DR. SYLVIA BRATHUHN
Als Philosophie-Dozentin lehrt und diskutiert sie über existenzielle Fragen, als Intensivkrankenschwester arbeitete sie früher an der Grenze zwischen Leben und Tod. Auch persönlich hat Dr. Sylvia Brathuhn (*1957) schon erlebt, wie endlich das Leben ist: Ihre Mutter starb früh, sie selbst erkrankte zweimal an Krebs. Außerdem engagiert sie sich vielseitig, sie war unter anderem vier Jahre Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe Krebs und ist Mitherausgeberin von „Leidfaden – Fachmagazin für Krisen, Leid, Trauer“. Im Gespräch erklärt sie, warum der Tod immer plötzlich und unerwartet kommt, wieso wir Menschen so sehr mit der Endlichkeit hadern und wie bei diesen schweren Themen auch Leichtigkeit möglich ist.
Frau Dr. Brathuhn, mit unserem Buch möchten wir die Menschen einladen, ins Gespräch zu kommen. Was wäre für Sie persönlich ein passender, schöner Ort oder auch ein Wohlfühlort, um von Tod und Sterben zu sprechen?
Ich habe gerade gestern einen solchen Gesprächsort erlebt: mit einer Freundin im Saunagarten. Wir lagen dort eingemummelt in unsere Handtücher und sprachen über den Tod. Wie es ist, wenn man selbst gerade gar nicht davon betroffen ist und darüber spricht – und wie es ist, wenn man davon betroffen ist und darüber spricht. Über diese Unterschiede. Es war ein sehr schönes Gespräch und ein sehr schöner Ort dafür. Darüber hinaus ist jeder Ort geeignet, wenn der Mensch, der mir gegenübersitzt, diesen Raum eröffnet und der Augenblick stimmt. Dann kann es auch die Bahnhofshalle oder eine Parkbank sein.
Wir lagen dort, guckten in die Wolken und ich erzählte, dass ich mit einer verstorbenen Freundin zuletzt immer Wolkenreisen gemacht habe.
Es hängt also stark von den Menschen ab, die sich begegnen. War es mit Ihrer Freundin eine Gesprächssituation, in der diese Themen zufällig aufkamen, oder wollten Sie in diesem Moment explizit mit ihr etwas besprechen oder ansprechen?
Es ergab sich. Wir lagen dort, guckten in die Wolken und ich erzählte, dass ich mit eine