: Regina Ramstetter, Edi Graf, Veronika Wieland, Kurt Lehmkuhl, Jürgen Ehlers, Ina May, Tatjana Böhme-
: Lutz Kreutzer
: Jeder Schuss ein Treffer Fußballkrimis
: Gmeiner-Verlag
: 9783839279724
: Kriminalromane im GMEINER-Verlag
: 1
: CHF 8.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 207
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Zehn Kriminalgeschichten zu den Spielorten der Fußball-EM 2024 von bekannten Autoren: Als für einen Berliner Oberligisten alles aus dem Ruder läuft. Wie ein Taschendieb in Düsseldorf böse Überraschungen erlebt. Warum ein Fan das Waldstadion nie verlassen hat. Wie in München ein Held geboren wird. Als ein Polizist nackt eine Einbrecherin durch Köln verfolgt. Wie ein Giftmord in Stuttgart zum Eigentor wird. Warum in Dortmund ein Halbfinale vergeigt wird. Wie drei Schalker Juden das Endspiel 1941 zur Flucht nutzen wollen. Tod in den Untiefen des Leipziger Stadions. Weshalb ein Unentschieden in Hamburg gute Seiten hat.

Lutz Kreutzer wurde 1959 in Stolberg geboren. Er schreibt Thriller, Krimis, Sachbücher und gibt Kurzgeschichtenbände heraus. Auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig sowie auf Kongressen coacht er Autoren. Am Forschungsministerium in Wien hat der promovierte Naturwissenschaftler ein Büro für Öffentlichkeitsarbeit gegründet. Er war lange als Manager in der IT- und Hightech-Industrie tätig. Über seine Arbeit wurden im Hörfunk und TV zahlreiche Beiträge gesendet. Er wurde mit mehreren Stipendien gefördert. In Aachen hat er neben dem Tivoli gewohnt, in Wien in der Nähe des Rapid-Stadions, danach lebte er in der Fußballhauptstadt München, bevor er sich gegenüber der Fußballarena Salzburg niedergelassen hat. Mehr unter: www.lutzkreutzer.de

Ausgleich in der Nachspielzeit


von Jürgen Ehlers


Hamburg

Professor Schulz saß an seinem Schreibtisch und überlegte. Vielleicht hatte er einen Fehler gemacht. Zugegeben, dieser Prüfling war ihm zutiefst unsympathisch, und er war durchaus zufrieden damit, dass er die Prüfung nicht bestanden hatte. Andererseits hat ein Prüfer jederzeit die Möglichkeit, das mündliche Examen in die eine oder in die andere Richtung zu lenken, und von dieser Möglichkeit hatte er Gebrauch gemacht.

Es war bekannt, dass Schulz bei seinen Prüfungen durchaus einige Fragen einbaute, bei denen es nicht so sehr darauf ankam, sachlich richtige Antworten zu geben, sondern vielmehr darum, dass der Prüfling zeigen sollte, wie er sich bei einer überraschenden Frage aus der Affäre ziehen konnte. So hatte Schulz gleich zu Anfang die Frage gestellt: »Wie viele Gezeitenkraftwerke gibt es in Finnland?«

Tobias Krüger hatte die kleine HSV-Fahne auf dem Schreibtisch angestarrt, dann den Professor. Der Student riss sich zusammen. »Nicht sehr viele«, antwortete er.

Das war nicht völlig falsch.

»Genauer«, hatte Schulz verlangt.

»In Finnland gibt es gar kein Gezeitenkraftwerk«, hatte Krüger präzisiert.

Das war richtig. Aber der Prüfling hätte jetzt die Gründe erläutern sollen. Doch Krüger schwieg.

»Warum nicht?«, hatte Schulz schließlich wissen wollen.

Daraufhin hatte Krüger die hohen Kosten für ein Gezeitenkraftwerk aufgeführt.

Ja, die Kosten waren hoch. Hinzu kamen ökologische Bedenken. Jedoch war das eigentliche Problem im Falle Finnlands natürlich der zu geringe Tidenhub. Bei herkömmlichen Gezeitenkraftwerken lag dieser in der Regel bei deutlich über zehn Metern. Die waren in Finnland nirgendwo erreichbar. In Helsinki lag der Tidenhub bei einem Meter.

Schulz hätte es damit bewenden lassen sollen, aber ihn hatte der Teufel geritten. Er hatte als Alternative zur Ostseeküste den Bau eines Gezeitenkraftwerks an der Küste der Barentssee vorgeschlagen. Diesen Vorschlag hatte der Beisitzer mit einem Stirnrunzeln kommentiert. Zwar gab es an der Barentssee, wie Schulz anschließend ausführte, eine russische Versuchsanlage in Kislaja Guba, die sogar mit dem relativ geringen Tidenhub von fünf Metern auskam. Allerdings hatte Finnland keine Verbindung zur Barentssee, was Krüger ganz offensichtlich nicht wusste.

Nach diesem eindrucksvollen Fehlstart hatte Schulz eine ganze Serie von Fragen folgen lassen, bei denen er von vornherein ahnte, dass der Prüfling sie nicht würde befriedigend beantworten können. Konsequenterweise war er letztlich durchgefallen.

»Tut mir leid«, hatte Schulz behauptet.

Der Beisitzer sagte so leise, dass der Prüfling es nicht hören konnte: »Fair war das nicht.«

»Das Leben ist nicht fair«, hatte Schulz geantwortet. »Aber in vielen Fällen gibt es den Verlierern eine zweite Chance. Und in diesem Fall würde ich empfehlen, es vielleicht bei einem anderen Prüfer noch mal zu probieren.«

Diesen Ratschlag schien Tobias Krüger nicht beherzigen zu wollen. Er verkündete stattdessen: »Ich komme wieder, Herr Professor. Und das nächste Mal bin ich wesentlich besser vorbereitet, das schwöre ich Ihnen.«

Einen Moment lang hatte Schulz das Gefühl, dass das eine versteckte Drohung war, aber so leicht ließ er sich nicht erschrecken.

*

Schulz erzählte seiner Frau, was passiert war. Beate schüttelte den Kopf. »Was machst du nur für Sachen?«

»Wieso? Ich fand das lustig.«

»Lustig? So kannst du einen Prüfling nicht behandeln. Das ist zynisch und gemein. Diese Prüfung, die soll doch dazu dienen, diesem Studenten Selbstsicherheit zu