: Ursula Guthörl
: Mein Hindu-Sohn Erfahrungsbericht
: Frieling-Verlag Berlin
: 9783828038332
: 1
: CHF 11.40
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als die in Luxemburg lebende Ursula bei einem ihrer Indien-Besuche 1990 den damals etwa zehnjährigen Straßenjungen Rajan kennenlernt, spürt sie, dass Rajan ein ganz besonderes Kind ist. Ursula beschließt, dem kleinen Rajan eine Schulbildung zu ermöglichen. Dass gute Absichten nicht immer gut ankommen, muss Ursula bald erfahren, sie gibt dennoch nicht auf. Die Tage mit Rajan werden zu erhebenden Erlebnissen. Sie übt mit ihm Englisch und erfährt immer mehr über seinen familiären Hintergrund. Mit den Jahren verändert sich die Beziehung zwischen Ursula und Rajan. Ursula wird gezwungen, zu reflektieren und ihr Handeln sowie ihre Erwartungen neu zu bewerten ...

Die gebürtige Saarländerin Ursula Guthörl arbeitet nach ihrem Handelsschulabschluss zunächst als Fremdsprachen-Sekretärin. 1965 erfolgt der Umzug nach Luxemburg, wo sie bis 1998 bei der Europäischen Kommission tätig ist. In der Zeit von 1981 bis 1984 gewährt sie sich eine Erholungspause, die sie im Umfeld des Sri Aurobindo Ashrams in Pondicherry (Auroville/Südindien) verbringt. Heute lebt und schreibt die Autorin in Berlin.

16. 1. 1993

Wir verbrachten einen erfüllten, angenehmen Nachmittag zusammen: Durai, Rajan und ich. Kurz vor 3 Uhr öffneten sie meine Zimmertür. Ich war gerade auf dem Balkon und hatte das Klopfen nicht gehört. Ich wunderte mich, dass sie am Tor niemand aufgehalten hatte. Die Ashramitin am Empfang hatte nämlich gesagt, dass man mir Bescheid sagen würde, wenn meine Freunde kämen.

Nachdem sie sich ein wenig ausgeruht hatten, fuhren wir zum Friedhof, mit Blumen von Agni und mit vielen Rosen und Wasserlilien, die ich heute Morgen vor dem Ashram gekauft hatte. Ich fuhr mit dem Fahrrad, und die beiden langsam hinter oder neben mir her mit dem Motorrad. Ich hatte gar nicht gewusst, dass ein Motorrad so langsam fahren kann.

Auf dem Friedhof das gleiche Ritual wie immer: zuerst den Mann mit dem Schlüssel holen, der auf der anderen Seite im größeren Teil des Friedhofs wohnt. Mindestens 6 Personen umringten uns und sahen neugierig unseren Verrichtungen