollen und Verantwortbaren bleibt.

Der Mensch schickt sich an, mit seinem natürlichen, analogen Bewusstsein ein digitales zu kreieren. Doch viel älter und mit dem Bewusstsein des Menschen, sowohl in seiner Stammes- wie Individualgeschichte eingebunden, ist ein Bewusstsein, das sich außerhalb jeglicher Kognition zu bewegen scheint. Es ist die Kraft des Bewusstseins, die wir eher jenseits bewussten Seins verorten und dennoch gehört es zu unserem Seinsbewusstsein. Es geht darum, einen Zugang zu dem zu finden, was wir nicht immer verstehen und sich vielfach fernab unserer kognitiven Zugangsmöglichkeiten bewegt. Wir gelangen an die Grenzen unseres Seinsbewusstseins. Überschreiten wir sie, sind wir in der Welt des Spirituellen. Wir sprechen im Alltägli