: Hans-Jürgen Stöhr
: Spiritualität Digitalisierung Digitalität Lebenswelten unserer Zeit Lebenswelten unserer Zeit Teil 1
: Books on Demand
: 9783758346972
: 1
: CHF 6.10
:
: Philosophie
: German
: 252
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Was passiert, wenn sich Spirituelles und Digitales begegnen, die auf den ersten Blick eher miteinander fremdeln? Beide haben ihre eigene Quelle und Geschichte. Zwischen ihnen liegen ca. 70.000 Jahre. Vor knapp einhundert Jahren hat nun auch das Digitale die Bühne der Moderne betreten. Mit dem 21. Jahrhundert wurde aus dem Neben- ein Miteinander von Spirituellem und Digitalem. Spirituelle Digitalität und digitale Spiri-tualität gewinnen neue Lebensräume. Sie stehen für eine Kultur und erweisen sich als treibende Kräfte des gesellschaftlichen Lebens. Wie wurde ein derartiges Zusammengehen möglich? Was bedeutet das Aufeinandertreffen von Spiritualität und Digitalität für Mensch, Technik und Gesellschaft? Welche neuerlichen Kräfte werden freige-setzt? Die zentrale These des Buches ist: Spirituelles und Digitales sind für den Menschen essenziell. Die Entwicklung der Künstlichen Intelli-genz bedarf des Gebotes einer bewusst zu gestaltenden Kultur des Spirituellen. Das sozialkritische und zugleich mutmachende Buch beschreibt im ersten Teil den Weltenwandel, erzählt die Erfolgsgeschichte erwa-chenden Denkens und beschreibt die Qualitäten und Entwicklungen des Bewusstsein und der Intelligenz des Menschen. Es wird die Technikentwicklung in der Geschichte der Gesellschaft bis zur Digi-talisierung nachgezeichnet.

Hans-Jürgen Stöhr, Jg. 1949, lebt in Mecklenburg-Vorpommern. Er studierte 1968 - 1975 Philosophie und Biologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, diplomierte, wurde promoviert und habilitierte 1980 an der Universität Rostock. Bis 1991 war er an dieser Universität tätig, lehrte im mathematisch-naturwissenschaf lichen Bereich das Fach Philosophie und leitete eine Forschungsgruppe sowie den interdisziplinären Arbeitskreis"Philosophie und Wissenschaften" an der Universität. 1992 verließ Hans-Jürgen Stöhr als Hochschuldozent die Universität und nahm 1993 eine freiberufliche Tätigkeit am Institut für ökosoziales Management mit den Schwerpunkten, Management, Kommunikation und Ethik auf. 2012 gründete der Philosoph in Rostock eine Philosophische Praxis. Sie hatte das Ziel, das Philosophieren aus dem Universitären auf die"Straße" für jene zu holen, die Lust und Freude am Philosophieren haben, jedoch keine Philosophen von Profession sind. Zur Philosophischen Praxis gehören heute neben der Beratung verschiedene öffentlich zugängliche Veranstaltungungsformate. Die Vorbereitung und Durchführung der Rostocker Philosophischen Tage seit 2016 bilden dabei einen Schwerpunkt seiner außeruniversitären philosophischen Tätigkeit. Hans-Jürgen Stöhr publizierte während der Zeit seiner Philosophischen Praxis Bücher zu Themen über das Scheitern, Begegnungen, Alter(n) und Zeit. Er ist Vater von drei Söhnen.

EINLEITUNG


Einladung zu einer außergewöhnlichen Begegnung


Stein des Anstoßes. Die Idee, Spiritualität und Digitalisierung2 in einem wechselwirkenden Zusammenhang zu beschreiben, scheint absurd und wenig nachvollziehbar zu sein. Bei einer ersten Betrachtung könnten beide kaum unterschiedlicher sein. Der Versuch, zwischen ihnen eine einträgliche Verbindung zu erkennen oder gar eine Wechselwirkung auszumachen, lässt ihn eher zu einem rein gedanklich herbeigeführten Konstrukt werden.

Ein derartiges Urteil, zwischen Spiritualität und Digitalisierung ließe sich nur Sinnloses, Unüberbrückbares ausmachen, kann angesichts der Tatsache, dass sich vieles mit vielem in einer wechselseitigen Bestimmtheit und Bedingtheit befindet, und beide Realitäten zu unserer unmittelbaren, erfahrbaren Lebenswelt gehören, nicht unkritisch hingenommen werden.

Das Philosophieren käme leichtfüßig daher, wenn es diese Lebenswirklichkeiten unberührt ließe und die These nicht aufnehmen würde: Zwischen Spiritualität und Digitalisierung besteht Verbindendes und Wirkendes. Durch sie werden Kräfte frei gesetzt, die unser Leben maßgeblich beeinflussen.

Jedes der beiden Phänomene spiegelt sich vielfach in den Publikationen wider. Philosophische Betrachtungen sind mit eingeschlossen. Der Diskurs hat erst seinen Anfang.

Seit einigen Jahren sind insbesondere seit der Corona-Pandemie Spirituelles und Digitales näher zusammengerückt. Die Begegnung zwischen ihnen zeigt sich darin, dass mit Nutzung von digitaler Technik die Vermittlung von spirituellen und religiösen Botschaften stärker als je zuvor auf virtuellem bzw. digitalisiertem Weg erfolgt. Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung derartiger spiritueller Botschaften beschleunigt und manifestiert. Das führte zur Erweiterung und Vertiefung unserer digitalen Lebenswelt. Die Pandemie wirkte wie Hefe in einem aufgehenden Teig. Sie wurde zu einem zusätzlichen Anschub, zur ergänzenden treibenden Kraft für die digitale Weltennutzung.

Da die Spiritualität schonvor der Digitalisierung die Lebenswelt des Menschen eroberte, ist davon auszugehen, dass sie mit der gesellschaftlichen Entwicklung selbst eine Transformation durchlief.

Interessant wird der Blick darauf, wenn nach dem Einfluss des Spirituellen auf das Digitale gefragt wird. In diese Richtung gedacht, liegt der wissenschaftlich-philosophische Diskurs noch brach. Es reicht in die Welt des Zukünftigen hinein, die uns dazu auffordert, Spirituelles und Digitales neu in einem zusammengefügten Kontext zu denken.

Fragen drängen sich auf: Was bedeutet es, wenn die Grenze zwischen Mensch und Technik immer mehr miteinander verschmelzen? Wo führt es hin, wenn humanoide Roboter nicht nur zu denken anfangen, das Lernen lernen und in der Lage sind, nicht nur Gefühle zu äußern, sondern eine eigene spirituelle Daseinsweise hervorbringen? Die Technik 4.0, die das Zusammenwachsen von Mensch und Technik offenlegt, ist nur der Anfang einer weiter fortschreitenden Angleichung zwischen ihnen.

Wir sind gut beraten, diese Fragen bei aller wissenschaftlichen und philosophisch-ethischen Betrachtung nicht zu vergessen. Dabei geht es keineswegs darum, Spiritualität und Digitalisierung nebeneinander zu verorten und für sich zu beschreiben, was als Voraussetzung für eine Betrachtung wechselwirkender Zusammenhänge gilt. Vielmehr geht es darum, ein