: Alexander Zelger
: Ich habe heute noch Gänsehaut Meine spektakulärsten Kriminalfälle. True Crime: von Mafiosi, Serienkillern und anderen Gewalttaten
: Athesia-Tappeiner Verlag
: 9788868397296
: 2
: CHF 16.80
:
: Gesellschaft
: German
: 224
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Schnörkellos, direkt und offenherzig schildert Alexander Zelger den Alltag des Leiters der Kriminalpolizei am Polizeipräsidium in Bozen. Tragisches und Komisches, allzu Menschliches und Mörderisches, Erfolgserlebnisse und gefährliche Situationen vermischen sich. Das Leben als leitender Polizist war nur durchzustehen, weil eine starke Ehefrau an seiner Seite stand - die auch unregelmäßige Arbeitszeiten tolerieren musste. Bei der Schilderung einzelner Fälle werden dem Leser sowohl die Ernsthaftigkeit als auch der Humor des Commissario Capo gleichermaßen auffallen. Anders wäre das Erlebte seelisch auch nicht verkraftbar gewesen. Die Unterstützung durch die Familie, aber auch seitens der Kollegen bei der Staatspolizei, die ihm mit der Zeit regelrecht ans Herz wuchsen, waren ausschlaggebend. Immer wieder schimmert Zelgers Gefühlswelt durch, der als leidenschaftlicher Ermittler spektakuläre Kriminalfälle beschreibt. Im Vordergrund dieses Buches steht aber das professionelle Vorgehen bei der Verbrecherjagd, die sich in vielerlei Hinsicht dann doch von Kriminalromanen und Kriminalfilmen unterscheidet. Wer wissen will, was sich - zumindest in Südtirol - vor und hinter den Kulissen der Polizei abspielt, sollte dieses Buch lesen.

Alexander Zelger arbeitete zunächst als Buchhalter und Bankkaufmann. Neben Arbeit und Familie absolvierte er das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Modena. Während des Studiums reifte in ihm der Gedanke bei der Kriminalpolizei einzusteigen. Nach einer Ausbildung in Rom kam Zelger 1990 als erster deutschsprachiger Kriminalkommissar nach Südtirol zurück. 1992 wurde Zelger zum ersten Südtiroler Kripochef ernannt. Von Ende 1997 bis 2015 wurde er als Verbindungsbeamter, Sicherheitsexperte und Botschaftsattachée des Italienischen Innenministeriums nach Deutschland und nach Österreich abkommandiert. Beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden/Hessen und beim Bundeskriminalamt in Wien war Zelger vor allem im Kampf gegen die italienische Mafia eingesetzt.

BEFEHL IST BEFEHL UND WIE ALLES LOSGING

Die Hellseherin im Sold

des römischen Innenministers

Diese Überschrift ist ernst gemeint, denn in besonders tragischen Fällen greift man zu jedem Strohhalm, so auch bei der Kriminalpolizei. Meine erste Dienststelle im August 1990 war gleich die Quästur in Bozen, also die Landesbehörde für öffentliche Sicherheit und Ordnung und damit Sitz der Schutz- und Kriminalpolizei ‒ wie in jeder anderen italienischen Provinz auch. Zu Beginn meiner Tätigkeit, noch glücklich über die erfolgreiche Bewerbung und nach Absolvierung eines neun Monate langen Lehrganges in Rom, war ich besonders erleichtert, gleich im Zentrum des Landes tätig werden zu können. In den ersten sechs Monaten hatte ich zunächst die Gelegenheit, alle Abteilungen der Polizei kennenzulernen und das gleich in Sichtweite der Kollegen der Carabinieri, die auf der anderen Straßenseite stationiert sind. „Konkurrenz belebt das Geschäft, hätte man in der Wirtschaft gesagt.“

Sehr interessant war meine Lehre im Lagezentrum, dem Kabinettbüro der Quästur – innerhalb der Staatspolizei Ufficio di Gabinetto genannt ‒, wo alle, die Landesstelle betreffende Mitteilungen auf dem Schreibtisch des Capo di Gabinetto (Kabinettschef), also der grauen Eminenz neben dem Questore landeten. Eines Tages, immer noch in der Phase des Kennenlernens, zeigte mir der damalige Kripochef, mein unmittelbarer Vorgänger, eine vom Generaldirektor der Direzione Centrale della Polizia Criminale (Zentraldirektion der Kriminalpolizei in Rom) gesendete Anweisung. Diese enthielt die Order, die volle Unterstützung einer uns bisher unbekannten Hellseherin aus Süditalien zu gewährleisten und ihr rund um die Uhr zu assistieren. Diese Hellseherin war in laufende Ermittlungen in Mittelitalien eingebunden worden, wo es um ein junges Mädchen ging, das seit Wochen spurlos verschwunden war. Man muss dazu wissen, dass der Schriftverkehr zwischen den polizeilichen Dienststellen der Republik und der Polizeibehörde im römischen Innenministerium damals noch über ein internes Telegrafenamt auf Papier erfolgte. Zunächst dachte ich an einen Scherz. Nachdem mir die Richtigkeit und Authentizität der Anweisung bestätigt wurde, dachte ich zunächst einmal in unserem Südtiroler Sprachgebrauch nur:„Oschpele“, was ungefähr so viel bedeutet wie „Mein Gott, wo bin ich denn hier gelandet.“ Mit neuen Mitarbeitern in einer Abteilung treibt man zur Begrüßung bekan