Die neue Herbstkollektion, inszeniert vor den markantesten Plätzen Roms, war abgelichtet. Janet Saunders hatte noch zwei Tage Zeit, sich unabhängig von ihrem Team die Stadt ein wenig genauer anzusehen. Das Hotel, in dem sie seit ihrer Ankunft wohnte, lag in der »Via Sistina«, nur drei Gehminuten von der »Spanischen Treppe« entfernt.
Wie zu einem Sitzstreik versammelt, belagerten Touristen und Einheimische die weitläufigen Stufen. Es war ein heißer Junitag und Janet verspürte wenig Lust, sich bei dieser Hitze durch die vielen Menschen zu drängen.
Mit einem Papiertaschentuch tupfte sie sich den Schweiß aus ihrem Gesicht. Ein frisches, natürliches Gesicht, eingerahmt von blondem, lockigem Haar, das ihr bis zur Taille reichte. Das Blau ihrer Augen war auffallend und wechselte je nach Lichteinfall die Intensität der Farbe. Sie trug ein paar verwaschene Jeans, weiße Sneaker und ein knappes weißes T-Shirt, das ihre zierliche, beinahe knabenhaft wirkende Figur noch mehr zur Geltung brachte.
Janet knüllte das Taschentuch zusammen, steckte es zurück in ihre Umhängetasche und nahm ihre Digicam in die Hand. Nachdem sie einige Fotos von der Kirche im Hintergrund der Treppe aufgenommen hatte, schlenderte sie weiter, vorbei an exklusiven Modeboutiquen bekannter Designer, Cafés und Restaurants, Geschäften, in denen italienische Keramik angeboten wurde und kleinen Souvenirläden mit einer Vielzahl an römischen Andenken und Accessoires. Sie bewegte sich kaum einen Meter, ohne,