EINLEITUNG
Einladung zu einer außergewöhnlichen Begegnung
Stein des Anstoßes. Die Idee, Spiritualität und Digitalisierung2 in einem wechselwirkenden Zusammenhang zu beschreiben, scheint absurd und wenig nachvollziehbar zu sein. Bei einer ersten Betrachtung könnten beide kaum unterschiedlicher sein. Der Versuch, zwischen ihnen eine einträgliche Verbindung zu erkennen oder gar eine Wechselwirkung auszumachen, lässt ihn eher zu einem rein gedanklich herbeigeführten Konstrukt werden.
Ein derartiges Urteil, zwischen Spiritualität und Digitalisierung ließe sich nur Sinnloses, Unüberbrückbares ausmachen, kann angesichts der Tatsache, dass sich vieles mit vielem in einer wechselseitigen Bestimmtheit und Bedingtheit befindet, und beide Realitäten zu unserer unmittelbaren, erfahrbaren Lebenswelt gehören, nicht unkritisch hingenommen werden.
Das Philosophieren käme leichtfüßig daher, wenn es diese Lebenswirklichkeiten unberührt ließe und die These nicht aufnehmen würde: Zwischen Spiritualität und Digitalisierung besteht Verbindendes und Wirkendes. Durch sie werden Kräfte frei gesetzt, die unser Leben maßgeblich beeinflussen.
Jedes der beiden Phänomene spiegelt sich vielfach in den Publikationen wider. Philosophische Betrachtungen sind mit eingeschlossen. Der Diskurs hat erst seinen Anfang.
Seit einigen Jahren sind insbesondere seit der Corona-Pandemie Spirituelles und Digitales näher zusammengerückt. Die Begegnung zwischen ihnen zeigt sich darin, dass mit Nutzung von digitaler Technik die Vermittlung von spirituellen und religiösen Botschaften stärker als je zuvor auf virtuellem bzw. digitalisiertem Weg erfolgt. Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung derartiger spiritueller Botschaften beschleunigt und manifestiert. Das führte zur Erweiterung und Vertiefung unserer digitalen Lebenswelt. Die Pandemie wirkte wie Hefe in einem aufgehenden Teig. Sie wurde zu einem zusätzlichen Anschub, zur ergänzenden treibenden Kraft für die digitale Weltennutzung.
Da die Spiritualität schonvor der Digitalisierung die Lebenswelt des Menschen eroberte, ist davon auszugehen, dass sie mit der gesellschaftlichen Entwicklung selbst eine Transformation durchlief.
Interessant wird der Blick darauf, wenn nach dem Einfluss des Spirituellen auf das Digitale gefragt wird. In diese Richtung gedacht, liegt der wissenschaftlich-philosophische Diskurs noch brach. Es reicht in die Welt des Zukünftigen hinein, die uns dazu auffordert, Spirituelles und Digitales neu in einem zusammengefügten Kontext zu denken.
Fragen drängen sich auf: Was bedeutet es, wenn die Grenze zwischen Mensch und Technik immer mehr miteinander verschmelzen? Wo führt es hin, wenn humanoide Roboter nicht nur zu denken anfangen, das Lernen lernen und in der Lage sind, nicht nur Gefühle zu äußern, sondern eine eigene spirituelle Daseinsweise hervorbringen? Die Technik 4.0, die das Zusammenwachsen von Mensch und Technik offenlegt, ist nur der Anfang einer weiter fortschreitenden Angleichung zwischen ihnen.
Wir sind gut beraten, diese Fragen bei aller wissenschaftlichen und philosophisch-ethischen Betrachtung nicht zu vergessen. Dabei geht es keineswegs darum, Spiritualität und Digitalisierung nebeneinander zu verorten und für sich zu beschreiben, was als Voraussetzung für eine Betrachtung wechselwirkender Zusammenhänge gilt. Vielmehr geht es darum, ein